Mögliche Anschlagspläne : Medienbericht: Kölner Giftmischer wollte zum IS nach Syrien ausreisen

Polizei und Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts stehen vor dem Kölner Wohnkomplex, wo in einer Wohnung hochgiftiges Rizin gefunden wurde.
Polizei und Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts stehen vor dem Kölner Wohnkomplex, wo in einer Wohnung hochgiftiges Rizin gefunden wurde.

Ein Tunesier stellte in seiner Wohnung hochgiftiges Rizin her. Er soll offenbar auch versucht haben, zum IS zu kommen.

shz.de von
15. Juni 2018, 17:56 Uhr

Köln | Der als Giftmischer verdächtigte Tunesier aus Köln soll nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" zwei Mal versucht haben, zum sogenannten Islamischen Staat (IS) nach Syrien auszureisen. Bei den Versuchen habe er wahrscheinlich auch Unterstützung durch Anhänger des IS gehabt, berichtet das Magazin in seiner neuen Ausgabe. Die Reise des 29-Jährigen sei aber jeweils in der Türkei gescheitert.

Die türkischen Behörden hätten die deutschen informiert. Dennoch sei weder ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet, noch sei er als islamistischer Gefährder eingestuft worden. Eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums nahm dazu keine Stellung und verwies auf die Bundesanwaltschaft. Diese wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren.

Drei Tage nach Sicherstellung des Bio-Giftes Rizin in einer Kölner Hochhauswohnung hatten die Ermittler bei einer neuen Durchsuchung am Freitag offenbar keine weiteren brisanten Funde gemacht.

Polizei, Feuerwehr, Bundeskriminalamt und Experten des Robert-Koch-Instituts untersuchten am Freitag zwei Wohnungen des verdächtigen 29-jährigen Tunesiers sowie sechs leerstehende Wohnungen. Nach mehreren Stunden neigte sich die Aktion am Nachmittag dem Ende zu. Gefährliche oder verdächtige Mittel oder Gegenstände sollen nicht entdeckt worden sein.

Am Dienstag war das möglicherweise für einen Terroranschlag hergestellte hochgefährliche Rizin in der Wohnung des Mannes gefunden worden, die er mit Frau und Kindern bewohnte. Die Bundesanwaltschaft verdächtigt den Tunesier, biologische Waffen hergestellt zu haben. Ob er das tödlich wirkende Bio-Gift für einen islamistisch motivierten Anschlag einsetzen wollte, war am Freitag weiter offen. Laut Bundesanwaltschaft besteht der Anfangsverdacht, dass er eine „schwere staatsgefährdende Gewalttat“ vorbereitete. Rizin kann in kleinsten Mengen tödlich wirken und gilt als potenzielle Biowaffe.

Verdächtiger hatte Schlüssel für sechs Wohnungen

Ein Sprecher der Karlsruher Behörde sagte zu Beginn der erneuten Durchsuchung, es gehe um die beiden Wohnungen des Beschuldigten, aber auch um sechs weitere, leerstehende Wohnungen. Zu diesen soll er den passenden Schlüssel besessen haben. Der verhaftete 29-Jährige hat laut Verdacht rund 1000 Rizinus-Samen und eine elektrische Kaffeemühle im Internet bestellt und daraus seit mehreren Wochen biologische Waffen – vermutlich Rizin-Pulver – hergestellt.

Anschlagsplanung „sehr wahrscheinlich“

Nach Einschätzung des Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen plante der Mann „sehr wahrscheinlich“ einen Terroranschlag. Die Auswertungen seien zwar noch nicht abgeschlossen, „allerdings ist es in der Gesamtschau der bislang vorliegenden Hinweise sehr wahrscheinlich, dass hier ein terroristischer Anschlag vereitelt werden konnte“, sagte Maaßen der „Rheinischen Post“ .

Bei der Aktion in dem 15-geschossigen Gebäude waren die Einsatzkräfte enorm gesichert. Manche trugen besondere Schutzkleidung, einige hielten sich in Dekontaminationsanzügen bereit. Bewohner waren nach Angaben aus Sicherheitskreisen nicht in Gefahr. Das Hochhaus wurde nicht evakuiert. Anwohner konnten das Haus betreten, sofern sie ihren Ausweis zeigten. Die Beamten stellten sich zunächst auf einen längeren Einsatz ein, konnten die Wohnungen dann aber zügig durchleuchten.

Die Ermittler wollten vor allem ausschließen, dass in dem Gebäude noch gefährliche Restbestände lagern. Ob der 29-Jährige sich inzwischen zu den Vorwürfen geäußert hat, gab die Bundesanwaltschaft nicht bekannt.


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