Republikaner auf Abstand : John McCain: Trumps Auftritt mit Putin historischer "Tiefpunkt"

Der prominente Republikaner John McCain stellte sich 2016 (Foto) gegen Pläne des US-Präsidenten Barack Obamas. Nun hat er den amtierenden Präsidenten Donald Trump scharf kritisiert. Foto: dpa/MICHAEL REYNOLDS
Der prominente Republikaner John McCain stellte sich 2016 (Foto) gegen Pläne des US-Präsidenten Barack Obamas. Nun hat er den amtierenden Präsidenten Donald Trump scharf kritisiert.

Die weitgehend unkritische Haltung des US-Präsidenten gegenüber dem Kremlchef stößt in den USA auf harsche Kritik.

shz.de von
16. Juli 2018, 22:50 Uhr

Washington | Nach dem Gipfeltreffen von Donald Trump mit Kremlchef Wladimir Putin sind wichtige Teile der republikanischen Partei auf Distanz zum US-Präsidenten gegangen. Trumps Auftritt bei dem Gipfel in Helsinki stelle einen "Tiefpunkt in der Geschichte der amerikanischen Präsidentschaft" dar, erklärte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Senat, John McCain, am Montag in einer Stellungnahme. John McCain, kritisierte: "Die heutige Pressekonferenz in Helsinki war eine der schändlichsten Aufführungen eines amerikanischen Präsidenten seit Menschengedenken." Der Gipfel sei "ein tragischer Fehler" gewesen.



"Der Präsident hat sich auf die Seite von Wladimir Putins Dementi über die einhellige, einhellige Schlussfolgerung der US-Geheimdienstgemeinschaft gestellt", teilte der Oppositionsführer im US-Senat, Chuck Schumer, am Montag mit. "Er hat das Wort des KGB über die Männer und Frauen der CIA gestellt." Auch wichtige Politiker von Trumps Republikanern distanzierten sich. Der Trump nahe stehende Sender Fox News fasste die Kritik an Trumps Auftritt in Helsinki so zusammen: "beschämend, schändlich, verräterisch".

Putin hatte bei der Pressekonferenz mit Trump jede Einmischung in die US-Wahlen 2016 dementiert. Trump stellte sich nicht auf die Seite der US-Geheimdienste, die wie die Ermittlungsbehörden überzeugt von einer russischen Urheberschaft sind. "Ich habe großes Vertrauen in meine Geheimdienstleute", sagte Trump. "Aber ich werde Ihnen sagen, dass Präsident Putin in seinem Dementi heute extrem stark und kraftvoll war." Er fügte hinzu: "Ich habe Vertrauen in beide Parteien."

Russin wegen versuchter Infiltration angeklagt

Die US-Justiz hatte erst am Freitag zwölf Mitarbeiter des russischen Militärgeheimdienstes GRU angeklagt, für Hackerangriffe auf Computer der oppositionellen Demokraten vor der Wahl 2016 verantwortlich zu sein. Das Justizministerium teilte am Montag mit, gegen eine weitere Russin sei Anklage erhoben worden. Sie soll in den USA für die Regierung in Moskau gearbeitet haben soll, ohne dies anzuzeigen. Die 29-Jährige sei am Sonntag in Washington festgenommen worden. Nach US-Gesetz müssen sich ausländische Lobbyisten oder Diplomaten vor Beginn ihrer Tätigkeit in den USA beim Justizministerium melden.

Der republikanische Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Paul Ryan, teilte mit: "Es ist keine Frage, dass Russland in unsere Wahl eingegriffen hat und weiterhin versucht, die Demokratie hier und weltweit zu untergraben. (...) Der Präsident muss anerkennen, dass Russland nicht unser Verbündeter ist."

"Schwäche war beschämend"

Die Oppositionsführerin in Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, kritisierte: "Präsident Trumps Schwäche vor Putin war beschämend und beweist, dass die Russen etwas über den Präsidenten haben, persönlich, finanziell oder politisch. Das ist ein trauriger Tag für Amerika und für alle westlichen Demokratien, die Putin weiterhin ins Visier nimmt." Putin hatte es bei der Pressekonferenz als "Unsinn" bezeichnet, dass er kompromittierendes Material über Trump habe.

Der frühere Direktor des US-Geheimdienstes CIA, John Brennan, kritisierte auf Twitter, die Pressekonferenz Trumps mit Putin sei "nicht weniger als verräterisch" gewesen. "Er ist vollständig in der Tasche Putins."

US-Demokrat John Kerry twitterte, Trumps Auftritt sei "unverzeihlich":



Für Aufregung sorgte in Washington auch eine Twitter-Nachricht, die Trump kurz vor dem Gipfel geschrieben hatte. Dort machte er die frühere Politik der USA und die Ermittlungen seines Justizministeriums in der Russland-Affäre für das angespannte Verhältnis zu Moskau verantwortlich.



"Unsere Beziehung zu Russland war NIEMALS schlechter, dank vieler Jahre amerikanischer Torheit und Dummheit und nun wegen der manipulierten Hexenjagd!", schrieb Trump. Das russische Außenministerium kommentierte den Tweet Trumps mit den Worten "We agree" ("Wir stimmen zu").

Angesichts der Kritik meldete sich Trump während seines Rückflugs in die USA bei Twitter zu Wort: "Wie ich heute und oft davor gesagt habe, "ich habe RIESIGES Vertrauen in MEINE Geheimdienstleute". Allerdings muss ich auch anerkennen, dass wir uns nicht ausschließlich auf die Vergangenheit konzentrieren können, um eine hellere Zukunft zu bauen - als die beiden weltgrößten Atommächte müssen wir uns miteinander auskommen."



Trotz Trumps Beschwichtigungen hielten die US-Geheimdienste auch nach dem Gipfel mit Putin an ihren eindringlichen Warnungen vor Russland fest. "Wir sind in unseren Einschätzungen der russischen Einmischung bei der Wahl 2016 und den anhaltenden tiefgreifenden Bemühungen zur Aushöhlung unserer Demokratie deutlich gewesen", teilte US-Geheimdienstkoordinator Dan Coats am Montag mit. "Wir werden weiterhin ungeschminkte und objektive Informationen zur Unterstützung unserer nationalen Sicherheit liefern."

Russland soll sich den Vorwürfen zufolge mit Hackerangriffen in den Präsidentschaftswahlkampf 2016 eingemischt haben, um Trump zu helfen und seiner demokratischen Konkurrentin Clinton zu schaden. Geheimdienste in Washington haben Belege für Hackerattacken auf Computer der Demokraten gesammelt. Sonderermittler Robert Mueller hat russische Internet-Trolle wegen der Einflussnahme über soziale Netzwerke angeklagt. Und er geht den verdächtig engen Kontakten zwischen Moskauer Vertretern und Trumps Team nach. Trump sprach am Montag erneut von einer "Hexenjagd".

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