Auftritte mit Hindernissen : Geplatzte Konzerte, ungültige Tickets – Ed Sheerans Tourchaos

Der englische Musiker Ed Sheeran hat vor seinem Auftritt in NRW mehrere Hürden bewältigen müssen. Foto: dpa/Ennio Leanza/KEYSTONE
Der englische Musiker Ed Sheeran hat vor seinem Auftritt in NRW mehrere Hürden bewältigen müssen.

Vögel, Weltkriegsbomben, Bäume – die Deutschland-Tournee des Musikers drohte mehrfach zum Debakel zu werden.

shz.de von
25. Juli 2018, 17:09 Uhr

Hamburg | Ed Sheeran war 2017 der kommerziell erfolgreichste Musiker weltweit. Der 27-jährige Sänger aus Großbritannien verkaufte mehr als 22 Millionen Alben und brach Streamingrekorde. Für sein Album "Divide" und seine Single "Shape Of You" erhielt er jeweils über 30 Mal Platin, gewann mehrere Brit-Awards, Grammys und Echos. Seine Konzerte waren nach Minuten ausverkauft – auch in Deutschland. Doch bei seiner Tour durch die Bundesrepublik gab es mehrere Herausforderungen:

1. Vögel

Am 22. Juli sollte Sheeran ursprünglich auf dem Flugplatz Essen/Mülheim auftreten. Dort gab es noch nie ein Konzert. Das Gelände eignete sich allerdings, um bis zu 85.000 Zuschauer unterzubringen. Im Februar schlugen dann Naturschützer Alarm: Im Gras des Geländes brüten seltene Feldlerchen. Damit das Konzert dennoch stattfinden kann, sollten die knapp zehn Vogelpaare im März in ein entferntes Naturparadies umgesiedelt werden. Dagegen protestierten Umweltschützer. Und dann tauchte auch noch ein weiteres Problem auf.

Der Flughafen Essen/Mühlheim hatte sich für das Sheeran-Konzert beworben: Weil im Gras Feldlerchen brüteten und später auch Blindgänger im Boden vermutet wurden, kam das Gelände nicht infrage.
dpa/Roland Weihrauch
Der Flughafen Essen/Mühlheim hatte sich für das Sheeran-Konzert beworben: Weil im Gras Feldlerchen brüteten und später auch Blindgänger im Boden vermutet wurden, kam das Gelände nicht infrage.


2. Blindgänger

Luftbilder deuteten darauf hin, dass sich auf dem Konzertgelände möglicherweise 103 Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg befinden. Die Stadt Essen kündigte bis zu 30 Bohrungen pro Verdachtsfall an. Sheerans Tourveranstalter entschied, das Risiko nicht einzugehen. Ein Alternativplatz in NRW musste her.

3. Bäume

Mehrere Locations kamen in Betracht: Die Esprit Arena in Düsseldorf kann nur etwa die Hälfte der erwarteten 85.000 Fans fassen. Geeignet schien auch das Gelände der Düsseldorfer Messeparkplätze, wo die laut dem Oberbürgermeister "größte urbane Eventfläche Nordrhein-Westfalens" aber erst noch entstehen soll. Das Problem: Über eine Baugenehmigung für den "D.Live Open Air Park" sollte erst im Juni entschieden werden. Hinzu kam: Wäre der Ausbau erlaubt worden, hätten rund 100 Bäume weichen müssen. Im April begann die Stadt damit, 60 Bäume auszupflanzen und in eine städtische Baumschule zu bringen. Bei einem Bauverbot könnten sie zurück auf das Gelände versetzt werden, so der Plan. Doch daraus wurde nichts.

Der Düsseldorfer Stadtrat hat den Parkplatz P1 für Messebesucher als geplanten Ort des Sheeran-Konzerts abgelehnt.
dpa/Marc Niedzolka
Der Düsseldorfer Stadtrat hat den Parkplatz P1 für Messebesucher als geplanten Ort des Sheeran-Konzerts abgelehnt.


Im Juni folgte nämlich der Paukenschlag im Düsseldorfer Stadtrat: Die Kommunalpolitiker untersagten Sheeran den Open-Air-Auftritt auf dem Messegelände. Letztlich hielten sie die Fläche aus mehreren Gründen für Großveranstaltungen für ungeeignet. Nicht nur die Bäume, auch die Lage in der Einflugschneise – somit Flugzeuglärm – sowie Sicherheitsbedenken und die wirtschaftliche Notlage der leerstehenden Esprit Arena, führten die Gegner erfolgreich als Argumente an.

Sheerans Management "irritiert"

Doch den Veranstalter des Konzerts überzeugten die Argumente nicht. Die Absage nach lokalpolitischen Turbulenzen sei eine Premiere in der 30-jährigen Unternehmensgeschichte, teilte der FKP Scorpio mit. Man fühle sich für eine politische Auseinandersetzung "instrumentalisiert". Dabei sei das Konzert mit genug Vorlauf geplant worden. Dem Veranstalter zufolge habe auch Sheerans Management "irritiert" auf das geplatzte Konzert reagiert. Der Sänger könne auch alternativ nicht zweimal in einer kleinen Arena auftreten, weil der Tourplan des Superstars zu eng getaktet sei.

Die Lösung liegt "auf Schalke"

Dies ging dann aber doch. Knapp einen Monat vor dem Konzert stand ein neuer Ort fest: die Veltins-Arena in Gelsenkirchen. Auch sie ist zu klein für die 85.000 Fans. Daher gab es ein zusätzliches Konzert am 23. Juli. Weil die Arena rund 52.000 Plätze hat, konnte der Veranstalter noch gut 20.000 weitere Tickets verkaufen. Statt Open-Air nun in der Halle, aber dafür zwei Mal begeisterte Sheeran seine Fans in Gelsenkirchen. Fotobeweis auf Instagram:

Gelsenkirchen night #2 ! @zakarywalters

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4. Ungültige Tickets

Doch ein weiterer Aspekt der Tour sorgte immer wieder für Ärger. FKP Scorpio verkaufte nach eigenen Angaben mehr als 350.000 Tickets für die fünf deutschen Sheeran-Konzerte. Auf dem Schwarzmarkt und bei Drittanbietern werden sie für ein Vielfaches weiterverkauft. Von diesen Mehrgewinnen hat der Künstler jedoch nichts. Daher entschied sich Sheerans Management für ein deutliches Signal: 10.000 Tickets von Drittanbietern wie Viagogo oder edsheerantickets2018.com wurden für ungültig erklärt. Wer an der Kasse mit einem von Dritten erworbenen Ticket ansteht, wird abgewiesen oder kann ein Originalticket lösen. Möglich macht das die Personalisierung der Karten. Bei der Bestellung geben die Käufer ihren Namen an, beim Einlass werden die Ausweise überprüft.

Viele abgewiesene Fans waren frustriert. Dabei warnen Verbraucherschützer seit Längerem vor dem Portal Viagogo, das eine Vermittlerplattform und keine offizielle Verkaufsstelle ist. Seit April läuft in Deutschland ein Klageverfahren gegen sie. In Großbritannien wurde Viagogo kürzlich gerichtlich dazu gezwungen, die geprellten Käufer zu entschädigen.

Was meint Ed Sheeran dazu?

Dass Tickets zu seinen Show für bis zu 1000 Euro auf dem Schwarzmarkt verhökert werden, mache ihn "tief betroffen", sagte Sheeran der Nachrichtenagentur AP. Er rufe seine Fans dazu auf, keine Tickets zu solchen Mondpreisen zu kaufen. Wollen Fans ihre Karten loswerden, sollten sie es auf der Website Twickets tun. Mit dem Portal kooperiere Sheeran.

Das deutsche Tourchaos kommentierte der Vollprofi bisher nicht offiziell. Bei seinem Auftritt in Gelsenkirchen erlaubte er sich jedoch eine scherzende Anspielung: Die Väter im Publikum, die ihre Töchter begleiteten, würden sich vermutlich über die hohen Ticketpreise ärgern – "und Bäume lasse der Kerl für seine Konzerte auch fällen."

In Hamburg steht der Sänger an diesem Mittwoch auf der Bühne. Wieder droht Ungemach. Diesmal vom Himmel: Der Deutsche Wetterdienst warnt kurzfristig vor Hitzegewittern, mit Schauern und Hagel im Hamburger Nordwesten.

Am 29. und 30. Juli endet im Münchner Olympiastadion die Deutschlandtour. Hier habe es ihm bisher immer gut gefallen. Anfang des Jahres schwärmte Sheeran von den deutschen Fans: "Sie sind echte Musikliebhaber: Sie hören zu an den Stellen, an denen sie zuhören sollen, und sie kreischen dann, wenn sie es sollen." Diese Liebe zu seinen – wie er meint, treusten – Anhängern scheint ungebrochen: Die Zugabe in Gelsenkirchen gab er im Deutschland-Trikot.

(Mit dpa)

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