Reaktion auf Trumps "Null-Toleranz-Politik" : Für getrennte Einwanderer-Familien: Ehepaar sammelt über vier Millionen Dollar

Seit dem 19. April haben US-Behörden etwa 2000 Einwanderer-Kinder von ihren Familien getrennt und in Heime gesteckt.
Seit dem 19. April haben US-Behörden etwa 2000 Einwanderer-Kinder von ihren Familien getrennt und in Heime gesteckt.

Das Schicksal von Kindern an der Grenze von Mexiko zu den USA berührt: Eine Spendenaktion sorgt nun für Aufsehen.

shz.de von
19. Juni 2018, 12:11 Uhr

San José | Das Bild des weinenden Mädchens ging um die Welt. Vor wenigen Tagen veröffentlichte der Fotograf John Moore das Foto einer zweijährigen Honduranerin, die tränenüberströmt am Boden steht und hoch zu ihrer Mutter schaut, während die von US-Grenzschützern durchsucht wird. Die beiden waren nach dem Durchqueren des Rio Grande in einem Schlauchboot im Grenzort McAllen in Texas an der Grenze zwischen den USA und Mexiko aufgegriffen worden.

Das Foto ist zum Symbol der "Null-Toleranz-Politik" der Trump-Regierung geworden. Diese trennt Kinder von ihren Eltern, wenn Familien illegal die Grenze überschreiten. Wie berichtet, haben die Behörden seit dem 19. April so etwa 2000 Flüchtlingskinder in Heime gesteckt.

Hier weiterlesen: Trump-Regierung sperrt Kinder von Einwanderern in Zellen

Das Thema berührte auch Charlotte und Dave Willner. "Das sind keine Kinder, die uns egal sein sollten", sagte das Ehepaar aus Kalifornien den "Mercury News". "Sie sind wie unsere Kinder. Wenn wir die Gesichter dieser Kinder sehen, sehen wir die Gesichter unserer eigenen Kinder."      

"Wir wissen, dass dieses Geld Leben verändern wird"  

Also starteten die Willners eine Spendenaktion: 1500 US-Dollar wollten sie über die Kampagne "Reunite an immigrant parent with their child" sammeln und so Kinder wieder mit ihren Eltern vereinen. Doch der Aufruf ging viral – mittlerweile haben mehr als 90.000 Menschen gespendet und so einen Betrag von mehr als vier Millionen Dollar gesammelt. Auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und -Co-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg beteiligten sich. "Während der vergangenen drei Stunden wurden fast 4000 Dollar pro Minute gespendet", freute sich Dave Willner in einem Post.

Das Geld soll dem "Refugee and Immigrant Center for Education and Legal Services" (RAICES) in Texas zugutekommen, das sich um die Ausbildung und die juristische Unterstützung von Einwanderern und geflüchteten Menschen kümmert.

"Uns fehlen die Worte, Charlotte und Dave Willner zu danken", schrieb RAICES bei Facebook. "Wir wissen, dass dieses Geld Leben verändern wird."      

Anhaltende Kritik aus allen politischen Lagern  

Die Regierung jedoch zeigt sich weiter unbeeindruckt vom Protest gegen die Zwangstrennung der Familien, die sich in der Bevölkerung breit macht.

Die Medien-Stiftung ProPublica hat Tonaufnahmen von Kindern veröffentlicht, die von ihren Eltern getrennt werden und voller Verzweiflung nach "Mama" und "Papa" schreien. Im Hintergrund ist die Stimme eines US-Grenzbeamten zu hören, der über die schreienden Kinder "wir haben ein Orchester hier" sagt. "Es fehlt nur noch ein Dirigent."  

Während Präsident Trump das Vorgehen weiter mit der falschen Behauptung rechtfertigt, die oppositionellen Demokraten seien für die Zwangstrennung der Familien verantwortlich, hagelt es weiter Kritik – auch aus seiner eigenen Partei.

Nach den First Ladys Laura Bush und Melania Trump kritisierte am Montag auch John McCain das Vorgehen. Es sei ein "Affront gegen den Anstand des amerikanischen Volkes", schrieb der einflussreiche Republikaner und Senator von Arizona bei Twitter. Die Regierung habe die Macht, diese Politik außer Kraft zu setzen und "sollte dies jetzt tun".

Der ehemalige CIA-Direktor Michael Hayden twitterte ein Bild des NS-Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau und schrieb dazu: "Andere Regierungen haben Mütter von ihren Kindern getrennt."

Auf CNN rechtfertigte er den Vergleich mit dem Hinweis auf einen Verfall der moralischen Standards in der öffentlichen Debatte der USA.


 
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