Vor Maas' Antrittsbesucht in Ankara : Diese Deutschen sitzen noch immer "aus politischen Gründen" in türkischer Haft

Der 'Welt'-Korrespondent Deniz Yücel kam mittlerweile aus einem türkischen Gefängnis frei. Sieben weitere Deutsche sitzen noch immer hinter Gittern in der Türkei. Foto: Paul Zinken/dpa
Der "Welt"-Korrespondent Deniz Yücel kam mittlerweile aus einem türkischen Gefängnis frei. Sieben weitere Deutsche sitzen noch immer hinter Gittern in der Türkei. Foto: Paul Zinken/dpa

Noch immer noch sieben deutsche Staatsbürger "aus politischen Gründen" in türkischen Gefängnissen.

shz.de von
05. September 2018, 06:23 Uhr

Istanbul | Außenminister Heiko Maas will sich bei seinem Antrittsbesuch in der Türkei für die sieben dort aus politischen Gründen inhaftierten Deutschen einsetzen. "Es ist kein Geheimnis, dass die Entwicklung der Türkei, insbesondere die Menschenrechtslage, uns Sorgen bereitet und unsere Beziehungen überschattet", sagte Maas vor seiner Abreise in Berlin. "Davon zeugen nicht zuletzt die nach wie vor zahlreichen Haftfälle."

Unter den sieben deutschen Staatsbürgern sind nach Angaben der Bundesregierung drei Doppelstaatler. Diese Menschen sind namentlich bekannt:

Ilhami A. (46) aus Hamburg:

Der Taxifahrer aus Hamburg wurde Mitte August in der osttürkischen Provinz Elazig verhaftet. Der Vorwurf lautet Propaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK, die in der Türkei und der EU als Terrororganisation gilt.

Dennis E. (55) aus Hamburg:

Auch im Fall Dennis E. geht es um Facebook-Posts und den Vorwurf der Terrorpropaganda für die PKK. Die türkische Polizei nahm den 55-Jährigen Ende Juli bei einem Besuch im südtürkischen Iskenderun fest, wo er auch inhaftiert ist.

Hozan Cane (Mitte 40) aus Köln:

Polizisten hielten vor den Wahlen Ende Juni einen Bus der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP an und nahmen die kurdischstämmige Sängerin mit dem Künstlernamen Hozan Cane mit. Cane hatte im westtürkischen Edirne eine Wahlkampfveranstaltung der HDP unterstützt. Ihr wird die Mitgliedschaft in der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vorgeworfen.

Adil Demirci (Anfang 30) aus Köln:

Der Sozialarbeiter war Mitte April in Istanbul festgenommen worden. Er schrieb aus Deutschland frei für die linke Nachrichtenagentur Etha, für die auch Mesale Tolu arbeitete. Wie Tolu wird Demirci Mitgliedschaft in der linksextremen Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei vorgeworfen. Die MLKP gilt in der Türkei als Terrororganisation.

Patrick K. (29) aus Gießen:

Patrick K. war Mitte März nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu im türkisch-syrischen Grenzgebiet festgenommen worden. Anadolu schreibt, er habe sich in Syrien der Kurdenmiliz YPG anschließen wollen. Nach Angaben seiner Familie war K. zum Wandern in der Türkei.

Enver Altayli (73):

Schon ein Jahr lang sitzt Altayli ohne Anklage in Einzelhaft - seine Familie macht sich Sorgen um seine Gesundheit. Altayli ist Jurist und arbeitete in den 60er Jahren für den türkischen Geheimdienst MIT. Im August vergangenen Jahres war er in Antalya festgenommen worden, wo die Familie eine Ferienanlage betreibt. Ihm wird Unterstützung der Gülen-Bewegung vorgeworfen, die in der Türkei als Terrororganisation eingestuft ist.

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