Populärer Mitfahrdienst : Kotz-Betrug bei Uber – Kunden in den USA klagen über Abzocke

Über Uber buchen täglich Millionen Menschen weltweit Fahrten in Privatwagen. In den USA grassiert nun eine Betrugsmasche: 'Vomit Fraud', zu deutsch 'Kotz-Betrug'. Foto: dpa/Christian Beutler/KEYSTONE
Über Uber buchen täglich Millionen Menschen weltweit Fahrten in Privatwagen. In den USA grassiert nun eine Betrugsmasche: "Vomit Fraud", zu deutsch "Kotz-Betrug".

Mehrere Uber-Kunden sind empört: Ihnen werden Reinigungskosten berechnet – weil sie angeblich im Auto gebrochen hätten.

shz.de von
24. Juli 2018, 19:10 Uhr

Miami | Die Fälle häufen sich, der Ärger wächst: In den sozialen Netzwerken machen Warnungen vor dem "Kotz-Betrug" ("vomit fraud") bei Uber die Runde. Demnach sind mehrere Kunden des Mitfahrdienstes in den USA einer dreisten Masche aufgesessen: Die Uber-Fahrer transportieren ihre Fahrgäste an den gewünschten Ort, doch im Nachhinein bekommt der Mitfahrer eine Nachricht. Es gebe eine "Anpassung" in der Rechnung. Dem Fahrgast wurden 80 bis 150 Dollar mehr von der Kreditkarte abgebucht – als Reinigungsgebühr für das Erbrochene, das er angeblich hinterlassen habe.

Von derartigen Fällen berichten mehrere Uber-Nutzer der Zeitung "Nuevo Herald" in Miami. Uber würde sich den Erfahrungen der Betroffenen zufolge stets auf die Seite der Fahrer stellen und die Gebühr nicht erstatten. Schließlich legten die Fahrer vermeintliche Beweise vor: Fotos von Erbrochenem über Sitze und Armaturen sollen das angebliche Malheur belegen.

Ubers Geschäftsbedingungen in den USA sehen vor, dass ein Fahrer 80 Dollar berechnen kann, wenn ein Gast sich im Wagen übergibt oder ein Getränk verschüttet. 150 Dollar dürfen verlangt werden, wenn eine "signifikante Menge von Körperflüssigkeiten (Urin, Blut oder Erbrochenes)" im Wagen zurückbleibt. Auch in Deutschland dürfen Fahrer in solchen Fällen Entschädigung verlangen.

Rechnung trotz Fahrtabsage

Wie verbreitet der Kotz-Betrug in Südflorida ist, zeigt die Geschichte von William Kennedy, der bei zwei Uber-Fahrten in einer Nacht beide Male kräftig nachzahlen sollte. Erst nach mehreren E-Mails an Uber habe man ihm die eingezogenen 300 Dollar erstattet, sagte er dem "Nuevo Herald".

Noch heftiger traf es eine Journalistin der US-Zeitung, die eine Fahrt zum Flughafen gebucht hatte. Der Uber-Fahrer sei nicht erschienen, also habe sie die Fahrt storniert. Der Fahrer berechnete ihr daraufhin jedoch nicht nur die Fahrtkosten, sondern auch eine Stornogebühr und 150 Dollar Reinigungspauschale. Mit zwei Fotos wollte der Fahrer den "Zwischenfall" beweisen – bei einer Fahrt, die nie zustande kam. Die Journalistin schaffte es letztlich mit Screenshots von Uber die Gebühren zurückzubekommen. Als Konsequenz habe Uber den Account des Fahrers gesperrt.

Die Polizei in Miami will sich dem Bericht zufolge aus dem Thema heraushalten: "Es ist schwierig das als Verbrechen anzusehen." Derartige Beschwerden seien Sache der Fahrgäste, Uber und den Fahrern. Anders in Mexiko, wo eine Verbraucherzentrale ein Bußgeld gegen Uber verhängt hat. Demnach dürfen nachträgliche Gebühren nicht ohne die Autorisierung des Uber-Kunden verhängt werden. In Deutschland sind derartige Betrugsfälle noch nicht bekannt geworden.

Weiterlesen: Uber-Chef: "Hatten sehr schlechten Start in Deutschland"

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