Opfer meist regionale Amtsträger : Mehr als 120 Politiker vor Wahl in Mexiko getötet

Miguel Angel Riquelme (links), Gouverneur von Coahuila de Zaragoza, und Roberto Campa Cifrian (rechts), Sekretär für Arbeit und soziale Sicherheit, bei der Trauerfeier des ermordeten Ex-Bürgermeisters von Piedras Negras, Fernando Puron Johnston. Seine Ermordung im Wahlkampf ist in Mexiko kein Einzelfall.
Miguel Angel Riquelme (links), Gouverneur von Coahuila de Zaragoza, und Roberto Campa Cifrian (rechts), Sekretär für Arbeit und soziale Sicherheit, bei der Trauerfeier des ermordeten Ex-Bürgermeisters von Piedras Negras, Fernando Puron Johnston. Seine Ermordung im Wahlkampf ist in Mexiko kein Einzelfall.

Gewalt und Politik liegen in Mexiko nah beieinander. Zu Opfern werden dabei meist regionale Politiker.

shz.de von
26. Juni 2018, 15:25 Uhr

Mexiko-Stadt | Im mexikanischen Wahlkampf sind bisher mehr als 120 Politiker getötet worden. 16 der Opfer waren Frauen, wie das Beratungsinstitut Etellekt, das die Gewalttaten gegen Politiker registriert, mitteilte. Es handele sich um den gewalttätigsten Wahlkampf seit mehr als 20 Jahren, sagte Etellekt-Direktor Rubén Salazar. In den vergangenen zehn Monaten habe es zudem mehr als 400 Aggressionen gegen Politiker gegeben, führt Etellekt auf. Am schwersten treffe die Gewalt Kandidaten und Amtsträger auf lokaler Ebene.

„Gewalt gehört leider zum Wahlkampf“

Das lateinamerikanische Land wählt am kommenden Sonntag nicht nur einen neuen Präsidenten, insgesamt sind mehr als 3000 Ämter neu zu besetzen, darunter der gesamte Kongress, acht Gouverneursposten, rund 1600 Bürgermeisterämter inklusive der Posten in Mexiko-Stadt und weiterer Funktionsträger. „Politische Gewalt war leider auch in der Vergangenheit ein Teil der Wahlkampfzeit in Mexiko“, erklärt die Direktorin für Lateinamerika der Friedrich-Naumann-Stiftung, Birgit Lamm. „Diesmal ist die Gewalt jedoch besonders ausgeprägt. Das hat sicherlich damit zu tun, dass noch nie so viele Mandate zur Wahl standen.“

Mexiko wird derzeit von einer beispiellosen Gewaltwelle überrollt. Mit mehr als 29.000 Tötungsdelikten war das vergangene Jahr das blutigste in der jüngeren Geschichte des Landes. Rund 36.000 Menschen gelten außerdem als verschwunden. In der mexikanischen Unterwelt toben Verteilungskämpfe um Geschäftsanteile, Einflusszonen und Schmuggelrouten. Im Wahlkampf versuchten kriminelle Gruppen, auf die regionalen Regierungen einzuwirken, sagte Etellekt-Direktor Salazar.

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