Urteil gefällt : Gepanschte Krebsmedikamente: Zwölf Jahre Haft für Bottroper Apotheker

Ein Apotheker aus Bottrop wurde wegen des Panschens von Krebsmedikamenten zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Foto: imago/Ralph Peters
Ein Apotheker aus Bottrop wurde wegen des Panschens von Krebsmedikamenten zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Foto: imago/Ralph Peters

Im Skandal um gepanschte Krebsmedikamente hat das Landgericht Essen einen Apotheker zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

shz.de von
06. Juli 2018, 11:31 Uhr

Essen | Im Medizinskandal um massenhaft gepanschte Krebsmedikamente hat das Landgericht Essen einen Apotheker zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Die Richter waren am Freitag überzeugt, dass in der Apotheke des 48-jährigen Angeklagten in Bottrop Infusionslösungen getreckt, bei den Krankenkassen aber voll abgerechnet wurden.

Im Urteil ist von mehr als 14.000 Medikamenten die Rede, die in ihrer Qualität nicht unerheblich gemindert waren. Die Richter verhängten außerdem ein lebenslanges Berufsverbot. Der Angeklagte selbst hatte sich im Prozess nicht zu den Vorwürfen geäußert. Seine Verteidiger hatten Freispruch beantragt.

Die Staatsanwaltschaft hatte dreizehneinhalb Jahre Haft gefordert. Sie war überzeugt, dass Peter S. jahrelang lebenswichtige Krebsmedikamente gestreckt hatte, um seinen luxuriösen Lebensstil zu finanzieren. Der 48-Jährige habe sich auf Kosten von Menschen bereichert, die um ihr Leben bangten, hatte Staatsanwalt Rudolf Jakubowski in seinem Plädoyer argumentiert.

"Und das zur Fortsetzung seines luxuriösen Lebensstils - zum Beispiel zum Bau einer Villa mit Wasserrutsche." Die Verteidiger des Apothekers, der am Tag der Urteilsverkündung seinen 48. Geburtstag hatte, zweifelten die Indizienkette insgesamt an und fordern einen Freispruch. Der Angeklagte selbst hat sich im Prozess nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Opfer und Hinterbliebene kritisierten, dass wichtige Fragen in dem Verfahren am Landgericht Essen offengeblieben seien. Vor allem konnte nicht geklärt werden, wie viele Patienten unterdosierte Medikamente bekommen haben. Anfänglich war die Staatsanwaltschaft von mehr als 1000 betroffenen Patienten ausgegangen.

Der mutmaßliche Medikamentenskandal war von zwei Mitarbeitern des Apothekers aufgedeckt worden. Für ihre Enthüllungen waren sie Ende 2017 mit dem Deutschen Whistleblower-Preis ausgezeichnet worden.

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