Sophia L. aus Leipzig : Leiche der vermissten Tramperin wohl in Spanien gefunden

Suche nach der vermissten Tramperin auf der Pegnitzwiese in Bayern.
Suche nach der vermissten Tramperin auf der Pegnitzwiese in Bayern.

Die Polizei im Baskenland entdeckt eine Frauenleiche, der Tatort wird in Bayern vermutet.

shz.de von
21. Juni 2018, 21:53 Uhr

Madrid | Das Rätsel um den Verbleib der seit gut einer Woche vermissten Tramperin Sophia L. aus Leipzig steht womöglich kurz vor der Auflösung: Medienberichten zufolge könnte es sich bei einer in spanischen Baskenland gefundenen Leiche um die 28-jährige Studentin handeln. Darauf deuteten viele Anzeichen hin, hieß es. Die Leiche sei bislang allerdings nicht eindeutig identifiziert worden. Gerichtsmediziner sollten die Tote nun genauer untersuchen.

Der Frauenkörper sei am Donnerstag an einer Tankstelle in Asparrena in der Provinz Álava von der baskischen Polizei entdeckt worden und weise Spuren von Gewalt auf, berichtete die Nachrichtenagentur Europa Press am späten Donnerstagabend unter Berufung auf Ermittlerkreise.

Polizei und Staatsanwaltschaft in Leipzig teilten am Freitag mit, die tote Frau sei bislang noch nicht identifiziert. Von den spanischen Polizei- und Justizbehörden sei "ein eigenes Verfahren zur Untersuchung des Leichenfundes eröffnet, zu dem wir nicht befugt sind, Angaben zu machen", erklärten die Leipziger Ermittler. Alle Ermittlungen in Spanien würden in enger Abstimmung mit den deutschen Behörden geführt.

Inzwischen haben sich Hinweise auf einen möglichen Tatort in Oberfranken verdichtet, wie der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel am Freitag in Bayreuth sagte. Nach der Festnahme eines tatverdächtigen Lastwagenfahrers in Spanien am Dienstag wurden demzufolge auch die GPS-Daten seines ausgebrannten Lastwagens ausgewertet. Aufgrund dieser Erkenntnisse könne davon ausgegangen werden, dass die Frau in Oberfranken getötet wurde, teilten die Ermittler mit. Wo genau man den Tatort vermutet, ließ Potzel offen.

So verschwand Sophia L.

Die 28-Jährige war zuletzt gesehen worden, als sie an einer Tankstelle an der Autobahn 9 nahe dem Leipziger Flughafen in einen Lastwagen gestiegen sein soll. Die Frau wollte nach Bayern trampen, kam aber nicht an. Am Dienstag hatten die Ermittlungsbehörden mitgeteilt, dass ein Mann in Spanien festgenommen worden sei. Er gilt als dringend verdächtig, die Studentin getötet zu haben.

Der südlich von Madrid festgenommene Fernfahrer soll demnächst nach Deutschland gebracht werden. Der Tatverdächtige hatte am Freitag die Überstellung an die deutschen Behörden akzeptiert. Zuvor hatte eine Richterin am Nationalen Staatsgerichtshof in Madrid den 41-Jährigen vernommen und anschließend gegen ihn einen Haftbefehl ohne Anrecht auf Freilassung auf Kaution erlassen. Der Mann war Angaben der Bayreuther Ermittler zufolge auf dem Weg nach Marokko.


Rassistische Hetze auf Kosten des Opfers

Das sei unerträglich, erklärte der Bruder. In einem Brief an die Medien schrieb er: "Sophia würde unter keinen Umständen wollen, dass auf ihre Kosten rassistische Hetze betrieben wird, wie es teils schon geschehen ist." Es sei unerträglich, wie das Verschwinden seiner Schwester von Rassisten instrumentalisiert werde, bevor überhaupt Klarheit herrsche, was passiert sei. Über Twitter bat der Bruder am Donnerstag zudem erneut um Hinweise auf seine Schwester. "Bitte haltet die Augen offen, bittet informiert die Polizei, wenn ihr sie irgendwo gesehen habt", heißt es in dem englischsprachigen Post.


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