Europas größter Versicherer : Gewinnziel fest im Blick: Allianz steckt Großschäden locker weg

Die Allianz hat ihre Quartalszahlen vorgelegt. Foto: dpa/Sven Hoppe
Die Allianz hat ihre Quartalszahlen vorgelegt. Foto: dpa/Sven Hoppe

Die Allianz hat gestiegene Belastungen im zweiten Quartal gut verkraftet. Zu verdanken hat sie das einer US-Tochter.

shz.de von
03. August 2018, 11:27 Uhr

München | Dank guter Geschäfte in der Vermögensverwaltung hat Europas größten Versicherer Allianz teurere Großschäden im zweiten Quartal überraschend gut verkraftet. Mit einem operativen Gewinn von knapp 3 Milliarden Euro verdiente der Dax-Konzern im laufenden Geschäft mehr als ein Jahr zuvor – und übertraf die Erwartungen von Branchenexperten. Vorstandschef Oliver Bäte sieht den Versicherer damit auf Kurs, in diesem Jahr wie geplant einen operativen Gewinn von 10,6 bis 11,6 Milliarden Euro zu erreichen. Im Vorjahr hatte der Konzern operativ 11,1 Milliarden Euro verdient.

Allianz-Aktie legt zu

Am Finanzmarkt wurden die Nachrichten zunächst positiv aufgenommen. Im vorbörslichen Handel bei Lang & Schwarz legte die Allianz-Aktie am Freitag um 0,59 Prozent zu. Analyst Michael Huttner von der Investmentbank JPMorgan zeigte sich trotz insgesamt guter Ergebnisse enttäuscht vom Schaden- und Unfallgeschäft des Konzerns.

Im zweiten Quartal steigerte die Allianz ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3 Prozent auf 30,9 Milliarden Euro, wie sie am Freitag in München mitteilte. Der Überschuss ging hingegen um 5 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro zurück, weil der Konzern wie angekündigt eine Sonderbelastung aus dem Verkauf seines Lebensversicherungsgeschäfts in Taiwan verbuchen musste. Der Gewinnrückgang fiel aber geringer aus als von Experten erwartet.

Operativer Gewinn im Schaden- und Unfallgeschäft bleibt stabil

Der höheren Belastung durch Großschäden und Unwetter konnte sich die Allianz nicht ganz entziehen. Nach Abzug der Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Vertrieb blieb von den Prämieneinnahmen im Schaden- und Unfallgeschäft weniger übrig als ein Jahr zuvor. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote verschlechterte sich von 93,7 auf 94,1 Prozent. Gesunkene Verwaltungskosten hätten einen Teil der Belastungen wettgemacht, hieß es. Der operative Gewinn des Bereichs blieb dabei praktisch stabil.

Weniger warf das Geschäft mit Lebens- und Krankenversicherungen ab. Hier sank der operative Gewinn um knapp 5 Prozent, weil die Kapitalanlagen in Deutschland und Spanien weniger für den Konzern abwarfen. Allerdings legte der Barwert des Neugeschäfts von 13,6 auf 14 Milliarden Euro zu. So setzt die Allianz auf ihrem Heimatmarkt statt auf klassische Lebens- und Rentenversicherungsverträge vor allem auf neue Vertragstypen ohne herkömmlichen Garantiezins. Die Kunden tragen dabei einen größeren Teil des Anlagerisikos, sollen im Gegenzug aber die Chance auf höhere Renditen haben.

US-Tochter für Gewinnanstieg verantwortlich

Verantwortlich für den Gewinnanstieg im laufenden Geschäft war diesmal die Vermögensverwaltung des Konzerns, zu der neben der US-Fondstochter Pimco auch die Anlagegesellschaft Allianz Global Investors zählt. Mit 652 Millionen Euro verdiente sie operativ fast 12 Prozent mehr – auch weil sie im Schnitt mehr Kundengelder verwaltete als ein Jahr zuvor. Allerdings zogen die Anleger zwischen Anfang April und Ende Juni netto wieder rund 9,2 Milliarden Euro aus den Fonds ab – ein eher schlechtes Zeichen. Dies soll aber überstanden sein. Im Juni und Juli hätten die Fonds wieder Zuflüsse verzeichnet, sagte Finanzchef Giulio Terzariol.

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