Nahe Vergiftungsort der Skripals : Kontakt mit "unbekannter Substanz": Paar in Salisbury schwer erkrankt

Ermittlungen zur Vergiftung des Ex-Doppelagenten Skripal und dessen Tochter in Salisbury.
Ermittlungen zur Vergiftung des Ex-Doppelagenten Skripal und dessen Tochter in Salisbury.

Es erinnert an den russischen Ex-Agenten Sergej Skripal und seine Tochter: Die jetzigen Opfer sind in Lebensgefahr.

shz.de von
04. Juli 2018, 15:24 Uhr

London/Salisbury | Vier Monate nach dem Giftanschlag auf die Skripals ist ein Paar nahe dem damaligen Tatort durch eine unbekannte Substanz schwer erkrankt. Die beiden liegen im kritischen Zustand in einer Klinik im englischen Salisbury. Erwartungsgemäß seien Terrorexperten in die Ermittlungen einbezogen worden, teilte Scotland Yard am Mittwoch mit. Die Polizei in der südwestlichen Grafschaft Wiltshire sprach von einem "größeren Vorfall".

Ein Verbrechen konnte die Polizei zunächst ebenso wenig ausschließen wie Drogenmissbrauch. Man gehe unvoreingenommen an den Fall heran.

Im vergangenen März waren Teile der Innenstadt von Salisbury abgeriegelt worden, nachdem der ehemalige russische Doppelagent Sergej Skripal und seine Tochter Julia dort mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet worden waren. Sie saßen bewusstlos auf einer Parkbank. London machte Moskau für die Tat verantwortlich; es kam zu einem diplomatischen Schlagabtausch und Ausweisungen zahlreicher Diplomaten. Die Skripals leben inzwischen an einem unbekannten Ort.

Auch Verdacht auf Heroin oder Crack

Die beiden Betroffenen im Alter von etwa 40 Jahren wurden nach Angaben der Polizei bereits am Samstagabend bewusstlos in einem Wohnhaus in Amesbury gefunden. Die Beamten seien zunächst davon ausgegangen, dass die beiden möglicherweise verunreinigtes Heroin oder Crack-Kokain eingenommen haben könnten. Es werde aber noch genau untersucht, welche Substanz im Spiel gewesen sei.

Es würden nun "weitere Tests durchgeführt, um die Substanz zu ermitteln, die dazu geführt hat, dass diese Patienten krank geworden sind", teilte die Polizei mit. Einige Bereiche in Salisbury sowie in der Stadt Amesbury rund 13 Kilometer weiter nördlich wurden demnach vorsichtshalber abgesperrt.

Es sei nicht klar, ob die Betroffenen Opfer eines Verbrechens geworden seien, hieß es. Die Gesundheitsbehörde ging nach eigenen Angaben nicht von einer "bedeutenden Gesundheitsgefährdung" für die Öffentlichkeit aus. Die Polizei habe Gegenden abgesperrt, an denen sich die beiden zuvor aufgehalten hätten.

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