Terrorismusvorwürfe : Erster Deutscher seit Putschversuch in der Türkei verurteilt

Ein türkischer Gefängniskomplex in Izmir.
Ein türkischer Gefängniskomplex in Izmir.

Erstmals nach dem Putschversuch ist ein Deutscher in der Türkei wegen Terrorismusvorwürfen verurteilt worden.

shz.de von
11. September 2018, 21:57 Uhr

Berlin | Seit mehr als einem Jahr sitzt ein deutscher Staatsbürger in der Türkei nach einem Medienbericht wegen Terrorvorwürfen mit einer langjährigen Haftstrafe im Gefängnis. Der 55-Jährige sei bereits im Juli 2017 zu neun Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden, berichteten WDR, NDR und "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf das ihnen vorliegende Urteil.

Ihm werde vorgeworfen, aktives Mitglied in einem Unternehmerverein gewesen zu sein, der der Bewegung des türkischen Predigers Fethullah Gülen nahesteht. Die Türkei sieht den im Exil in den USA lebenden Prediger als Drahtzieher des gescheiterten Putsches vom Juli 2016.

Dem Bericht zufolge war der heute 55-jährige Nejat U. aus der Türkei zum Studium nach Deutschland gekommen und hatte viele Jahre in Aachen gelebt. In der Türkei habe er später in seinem Geburtsort eine Firma gegründet, die er bis zu seiner Verhaftung im April 2017 geleitet habe. Er besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft. Das soll er auch im Gerichtssaal betont haben: "Ich bin deutscher Staatsbürger, ich bin kein türkischer Staatsbürger." Die Terrorvorwürfe der Staatsanwaltschaft wies Nejat U. vehement zurück.

Sieben weitere Deutsche in türkischer Haft

Der Fall Nejat U. ist der erste, bei dem ein deutscher Staatsbürger nach dem Putschversuch als Terrorist von einem türkischen Gericht verurteilt wurde.

Das Auswärtige Amt habe sich auf Nachfrage nicht zu der Rechtmäßigkeit des Urteils äußern wollen, heißt es in dem Bericht. Der Mann werde vom deutschen Konsulat in Izmir betreut.

Nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei vor gut zwei Jahren sind mindestens 35 Deutsche aus politischen Gründen verhaftet worden. Ihnen wurden in der Regel Terrorvorwürfe gemacht. Sieben sitzen noch heute im Gefängnis. Außenminister Heiko Maas hat bei einem Antrittsbesuch in der Türkei Anfang September deutlich gemacht, dass es erst zu einer Normalisierung der deutsch-türkischen Beziehungen kommen kann, wenn sie freigelassen werden.


zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen