Neuer Dialog : Frieden am Horn von Afrika – Äthiopien und Eritrea versöhnen sich

Erstmals seit fast 20 Jahren haben sich die Staatsführer der Langzeit-Rivalen Äthiopien und Eritrea am Sonntag zu direkten Friedensgesprächen getroffen. Videostandbild: dpa/Uncredited/ERITV/AP
Erstmals seit fast 20 Jahren haben sich die Staatsführer der Langzeit-Rivalen Äthiopien und Eritrea am Sonntag zu direkten Friedensgesprächen getroffen.

Konflikte dominierten lange Zeit das Verhältnis beider Länder am Horn von Afrika. Doch damit soll nun Schluss sein.

shz.de von
09. Juli 2018, 14:44 Uhr

Asmara | Die Langzeit-Rivalen Äthiopien und Eritrea haben ihre Feindschaft offiziell beigelegt. Äthiopiens Regierungschef Abiy Ahmed und Eritreas Präsident Isaias Afwerki unterzeichneten am Montag in Asmara einen Friedens- und Freundschaftsvertrag, wie der Informationsminister von Eritrea, Yemane Meskel, via Twitter mitteilte.



Beide Seite erklärten den Kriegszustand für beendet und vereinbarten eine umfassende Zusammenarbeit. Während des Treffens wurden Telefon- und Flugverbindungen wieder aufgenommen. Beide Länder wollen auch Botschaften in den jeweiligen Hauptstädten eröffnen.

Die Staatsführer beider Länder hatten sich bereits am Sonntag erstmals seit fast 20 Jahren in Asmara, der Hauptstadt Eritreas, getroffen. Meskel sprach von einem historischen Treffen.

Schwelender Grenzdisput

Eritrea gehörte bis zu seiner Unabhängigkeit 1993 zu Äthiopien. Fünf Jahre später brach ein Krieg zwischen den beiden Staaten aus, in dem Zehntausende Menschen ums Leben kamen. Mit dem sogenannten Abkommen von Algier wurde 2000 der Konflikt beendet. Beide Länder blieben aber verfeindet. Der Grenzdisput schwelte weiter, die von einer Expertenkommission festgelegte Kompromisslinie wurde nicht akzeptiert. Äthiopiens neuer Regierungschef Abiy hatte nach seinem Amtsantritt Anfang April Reformen für sein von Unruhen erschüttertes Land und zugleich einen neuen Dialog mit Eritrea angekündigt.

Anfang Juni erklärte die Regierungspartei, sie wolle ein Waffenstillstandsabkommen von 2000 zwischen den beiden Staaten bedingungslos akzeptieren und umsetzen. Ende Juni trafen sich dann Delegationen beider Länder. "Dies ist die Zeit für Versöhnung", hatte Abiy Ahmed erklärt. Äthiopien mit seinen rund 100 Millionen Einwohnern zählt trotz raschen Wirtschaftswachstums UN-Statistiken zufolge noch immer zu den ärmsten Ländern der Welt. Eritrea hat rund fünf Millionen Einwohner. In der deutschen Asylstatistik nehmen Flüchtlinge aus Eritrea einen vorderen Rang ein. Von Januar bis Mai dieses Jahres beantragten 3218 Eriteer Asyl in Deutschland, das war Rang sieben unter den Herkunftsländern.

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