Die Höhle der Löwen 2018 : Frank Thelen: Ich brauche Hunderte Millionen Euro

Die Höhle der Löwen 2018: Frank Thelen war seit der ersten Folge bei jedem Pitch der Vox-Show dabei.
Die Höhle der Löwen 2018: Frank Thelen war seit der ersten Folge bei jedem Pitch der Vox-Show dabei. Foto: MG RTL D / Bernd-Michael Maurer

Die Höhle der Löwen 2018: Frank Thelen interessieren fliegende Autos, nicht der nächste Thermomix. Was will er bei Vox?

shz.de von
30. August 2018, 19:01 Uhr

Berlin | Am 4. September startet auf Vox die fünfte Staffel der "Höhle der Löwen". Frank Thelen ist seit der ersten Folge der Gründer-Show als Investor dabei. Unternehmerisch beschäftigen den 42-Jährigen Zukunftstechnologien wie fliegende Autos, künstliche Intelligenz und emissionsfreie Flugzeuge. In der Show lässt er sich Herren-Cremes und Vitamin-Tabletten präsentieren: Warum macht er überhaupt mit?


Herr Thelen, …

Frank Thelen: Frank, bitte! Ich bin mit jedem grundsätzlich per Du.

Frank, in der neuen Staffel der „Höhle der Löwen“ stellt ein „Jugend forscht“-Sieger einen Staubsauger-Aufsatz vor, der Lego-Steine und Omas verlorenen Ohrring rettet. Wäre es nicht sinnvoller, einfach in den Staubsauger-Beutel reinzugreifen statt 36 Millionen staubsaugende Haushalte Deutschlands mit noch mehr Plastik auszustatten?

Eine sehr gute Frage.

Ich verstehe, dass der Massenartikler Ralf Dümmel von der Idee begeistert ist. Aber warum Du?

Ich mache natürlich keine Massenhaushaltsprodukte. Wir versuchen gerade ein emissionsfreies Flugzeug zu bauen. Wir machen sehr viel im Energiebereich. Ich interessiere mich für Quanten-Computing, für künstliche Intelligenz. Ich möchte, dass wir eine Zukunft in Europa haben, ich möchte, dass der Planet überlebt. Da bin ich engagiert. (Vox-Millionärin im Interview: Geben Sie Bettlern Geld, Frau Wöhrl?)

Und der Staubsauger-Aufsatz …

… ist ein Gimmick, vielleicht schlägt er ein wie der Thermomix. Gut. Begeistert er mich? Auf gar keinen Fall. Ich will keine Katzenschaufel, keine Ohrring-Auffänger und keine Mixer. Das braucht keiner. Du musst aber zwischen dem Gründer und dem Produkt unterscheiden. Dieser 20-Jährige würde bei Ralf Dümmel – den ich sehr mag – lauter Produkte entwickeln, die dann hervorragend vermarktet werden. Bei Frank Thelen würde der gleiche Typ überlegen: Wie können wir die Dynamik von Autos verbessern. Ralf und ich haben eine vollkommen andere DNA. Und nochmal, Ralf ist richtig gut in dem, was er macht - Respekt.


Die Höhle der Löwen 2018: Carsten Maschmeyer, Judith Williams, Dagmar Wöhrl, Ralf Dümmel (vorne von links), Frank Thelen und Georg Kofler sind die Investoren der fünften Staffel.
MG RTL D / Bernd-Michael Maurer
Die Höhle der Löwen 2018: Carsten Maschmeyer, Judith Williams, Dagmar Wöhrl, Ralf Dümmel (vorne von links), Frank Thelen und Georg Kofler sind die Investoren der fünften Staffel.


Wie bist Du mit dieser DNA zur „Höhle der Löwen“ gekommen und warum bist Du als einziger Investor bis heute bei jedem einzelnen Pitch geblieben?

Warum bin ich hingegangen? Weil ich was Neues kennenlernen wollte. Wenn Du durch mein Leben läufst, wirst du viele verschieden Sachen sehen: Ich habe Firmen gegründet, bin pleite gegangen. Medien waren für mich neu, und ich wollte es mal erleben. Dann war das auf einmal ein Überraschungserfolg mit Preisen und Top-Quoten. Da geht man natürlich nicht gleich wieder raus. Heute träumen viele davon, ein Löwe zu sein. Vox ist gut, Sony ist gut. Ich mag Judith Williams sehr gern, sie ist eine gute Freundin geworden. Deswegen bin ich dabei – auch mit dem Hintergedanken, der Nation zu erklären, wie Startups funktionieren. Mütter schreiben mir Briefe, weil ihre Töchter das BWL-Studium wieder ernstnehmen. Das ist doch toll. Wie lange mache ich noch aktiv Fernsehen? Da mache ich ein Fragezeichen dran. „Die Höhle der Löwen“ ist eine tolle Show, bei der ich viel gelernt habe. Aber Fernsehen wird niemals mein Hauptberuf, denn das wird immer Technologie bleiben.

Zwischen dem Ex-Löwen Jochen Schweizer und Dir kam es zum Konflikt; wie Du zu Carsten Maschmeyer stehst, habe ich noch nirgendwo gelesen. Ganz unumstritten ist er nicht.

Leute sind im Fernsehen anders als im wirklichen Leben; Jochen Schweizer kommt sympathisch rüber, ich finde auch seinen Lebenslauf gut, aber mit ihm zu arbeiten war ein pain in the ass. Carsten Maschmeyer dagegen kommt anscheinend im Fernsehen nicht so gut rüber; man könnte das zumindest aus den Quoten seiner eigenen Sendung ableiten. Mir gegenüber hat sich Carsten Maschmeyer aber immer professionell und vernünftig verhalten.

Sein Name steht für eine große Nähe zur Politik, unzufriedene Anleger und juristischen Streit mit der Presse. Seine Finanzberater hat er mal mit Puffmüttern verglichen, die jeden Tag „Titten und Schniedel“ angucken.

Also, ich bin Frank und mache meinen Kram. Finde ich, dass Carstens Videos aus seiner Vergangenheit gut rüber kommen? Mag ich diese Art der Motivationsansprache? Nein. Ich finde es falsch, Leute anzuschreien. Bisher hat sich Carsten mir gegenüber einwandfrei verhalten, es gab keinen Stress am Set. Das ist es, was für mich zählt.

„Die Höhle der Löwen“ hat zuletzt Konkurrenz bekommen, nicht nur von Maschmeyers „Start up!“, sondern auch von Stefan Raabs „Ding des Jahres“. Hast Du das verfolgt?

Zum „Ding des Jahres“: Schade. Stefan Raab ist für mich ein großartiger Entertainer, ein superguter Typ. Für seine Startup-Show hat er aber leider ein völlig falsches Konzept aufgestellt und die falsche Jury gebucht. Lena Gercke hat von Startups genauso wenig Ahnung wie ich von ihrer Bikini-Kollektion. Zu Maschmeyers Show – kein Kommentar. (Medienrevolution bein Instagram: Vox-Investor Georg Kofler im Interview)

Du hast deine Firma gerade von e42 in Freigeist umbenannt. Wieso das?

Weil wir unseren Fokus ändern. Wir wollen bedeutende Technologie in Europa finanzieren – im Bereich Energie, künstliche Intelligenz, Quantum-Computing, fliegende Autos. Vorher haben wir aus Spaß investiert, aber jetzt wirst Du von uns tiefgreifende Technologie sehen.

Ist das jenseits von Silicon Valley überhaupt möglich?

Ich habe eine Riesenlast auf den Schultern – weil ich die Möglichkeit spüre, das zu machen. Es ist ein verdammt harter Ritt, aber ich werde alles geben.

Seid Ihr denn so unvorstellbar reich? Oder muss man das gar nicht sein?

Doch, man muss sehr, sehr reich sein. Man muss viele Hundert Millionen Euro investieren können. Die müssen wir von anderen Partnern und aus anderen Bereichen aktivieren. Jedes unserer Technologie Startups benötigt relativ schnell mehrere Hundert Millionen. Dass wir das können, haben wir mit dem Flugtaxi-Startup Lilium bewiesen; da wurden bereits 100 Millionen investiert.

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