629 Menschen an Bord : Nach Anlegeverbot: Flüchtlingsschiff darf in Spanien festmachen

Italien und Malta weigerten sich, die Flüchtlinge aufzunehmen. Foto: dpa
Italien und Malta weigerten sich, die Flüchtlinge aufzunehmen. Foto: dpa

Spanien löst die Krise auf dem Mittelmeer. Die geretteten Migranten mussten vorher zwischen Malta und Italien ausharren.

shz.de von
11. Juni 2018, 11:50 Uhr

Mittelmeer | Die "Aquarius" darf in Spanien vor Anker gehen. Das teilte die Regierung des sozialistischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez am Montag in Madrid mit. Das Schiff dürfe im Hafen von Valencia an der Ostküste Spaniens anlegen, "um eine humanitäre Katastrophe zu verhindern". Italien und Malta hatten dem Flüchtlingsschiff zuvor einen Ankerplatz verweigert.

Unter den Passagieren sollen laut Hilfsorganisation auch 123 Kinder sowie sieben schwangere Frauen sein.

Bei dem Boot handelt es sich um die "Aquarius", ein privates Rettungsschiff der französischen Organisationen SOS Méditerranée. Die Crew der "Aquarius" selbst soll nach eigenen Angaben 229 Menschen geborgen haben, 400 weitere Menschen sollen bereits zuvor von der italienischen Marine sowie der Küstenwache und anderen Handelsschiffen gerettet und anschließend an die "Aquarius" übergeben worden sein.

Weil sich Italien weigerte, das Boot mit den geretteten Menschen an Land zu lassen und stattdessen Malta aufforderte, die Flüchtlinge aufzunehmen, die sich allerdings ebenfalls verweigern, kreuzte die "Aquarius" seit Sonntagabend zwischen der italienischen Insel Sizilien und Malta ziellos umher.

Neue Regierung – Neue Regeln

Die Reaktion Italiens ist angesichts des Rechtsrucks im Land durch die neue Regierung nicht überraschend. Italiens Innenminister Matteo Salvini, der der rechtsnationalen Regierungspartei Lega angehört, hatte schon im Wahlkampf versprochen, den Flüchtlingsstrom stoppen zu wollen. Seinen Worten lässt er nun Taten folgen.

Über seinen Facebook-Kanal rechtfertigte Salvini seine Entscheidung mit einem Fingerzeig in Richtung EU-Mitgliedsstaaten: "Im Mittelmeer gibt es Schiffe mit der Flagge von Holland, Spanien, Gibraltar und Großbritannien. Es gibt deutsche und spanische NGOs (Anm. d. Red.:Nichtregierungsorganisiationen). Es gibt Malta, das niemanden willkommen heißt, es gibt Frankreich, das an der Grenze ablehnt, es gibt Spanien, das verteidigt seine Grenzen mit Waffen, kurz gesagt, ganz Europa, das seine eigenen Geschäfte macht. Ab jetzt beginnt auch Italien NEIN zum Menschenhandel, NEIN zum Geschäft der illegalen Einwanderung. Mein Ziel ist es, diesen Kindern in Afrika und unseren Kindern in Italien ein friedliches Leben zu garantieren."


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Auch Malta sperrt sich

Maltas Regierungschef Joseph Muscat teilte in einer Regierungserklärung am Sonntagabend mit, dass sich Malta in diesem Fall nicht in der Verantwortung sehe, das Flüchtlingsboot aufzunehmen - deshalb habe er dem italienischen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte mitgeteilt, "dass sich Malta vollständig seiner internationalen Verpflichtungen entsprechend" verhalte.
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