Proteste gegen Regierung : Menschenrechtler berichten von mehr als 300 Toten in Nicaragua

Eine Demonstrantin legt Blumen zum Gedenken an die Opfer der Proteste nieder. Bei den Zusammenstößen zwischen Befürwortern und Gegnern des autoritären Präsidenten Daniel Ortega sind mehr als 300 Menschen ums Leben gekommen.
Eine Demonstrantin legt Blumen zum Gedenken an die Opfer der Proteste nieder. Bei den Zusammenstößen zwischen Befürwortern und Gegnern des autoritären Präsidenten Daniel Ortega sind mehr als 300 Menschen ums Leben gekommen.

Seit April gehen Tausende auf die Straße. Die Lage eskaliert immer wieder. Bei den Demonstrationen fallen Schüsse.

shz.de von
03. Juli 2018, 23:38 Uhr

Managua | Nach Angaben von Menschenrechtlern sind bei den vor mehr als zwei Monaten begonnenen gewalttätigen Auseinandersetzungen in Nicaragua bereits 309 Menschen ums Leben gekommen. Bei den Opfern handele es sich um 297 Zivilisten und 12 Polizisten, teilte die Menschenrechtsvereinigung des lateinamerikanischen Landes (ANPDH) am Dienstag bei einer Pressekonferenz in der Hauptstadt Managua des mittelamerikanischen Landes mit.

Ende Juni war von 285 Todesopfern die Rede gewesen. Zudem seien 1500 Menschen verletzt worden, sagte der Direktor der Organisation, Alvaro Leiva. Mehr als 150 gelten als vermisst.

Der Großteil der Opfer seien bei Protesten erschossen worden, sagte Leiva. Die meisten Opfer habe es im Verwaltungsgebiet um die Hauptstadt Managua gegeben.


Tausende auf der Straße: Demonstranten schwenken in Managua Flaggen aus Protest gegen die Regierung Nicaraguas.
dpa/Carlos Herrera
Tausende auf der Straße: Demonstranten schwenken in Managua Flaggen aus Protest gegen die Regierung Nicaraguas.


Das Land kommt seit Mitte April nicht zur Ruhe. Der autoritäre Präsident Daniel Ortega wollte damals eine Sozialreform durchsetzen, die Bevölkerung protestierte jedoch gegen die Änderung – mit Erfolg. Ortega zog die Reform zurück, seither demonstrieren die Menschen jedoch für einen Rücktritt des Präsidenten und dessen Ehefrau, Vizepräsidentin Rosario Murillo. Polizisten und regierungsnahe Schlägertrupps greifen die Demonstranten regelmäßig an. Nach Angaben der Regierung wurden bei den Unruhen 47 Menschen getötet.

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