Günter Fink zum 70. Otto-Geburtstag : In einer WG mit Waalkes, Lindenberg und Westernhagen

Vor etwas mehr als 45 Jahren: Der damals 24-Jährige Otto Waalkes zu Beginn seiner Karriere.
Vor etwas mehr als 45 Jahren: Der damals 24-Jährige Otto Waalkes zu Beginn seiner Karriere.

Zum 70. Geburtstag von Otto Waalkes erinnert sich Günter Fink an die gemeinsame WG-Zeit in der "Villa Kunterbunt".

shz.de von
22. Juli 2018, 08:03 Uhr

Hamburg | Eigentlich kam er zum Studieren her. 1970 verließ Otto Waalkes seine Heimat Emden und zog in das 250 Kilometer entfernte Hamburg, um dort ein Studium an der Hochschule für bildende Künste aufzunehmen. Damit er sich das neue Leben finanziell leisten konnte, trat er mit der Gitarre in kleinen Clubs der Stadt auf. Und so wurde aus dem angehenden Maler Waalkes der Komiker Otto.

Gewohnt hat der Ostfriese damals in einer WG mit zeitweise 13 Mitbewohnern – in der sogenannten "Villa Kunterbunt", einer der Geburtsstätten der Hamburger Szene. Dort, in einer schicken Villa am Rondeel 29 im Stadtteil Winterhude, lebte er unter anderem mit Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen, mit Gottfried Böttger, Lonzo Westphal, Wilken F. Dincklage und dem Radiomoderator Günter Fink zusammen.

Otto Waalkes (l.) und Günter Fink in den 70er Jahren.
privat
Otto Waalkes (l.) und Günter Fink in den 70er Jahren.

"Das war so etwas wie ein Haus der offenen Tür", erinnert sich der heute 64-jährige Fink. "Wir wurden immer mehr." Er selbst wohnte zuerst noch gegenüber, in einem Haus an der Sierichstraße. Als seine damalige Freundin und er sich aber trennten, ging er über die Straße und fragte, ob vielleicht ein WG-Zimmer frei wäre. "Ich kannte die ja alle aus dem Onkel Pö", sagt Fink. Und so war es auch kein Problem, das gewünschte Obdach zu bekommen. "Ich zog ganz nach oben unters Dach, in ein kleines romantisches Zimmer mit schrägen Wänden und einer Luke, durch die das Mondlicht schien." Die Einrichtung bestand nur aus einem Stuhl, einem Tisch und einer Matratze, außerdem gab es ein gemeinsames Badezimmer und eine gemeinsame Küche. Aufgehalten wurde sich aber sowieso vor allem im Eingangsbereich, wo ein großer länglicher Tisch stand. Dort lernte er auch Otto Waalkes kennen.

"Das war eine sehr kreative Clique. Wenn wir nicht in unserem zweiten Wohnzimmer, dem Onkel Pö, waren, saß man da am Tisch. Da passten bestimmt 18 Leute hin", sagt Fink, "und an fast jedem Tag waren andere Mädchen da." Dort saß man dann "mittags um 12 Uhr zum Frühstück" zusammen, es wurde rumgeblödelt, Musik gemacht und es entstanden die Ideen. "Das war das Schöne an dieser wirklich tollen Zeit, es lief alles so unkommerziell." Auch aus Fink selbst wurde damals eine von Ottos Figuren – als Moderator für NDR 2 war Günter Fink die Vorlage für Waalkes' rasenden Reporter Harry Hirsch.

Aber auch darüber hinaus war der Radiomann nicht unbeteiligt am steigenden Bekanntheitsgrad seines ostfriesischen Mitbewohners. Waalkes, der damals durch die Clubs der Stadt tingelte – das Onkel Pö, Logo, Danny's Pan oder das Remter – und Lieder von Bob Dylan und "anderen Barden" sang, erkannte schnell, dass seine Witze besser beim Publikum ankamen. "Weil ich so nervös war, habe ich meine Musik mit kleinen Scherzen verbunden", sagte er mal in einem Interview. "Ich habe mich zwischendurch vorgestellt, mich für mein Aussehen entschuldigt, aus Versehen ist mir dann immer noch das Mikrofon runtergefallen. Das fanden die Leute lustig. So hatte ich im Lauf der Zeit immer mehr Wortbeiträge."

Irgendwann kam Waalkes' Manager Hans Otto Mertens auf die Idee, den ersten großen Auftritt im Hamburger Audimax auf einem Revox-Tonbandgerät mitzuschneiden und zu veröffentlichen. Da sie allerdings niemanden fanden, der das machen wollte, gründeten Walkes und er eine eigene Plattenfirma: Rüssl Räckords.

Mit der ersten Platte "Otto" zogen die beiden dann durch die Plattenläden – und Günter Fink spielte sie im Radio. "Ich bekam sie morgens in die Hand gedrückt und hab sie mit ins Studio genommen." Wenn ihm etwas gefiel und er sich dachte, das müsste gefördert werden, habe er es in seinen Sendungen gespielt, sagt Fink. "Damals hatten wir Moderatoren ja noch die Chance, unsere eigenen Programme zusammenzustellen. Heute, im Zeitalter des Formatradios, ist das ja unverstellbar." Und die LP von Otto gefiel ihm: „Ich lag lachend unter dem Tisch als ich das hörte. Also habe ich das Ding im NDR rauf und runter gespielt."

Ottos Erfolg wuchs, die Platte erreichte Platz 1 der LP-Hitparade, verkaufte sich im Laufe der Zeit mehr als 500.000 Mal – und auch die Wohngemeinschaft profitierte davon: Waalkes schaffte von seinem Geld die erste Geschirrspülmaschine an. Schließlich sei er immer für den Abwasch zuständig gewesen, wie der Komiker mal in einem Interview betonte. Fink dagegen hat das etwas anders in Erinnerung: "Das sah bei uns aus, wie das eben so ist, wenn Künstler auf einem Haufen leben. Überall lag etwas herum, es war sehr chaotisch." An einen Putzplan oder eine Aufgabenverteilung allerdings könne er sich nicht erinnern.

Otto Waalkes (l.) und Günter Fink sind bis heute befreundet.
Reto Klar
Otto Waalkes (l.) und Günter Fink sind bis heute befreundet.

Etwa zweieinhalb Jahre hat Fink in der "Villa Kunterbunt" gelebt, auch die anderen zogen mit der zunehmenden Kommerzialisierung der Hamburger Szene aus. „Als das Geld da war, flog die WG auseinander“, sagt er. Der Kontakt zwischen den ehemaligen Mitbewohnern aber ist bis heute geblieben. Mit Otto spielte er noch bis vor wenigen Jahren häufig Tennis, bei Finks Frau Katja, einer Musikpädagogin, nahm Waalkes Klavierunterricht.

Und kurz nach Ottos Geburtstag wird er seinen alten Freund dann auch wiedersehen, sagt der Radiomoderator. Wo und wann genau das sein wird, weiß er allerdings selbst noch nicht. In einem ist er sich aber sicher: "Es werden auch andere Gesichter aus der ehemaligen Wohngemeinschaft dabei sein."

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