Veggie-Köttbullar : Ikea gibt's jetzt auch in Indien – doch einiges ist anders als bei uns

Das erste Ikea-Einrichtungshaus in Indien steht in Hyderabad. Foto: picture alliance/(c) Ikea 2018/Ikea Deutschland GmbH & Co. KG/obs
Das erste Ikea-Einrichtungshaus in Indien steht in Hyderabad. Foto: picture alliance/(c) Ikea 2018/Ikea Deutschland GmbH & Co. KG/obs

Ikea hat sein erstes Möbelhaus in Indien eröffnet. Dabei müssen die Schweden aber auf einige Gepflogenheiten achten.

shz.de von
14. August 2018, 14:52 Uhr

Hyderabad | Der schwedische Möbelgigant Ikea hat seine erste Filiale in Indien eröffnet. Bei der Eröffnung vor ein paar Tagen stürmten Hunderte Kunden den Laden, als dieser in der Großstadt Hyderabad im Süden des Landes um 10 Uhr seine Türen öffnete. Mit schwedischen und indischen Fähnchen und einer Kapelle hieß Ikea seine Kunden willkommen. Das Ziel: Der schwedische Möbelkonzern will in dem 1,25-Milliarden-Einwohner-Land mit seiner wachsenden Mittelschicht Fuß fassen. Denn obwohl Ikea bereits seit 30 Jahren in Indien produziert, ist der Konzern im Subkontinent weitgehend unbekannt. Experten sind skeptisch, ob der Plan aufgeht.

Das gibt es so in europäischen Filialen nicht

Ikea muss sich den kulturellen Bedürfnissen des indischen Marktes anpassen. Bei einer Untersuchung im Rahmen von 1000 Hausbesuchen habe man seine neuen Kunden besser kennengelernt, heißt es in einer Pressemitteilung des Konzerns. Vieles ist daher anders in den indischen Filialen. Das spiegelt sich schon in dem mit 1000 Sitzplätzen weltgrößten Ikea-Restaurant in Hyderabad wider: Die Fleischbällchen Köttbullar werden aus religiösen Gründen nicht aus Schweine- oder Rindfleisch, sondern aus Huhn oder vegetarisch angeboten. Auf der Karte stehen auch traditionelle Gerichte wie Biryani, Samosas und Dal Makhni.

Auch beim Sortiment hat sich das Möbelhaus an indische Gepflogenheiten angepasst. Neben Ikea-Klassikern wie dem Billy-Regal finden sich dort auch Matratzen aus Kokosfasern, Decken mit indischen Mustern, typische indische Frittierpfannen, Druckkochtöpfe, Masala-Dosen, bunte Textilien und gerahmte Bilder vom Taj Mahal und anderen indischen Monumenten. Mehr als 1000 Produkte kosten weniger als 200 Rupien – umgerechnet gerade einmal rund 2,50 Euro. Das Angebot ist nach den Worten von Filialleiter John Achillea für Menschen "mit großen Erwartungen für ihr Heim, aber einem kleinen Geldbeutel".

die Möbel liefert Ikea in Indien mit Elektro-Rikschas. Foto: Inter Ikea Systems 2018/Ikea Deutschland GmbH & Co. KG/obs
(c) Inter IKEA Systems 2018
die Möbel liefert Ikea in Indien mit Elektro-Rikschas. Foto: Inter Ikea Systems 2018/Ikea Deutschland GmbH & Co. KG/obs

Aufbauarbeit in Indien

Und weil indische Mittelstandsfamilien es nicht gewohnt sind, Möbel selber aufzubauen, kooperiert Ikea zudem mit der Online-Plattform UrbanClap, die Handwerker vermittelt. "Auch wenn wir schon seit vielen Jahren in Indien produzieren, leisten wir hier wirklich Aufbauarbeit: Kaum jemand kennt IKEA, für das erste Einrichtungshaus können wir auf kein bestehendes System zurückgreifen und müssen alles neu starten", sagt Peter Betzel, Country Retail Manager IKEA Retail India.

1,5 Millionen Dollar für indische Expansion

37.000 Quadratmeter ist das Einrichtungshaus in Hyderabad groß. 950 Mitarbeiter kümmern sich um die Kunden. Allein in der südindischen Stadt hofft das Unternehmen auf sieben Millionen Kunden pro Jahr. Bis 2025 sind landesweit 24 weitere Filialen geplant, die nächste kommendes Jahr in der Wirtschaftsmetropole Mumbai. Vier weitere Grundstücke in den Staaten Telangana, Maharashtra, Karnataka und Delhi/NCR hat das Unternehmen schon erworben. 1,5 Milliarden Dollar will Ikea investieren.

"Wir [...] sind bestens darauf vorbereitet, die Bedürfnisse, Wünsche und Probleme unserer indischen Kundinnen und Kunden kennenzulernen und passende Lösungen für ihr Leben zu Hause anzubieten", sagt Jesper Brodin, CEO des IKEA Konzerns.

Experten sehen die Expansionspläne der Schweden aber skeptisch. Der indische Markt sei "extrem vielfältig", sagt etwa Satish Meena vom Marktforscher Forrester Research. Es gebe nicht zwei Bundesstaaten oder Städte mit einer vergleichbaren Nachfrage nach Möbeln. Ikea betreibt derzeit Geschäfte in 49 Ländern. 2006 war ein erster Versuch der Expansion nach Indien an einem Gesetz zu ausländischen Investitionen gescheitert.

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