Besuch von Flüchtlingskindern : Irritationen über Melania Trumps Jacke: "Es ist mir wirklich egal - und Euch?"

'Es ist mir wirklich egal - und Euch?' steht auf Melania Trumps Jackenrücken.
"Es ist mir wirklich egal - und Euch?" steht auf Melania Trumps Jackenrücken.

Die First Lady löst bei ihrem Besuch von Flüchtlingskindern Diskussionen aus. Wollte Sie ein Statement abgeben?

shz.de von
22. Juni 2018, 07:09 Uhr

Washington | Melania Trump hat mit einer Jacke, die sie auf der Reise von und zu Flüchtlingskindern an der mexikanischen Grenze getragen hat, Diskussionen ausgelöst. Als die First Lady (48) auf dem Flughafen Andrews bei Washington am Donnerstag ihren Wagen verließ und die Gangway hochging, trug sie eine olivgrüne Jacke mit einem weißen Schriftzug - ebenso bei der Rückkehr. Im Graffiti-Stil spannt sich dort über den ganzen Rücken: "Es ist mir wirklich egal - und Euch?" ("I really don't care - Do u?")

In sozialen Medien wurde rasch die Frage laut, ob dies angesichts der politischen Brisanz der Diskussion über ein Auseinanderreißen von Flüchtlingsfamilien Gedankenlosigkeit der First Lady gewesen sei oder doch eine Botschaft. "Und wenn es eine Botschaft war, wem wollte sie denn sagen, dass ihr das so egal ist?" fragten Nutzer.

Im Raum standen zunächst zwei Theorien. Der einen zufolge interessiert sich Melania Trump nicht wirklich für Flüchtlinge. Der anderen Lesart nach hätte sie die Jacke ihrem Mann präsentiert, dem US-Präsidenten. Als Verursacher der viel kritisierten Flüchtlingspolitik fand er den Grenzgang seiner Frau womöglich nicht so toll. Der Präsident selber fügte per Twitter eine weitere Interpretation hinzu: Seine Frau habe die Botschaft klar an die Medien adressiert. Sie habe verstanden, wie unaufrichtig diese seien, und das sei ihr nunmehr wirklich egal.


Melania Trumps Sprecherin Stephanie Grisham hatte zuvor in Texas etwas anderes verbreitet: "Es ist eine Jacke. Da war keine verdeckte Botschaft. Ich hoffe, dass sich die Medien nach dem wichtigen Besuch in Texas nicht dafür entscheiden, sich auf ihre Garderobe zu konzentrieren." Beim Abflug in Maryland und bei der Rückkehr war es am Donnerstag so warm, dass man keine Jacke brauchte. In Texas trug die First Lady die Jacke nicht.

Einen Tag nach der Kehrtwende ihres Mannes im Streit um die Trennung von Zuwanderer-Familien hatteMelania Trump demonstrativ ein Aufnahmezentrum für Flüchtlingskinder besucht. Die Minderjährigen müssten so schnell wie möglich wieder zu ihren Familien, sagte Melania Trump am Donnerstag in Texas an der Grenze zu Mexiko. Zuvor hatte sie die von der Regierung Donald Trumps eingeführte Praxis kritisiert, illegale Zuwanderer einzusperren und sie von ihren Kindern zu trennen.

In den vergangenen Wochen hatten die US-Behörden Familien illegal eingewanderter Menschen aus Süd- und Mittelamerika konsequent getrennt. Dies hatte international und auch in den USA scharfe Proteste verursacht.

Trump macht Rolle rückwärts

Trump hatte diese Praxis am Mittwoch unter großem Druck überraschend beendet. Mit einem vorübergehenden Dekret machte er den Weg frei, Eltern und Kinder nun gemeinsam zu inhaftieren. Der Besuch der First Lady in Texas war bereits vor diesem Dekret geplant worden.

Die "Washington Post" berichtete am Donnerstag, die US-Behörden würden bis auf weiteres illegale Einwanderer mit Kindern nicht mehr der Justiz überantworten. Grenzbeamte seien angewiesen worden, Zuwanderer solange nicht mehr der Justiz zu übergeben, bis eine Langzeitlösung gefunden sei.

Sollte sich dies bestätigen, wäre das die zweite gravierende Kehrtwende im Umgang mit Immigrantenfamilien binnen weniger Tage. In US-Medien hieß es am Donnerstag, offener und geballter Protest habe Trump umdenken lassen. Auch Hardlinern in der eigenen Partei seien die Bilder weinender Kinder zu viel gewesen. Trump hat sich eine "Null-Toleranz"-Politik auf die Fahnen geschrieben.

Abstimmung verschoben

Am Rande einer Kabinettssitzung forderte Trump die oppositionellen Demokraten zu Gesprächen und zur Kooperation auf, um die Migrationspolitik voranzubringen. Aufgrund fehlender Mehrheiten ist die Verabschiedung neuer Migrationsgesetze nur überparteilich möglich. Trump hat wiederholt die Demokraten für das Ausbleiben einer gesetzlichen Regelung verantwortlich gemacht. Allerdings gibt es kein Gesetz, das eine Trennung der Kinder von ihren Eltern vorschriebe.

Im Repräsentantenhaus, wo Trumps Republikaner über eine größere Mehrheit verfügen, waren am Donnerstag mehrere Abstimmungen geplant. Ein Entwurf mit härteren Regelungen erhielt keine Mehrheit. Die Abstimmung über einen Kompromissentwurf wurde auf Freitag verschoben.

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