Nach zwei Jahren : "Hurensohn"-Beleidigung: Duterte entschuldigt sich bei Obama

Rodrigo Duterte (rechts) während seines Besuchs in Israel. Foto: dpa/Nir Alon
Rodrigo Duterte (rechts) während seines Besuchs in Israel. Foto: dpa/Nir Alon

Der philippinische Präsident gerät immer wieder in die Kritik – nur mit einem versteht er sich richtig gut.

shz.de von
03. September 2018, 19:13 Uhr

Jerusalem | Der philippinische Staatschef Rodrigo Duterte hat sich beim ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama für eine üble Beleidigung entschuldigt – allerdings erst mit zwei Jahren Abstand. Duterte hatte Obama im September 2016, also noch zu dessen Amtszeiten, einen "Hurensohn" genannt. Bei einem Auftritt vor der philippinischen Gemeinde in Jerusalem während eines Israel-Besuchs erklärte er nun: "Es tut mir leid, dass ich diese Worte ausgesprochen habe."

Im Gegenzug verkündete der 73-Jährige auch noch, dass er selbst Obama ebenfalls verziehen habe. Duterte war damals erbost, weil sich der US-Präsident kritisch über sein brutales Vorgehen gegen Drogenkriminelle geäußert hatte. Duterte sagte nach philippinischen Medienberichten vom Montag über sein heutiges Verhältnis zu Obama: "Wir haben unsere Lektionen gelernt. Wir verstehen einander. Wenn Dein Herz nach Vergeben steht, dann vergebe. Ich habe Dir vergeben."

Duterte pflegt Freundschaft zu Trump

Zugleich beschrieb Duterte den früheren US-Präsidenten als jemanden, der "kalt" und "immer auf Abstand" gewesen sei. Mit Obamas Nachfolger Donald Trump komme er besser zurecht. Duterte nannte Trump einen "guten Freund von mir, der meine Sprache spricht". In der Amtszeit des philippinischen Präsidenten wurden bislang mindestens 4200 Menschen bei Einsätzen gegen Drogenkriminalität getötet. Menschenrechtler gehen sogar von mehr als 20.000 Toten aus.

Duterte besucht als erster Präsident der Philippinen Israel. Am Montag kam er in Jerusalem mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zusammen, anschließend besuchte er die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. In Yad Vashem bezeichnete Duterte Hitler als "wahnsinnig". "Ich konnte mir nicht vorstellen, wie ein Land einem wahnsinnigen Führer gehorcht", sagte er. "Und ich konnte niemals das Spektakel eines menschlichen Wesens verstehen, das eine Mordserie begeht, alte Männer, Frauen, Kinder ermordet."

Menschenrechtler kritisierten den viertägigen Besuch. Duterte hatte vor zwei Jahren für einen Skandal gesorgt, als er seinen Anti-Drogen-Krieg mit dem Holocaust verglich. Am Dienstag will Duterte Israels Präsidenten Reuven Rivlin treffen. Im Anschluss an seinen viertägigen Besuch reist er weiter nach Jordanien.

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