Angriff auf Crew-Mitglied : Eisbär bei Kreuzfahrt erschossen – Kritik von Tierschützern

Der erschossene Eisbär auf Spitzbergen hatte ein deutsches Crew-Mitglied des Kreuzfahrtschiffes 'MS Bremen' angegriffen.
Der erschossene Eisbär auf Spitzbergen hatte ein deutsches Crew-Mitglied des Kreuzfahrtschiffes "MS Bremen" angegriffen.

Der Eisbär hatte ein Mitglied der "MS Bremen" attackiert. Es war nicht der erste Vorfall dieser Art.

shz.de von
30. Juli 2018, 11:03 Uhr

Stockholm | Ein Eisbär hat auf Spitzbergen ein deutsches Crew-Mitglied des Kreuzfahrtschiffes "MS Bremen" angegriffen. Das Tier habe den Eisbärenwächter am Kopf verletzt, teilte der Veranstalter Hapag-Lloyd Cruises mit. Der Mann sei am Samstag mit anderen Wächtern – aber ohne Touristen – an Land gegangen. Zuvor hatte ein Sprecher des Rettungsdienstes von Nordnorwegen gesagt, zu der Attacke sei es gekommen, als eine Gruppe von Touristen in einem kleinen Boot auf einer Insel anlandete. Spitzbergen ist eine zu Norwegen gehörende Inselgruppe.

Ole Jakob Malmo von der Polizei in Svalbard sagte, ein Hubschrauber habe den Verletzten ins Krankenhaus von Longyearbyen, den Hauptort der arktischen Inselgruppe, geflogen. Der Mann sei ansprechbar und außer Lebensgefahr, ergänzte Negar Etminan von Hapag-Lloyd Cruises. Wie das Krankenhaus am Montagnachmittag mitteilte, konnte der Mann die Klinik wieder verlassen.

Andere Wächter hätten den Eisbären "aus Gründen der Notwehr" erschossen. "Weitere Crewmitglieder und Passagiere sind vom Vorfall nicht betroffen."

Wütende Kommentare in Sozialen Netzwerken

Zu dem Tod des Eisbären gab es in den sozialen Netzwerken eine Reihe entsetzter und wütender Kommentare. Der britische Comedian Ricky Gervais schrieb etwa in einem Tweet: "Lassen Sie uns einem Eisbären in seiner natürlichen Umgebung zu nahe kommen und ihn dann töten, wenn er uns zu nahe kommt. Idioten."

Der Polizeibeamte Malmo sagte, der Vorfall im nördlichsten Teil des Svalbard-Archipels werde untersucht. Der erschossene Bär solle in Longyearbyen obduziert werden. Die Behörden der Region warnen regelmäßig vor der Gefahr, die von Eisbären ausgeht. Im Jahr 2015 verletzte ein Polarbär einen Tschechen, der dort eine totale Sonnenfinsternis beobachten wollte. Die letzte tödliche Attacke eines Eisbären geschah 2011, als ein britischer Student ums Leben kam.

"Wo Eisbären die Wildnis regieren"

Die jeweils vier bis fünf Eisbärenwächter an Bord der Schiffe von Hapag-Lloyd Cruises sollen dafür sorgen, dass Passagiere gefahrlos an Land gehen könnten, sagte Unternehmenssprecherin Etminan. Sie seien speziell ausgebildet und bewaffnet. Der Vorfall vom Samstag sei geschehen, als die Wächter eine Landstation zur Absicherung eines Landgangs einrichten wollten. Die Passagiere würden Eisbären aber nicht von Land sondern von Bord des Schiffes beobachten.

Der Kreuzfahrtveranstalter Hapag-Lloyd Cruises wirbt für die Reisen nach Longyearbyen mit dem Versprechen, die Passagiere könnten dort "Arktis pur" erleben. "Wo Eisbären die Wildnis regieren", heißt es auf der Webseite, "bestimmt die Natur den Verlauf ereignisreicher Tage". Eine zehntägige Reise mit der "MS Bremen", die 160 Passagiere mitnehmen kann, kostet mindestens 5.810 Euro.

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