"Nicht das richtige Signal" : Lindner: Staatsbesuch für Erdogan sieht aus wie "Propagandasieg"

FDP-Chef Christian Lindner.
FDP-Chef Christian Lindner.

Der Deutschland-Trip des türkischen Präsidenten sollte nach Ansicht des FDP-Chefs als nüchterner Arbeitsbesuch ablaufen.

shz.de von
14. August 2018, 06:48 Uhr

Berlin | FDP-Chef Christian Lindner hat sich gegen die Pläne der Bundesregierung ausgesprochen, den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan Ende September zu einem groß angelegten Staatsbesuch zu empfangen. Dieses Format wirke "wie ein Propagandasieg" für Erdogan und dessen islamisch-konservative Regierungspartei, sagte Lindner der Deutschen Presse-Agentur. Besser wäre ein reiner Arbeitsbesuch, fügte er an. "Ich halte einen Staatsbesuch mit militärischen Ehren, Staatsbankett und all diesen Symbolen nicht für das richtige Signal, nachdem es immer noch in der Türkei inhaftierte Journalisten gibt, auch nach all den Verwünschungen Deutschlands aus Ankara."

"Mit Herrn Erdogan muss man sprechen"

Dadurch werde Erdogan aufgewertet in seinen Bemühungen, "aus seinem Land eine Präsidialdiktatur zu machen". Das neu eingeführte Präsidialsystem in der Türkei stattet Erdogan mit großer Macht aus. Er kann unter anderem per Dekret regieren, viele Posten im Justizsystem besetzen und seine Vizepräsidenten allein bestimmten.

Zugleich betonte Lindner, Kontakte zur türkischen Regierung seien wichtig. "Mit Herrn Erdogan muss man sprechen. Die Türkei ist in Sicherheitsfragen ein Partner in der Nato, eine regional bedeutende Macht, die auch in der deutschen Innenpolitik eine Rolle spielt, weil wir eine große aus der Türkei stammende Gemeinschaft bei uns haben."

Von der Bundesregierung erwarte er bei Erdogans Besuch klare Worte zur Menschen- und Bürgerrechtssituation in der Türkei, sagte der FDP-Chef. "Zweitens muss durch ein ausdrückliches Auftrittsverbot unterbunden werden, dass es hier spalterische Aktionen gibt und Erdogan bei uns AKP-Propaganda macht." Der Besuch sei auch ein Anlass für die Bundesregierung, sich gegen einen EU-Beitritt der Türkei auszusprechen. An dessen Stelle solle ein Grundlagenvertrag treten, forderte Lindner.

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