Flüchtlingsschiff auf dem Mittelmeer : "Aquarius" könnte Samstagabend Valencia erreichen

Das Flüchtlingsschiff 'Aquarius' auf dem Mittelmeer ist auf dem Weg nach Spanien. Foto: Salvatore Cavalli/AP/dpa
Das Flüchtlingsschiff "Aquarius" auf dem Mittelmeer ist auf dem Weg nach Spanien. Foto: Salvatore Cavalli/AP/dpa

Begleitet von zwei Schiffen der italienischen Küstenwache werden mehr als 600 Migranten nach Spanien gebracht.

shz.de von
13. Juni 2018, 11:31 Uhr

Marseille | Nach der Sperrung der italienischen Häfen für die "Aquarius" wird die Ankunft des Rettungsschiffs nun am Samstagabend im spanischen Valencia erwartet. Der genaue Zeitpunkt hänge aber noch von den Wetter- und Meeresbedingungen ab, sagte Sophie Beau von der Hilfsorganisation SOS Méditérranée am Mittwoch in Marseille. Die Seenotretter rechnen mit vier Meter hohen Wellen, sobald das Schiff die Straße von Sizilien verlässt – dies ist die Meerenge zwischen Sizilien und Tunesien.

Die populistische Regierung in Rom hatte der "Aquarius" mit mehr als 600 geretteten Migranten an Bord die Einfahrt in einen italienischen Hafen verwehrt. Schließlich hatte Spanien sich bereit erklärt, das Schiff aufzunehmen. Am Dienstag wurden mehr als 520 Migranten auf zwei Schiffe der italienischen Küstenwache und der Marine gebracht, die drei Schiffe begannen anschließend die rund 1500 Kilometer lange Fahrt nach Valencia.

Streit zwischen Italien und Frankreich

Wegen des Streits zwischen Italien und Frankreich um das Flüchtlingsschiff muss der französische Botschafter in Rom zum Rapport. Außenminister Enzo Moavero Milanesi habe den Diplomaten einbestellt, teilte das Ministerium am Mittwoch in Rom mit.

In Italien hatten vor allem Aussagen des französischen Regierungssprechers für Unmut gesorgt. Der hatte vom "Beweis einer Form von Zynismus und einer gewissen Verantwortungslosigkeit der italienischen Regierung" gesprochen.

Um das Thema Migration streiten sich Paris und Rom häufiger. Auch Hilfsorganisationen werfen Frankreich oft vor, Migranten aus Italien mit Gewalt zurückzudrängen.

Beau rief die europäischen Staaten auf, eine politische Lösung für die Organisation der Seenotrettung von Migranten auf dem Mittelmeer zu finden. In den vergangenen Jahren seien mindestens 15.000 Menschen gestorben. "Die Priorität ist es, eine geeignete Flotte bereitzustellen, um Rettungsaktionen im Mittelmeer durchzuführen", sagte sie. "Das wiederholen wir seit 28 Monaten, und niemand hört uns zu."

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