Gegen Kaution : "Lifeline"-Kapitän Reisch auf freiem Fuß

Claus-Peter Reisch ist vorerst auf freiem Fuß.
Claus-Peter Reisch ist vorerst auf freiem Fuß.

Der deutsche Kapitän weist alle Anschuldigungen zurück. Er darf Malta vorerst nicht verlassen.

shz.de von
02. Juli 2018, 15:40 Uhr

Valletta | Der deutsche Kapitän des Rettungsschiffes "Lifeline", Claus-Peter Reisch, ist auf Malta gegen eine Kaution von 10.000 Euro auf freien Fuß gesetzt worden. Der 57-Jährige dürfe Malta aber nicht verlassen, sein Pass werde eingezogen, entschied ein Gericht am Montag bei einer ersten Anhörung in der Hauptstadt Valletta. Als nächster Gerichtstermin wurde der 5. Juli festgesetzt. Reisch dürfe außerdem nicht auf der "Lifeline" übernachten. Die Verhandlung soll am Donnerstag fortgesetzt werden.

Reisch wies die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen vor Gericht zurück. "Unsere Mission hat 234 Menschen gerettet, und ich bin mir keiner Schuld bewusst", sagte Reisch laut einer Mitteilung der Dresdner Organisation Mission Lifeline. Der EU warf Reisch vor, das Sterben von Flüchtlingen im Mittelmeer aus politischen Gründen in Kauf zu nehmen.

Die "Lifeline" hatte Migranten vor Libyen gerettet und war danach fast eine Woche auf hoher See blockiert, bis sie Valletta anlaufen durfte. Malta wirft der Dresdner Organisation Mission Lifeline vor, das Schiff sei nicht ordentlich registriert gewesen. Zudem habe der Kapitän die Anweisungen italienischer Behörden ignoriert, die Rettung der libyschen Küstenwache zu überlassen.

Vorwurf der falschen Lizenz

Die Niederlande sind nicht offizieller Flaggenstaat der "Lifeline", da das Schiff nach Angaben des Justiz- sowie des Verkehrsministeriums nicht im Schiffsregister eingetragen ist. Nach Angaben der niederländischen Regierung fährt das Schiff also nicht rechtmäßig unter niederländischer Flagge.

Erst mit dem Eintrag können Eigentümer einen sogenannten See-Brief bekommen und damit nach niederländischem Recht auf internationalen Gewässern fahren. Die "Lifeline" war nur im Register des Wassersportverbandes eingetragen - ein Register für die nicht beruflich genutzten Boote. Dieser Eintrag ist eine Art Eigentumsnachweis.

Zudem hieß es vor Gericht am Montag, Reisch habe nur eine Lizenz, die es ihm erlaube, Schiffe in Küstengewässern innerhalb eines Bereichs von 30 Seemeilen zu steuern. Die Polizei betonte, die Vorwürfe gegen den Kapitän stünden nicht in Zusammenhang mit Menschenschmuggel. Malta hat indes seine Häfen für andere Rettungsschiffe geschlossen und blockiert damit auch das Auslaufen der "Sea Watch 3" einer anderen deutschen Organisation.

Knapp 90.000 Euro für den besten Anwalt

Reischs Rechtsberater Neil Falzon sagte nach der Anhörung, es sei ein ernstes Problem, wenn die Politik humanitäre Fragen beeinflusse und Hilfsorganisationen in Folge zum Ziel würden. Aktivisten protestierten vor dem Gerichtsgebäude.

Der TV-Satiriker Jan Böhmermann sammelte für die Dresdner Hilfsorganisation bislang rund 88.500 Euro an Spenden über das Internet. "Lasst uns gemeinsam für die beste Verteidigung zusammenschmeißen, die man sich für Geld kaufen kann", schrieb er zu einem am Freitag veröffentlichten Video, in dem er zur Unterstützung der Organisation aufruft. Gute Rechtsanwälte seien "schweineteuer".

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen