Spendenaufruf der UN-Flüchtlingshilfe : Massive Angriffe im Süden Syriens: Hunderttausende in Not

Hunderttausende Syrer an Grenze zu Jordanien brauchen dringend Hilfe, meldet das UN-Flüchtlingshilfswerk.
Hunderttausende Syrer an Grenze zu Jordanien brauchen dringend Hilfe, meldet das UN-Flüchtlingshilfswerk.

Im Süden Syriens sind nach UN-Angaben rund 750.000 Menschen in Lebensgefahr. Weitere 660.000 harren in Jordanien aus.

shz.de von
05. Juli 2018, 14:01 Uhr

Damaskus | Mit hunderten Luftangriffen hat die syrische Luftwaffe zusammen mit ihrem Verbündeten Russland die Offensive auf Rebellengebiete im Süden Syriens noch einmal verschärft. Seit dem Scheitern von Verhandlungen am Mittwochabend habe es mehr als 600 Angriffe gegeben, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Oppositionelle Aktivisten bezeichneten die Lage als "höllisch". Bomben und Raketen "regneten" auf die Provinzhauptstadt Daraa und ländliche Gebiete im Osten der Provinz herunter, sagte der Aktivist Abu Omar al-Darawi am Donnerstag.

Daraa ist eine der letzten Regionen in Syrien, die noch unter Kontrolle von Rebellen stehen. Die syrische Armee hatte Mitte Juni eine Großoffensive in der Region gestartet, um nach eigenen Angaben gegen "Terroristen" vorzugehen. Die Stadt an der Grenze zu Jordanien und den Golanhöhen gilt als Ausgangspunkt des Aufstands gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad vor sieben Jahren.

Am Donnerstag habe die syrische Armee die Ortschaft Saida, rund zehn Kilometer östlich von Daraa eingenommen, berichtete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana. Sie bezeichnete den Ort als Hochburg islamistischer Kämpfer. Nach Angaben von Aktivisten starben bei der Offensive auf Saida mindestens sechs Menschen, darunter vier Kinder.

Die Opposition warf Russland vor, am Scheitern der Verhandlungen schuld zu sein. Russland habe darauf bestanden, dass die Rebellen alle ihre schweren Waffen umgehend abzugeben hätten, bevor Vertriebene in ihre Häuser zurückkehren könnten. Die Rebellen wollten ihre Waffen demnach schrittweise abgeben, aber die Kontrolle über die Region behalten.

Dringender Spendenaufruf

Der Chef des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR), Filippo Grandi, rief am Donnerstag zu dringender Hilfe für Jordanien auf, damit das Land mehr fliehenden Syrern Schutz bieten kann. Das Nachbarland Syriens bat er, seine Grenzen für verzweifelte Fliehende zu öffnen. Jordanien hat bereits mehr als 660.000 Syrern Zuflucht gewährt.

"Ich rufe die internationale Gemeinschaft auf, Jordanien sofort und umfangreich zu unterstützen, als Geste der Solidarität und der gemeinsam zu tragenden Verantwortung", sagte Grandi. Er appellierte auch an die kämpfenden Parteien, dringend eine Lösung zu finden, die die Zivilisten verschont. Daraa ist eine der letzten Regionen in Syrien, die noch unter Kontrolle von Rebellen stehen.

Nach seinen Angaben sind inzwischen mehr als 320.000 Menschen in der Region um Daraa auf der Flucht. Viele müssten unter freiem Himmel und ohne Schutz kampieren. 60.000 seien in der Nähe der Grenze zu Jordanien.


zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen