Phänomen in der Sommernacht : Die Perseiden kommen – Die beste Sternschnuppen-Nacht des Jahres

Phänomen auf Fehmarn gut zu sehen: Mehrere Sternschnuppen am klaren Nachthimmel neben der Milchstraße. Foto: dpa/Daniel Reinhardt
Phänomen auf Fehmarn gut zu sehen: Mehrere Sternschnuppen am klaren Nachthimmel neben der Milchstraße. Foto: dpa/Daniel Reinhardt

Nach der totalen Mondfinsternis nach nächste Himmelsspektakel: Der Meteorstrom der Perseiden gilt als der ergiebigste.

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06. August 2018, 07:08 Uhr

Flensburg | Urlaubszeit und laue dunkle Nächte, in denen man entspannt vom Liegestuhl aus den Blick ans glitzernde Firmament genießen kann. Jetzt beginnt für uns im Norden die schönste Zeit für Sterngucker. Und plötzlich: dort, eine Sternschnuppe! Schon im Laufe dieser Woche wird die Anzahl solcher Meteorsichtungen steigen.

Bei klarem Himmel darf sich Norddeutschland am kommenden Wochenende auf einen echten Sternschnuppenregen freuen. Denn dann erreicht der Meteorstrom der Perseiden sein jährliches Maximum. Seine größte Aktivität wird für die Nacht am 12. August ab 22 Uhr erwartet. Rund 100 Sternschnuppen pro Stunde kann man dann zählen – genug um so manchen Sterngucker wunschlos glücklich zu machen. Ausnahmsweise sind die Beobachtungsbedingungen diesmal besonders gut. Denn rechtzeitig zum Maximum herrscht Neumond und damit werden am dunklen Himmel sogar lichtschwache Meteore erkennbar.

Wo sehe ich die Perseiden am Nachthimmel?

Am besten schaut man bei der Beobachtung Richtung Nordosten. Dort findet man das Sternbild Kassiopeia, das auch als „Himmels-W“ bekannt ist. Die Perseiden-Meteore kommen scheinbar aus einem Punkt links unterhalb vom Himmels-W, der auch als Radiant bezeichnet wird. Auf unserer Sternkarte ist der Radiant mit einem Kreuz markiert.

Die Karte zeigt den Sternenhimmel über Schleswig-Holstein im August um etwa  23 Uhr und im September gegen 21 Uhr.
Torsten Rahn
Die Karte zeigt den Sternenhimmel über Schleswig-Holstein im August um etwa  23 Uhr und im September gegen 21 Uhr.
 

Im Fall der Perseiden entsteht die Leuchtspur, wenn ein sandkorngroßes kosmisches Staubteilchen mit rund 60 Kilometern pro Sekunde in die Erdatmosphäre eindringt. Dann wird die Luft aufgrund der Reibung zum Leuchten angeregt. Die Staubteilchen stammen vom Kometen 109P/Swift-Tuttle, dessen staubreiche Bahn die Erde alljährlich im August kreuzt.

Chinesischer Valentinstag

Der August beglückt die Romantiker unter uns nicht nur mit Sternschnuppen, sondern auch mit dem chinesischen Valentinstag: dem Qixi-Festival (sprich: „Tschi-schie“), das in diesem Jahr auf den 17. August fällt. Dieses traditionsreiche Fest hat einen direkten Bezug zum sommerlichen Sternenhimmel. Die chinesische Legende erzählt die Liebesgeschichte vom wunderschönen Webermädchen Zhinü (sprich: „Tschienüh“) und dem tapferen Kuhhirten Niulang. Der Sage nach muss Zhinü als Tochter des göttlichen Himmelskaisers alle Wolken und Regenbögen auf dieser Welt weben. Eines Tages vernachlässigt sie ihre himmlischen Pflichten und trifft bei einem Pausen-Spaziergang auf der Erde den armen Kuhhirten Niulang. Beide verlieben sich, heiraten und leben glücklich mit ihren zwei Kindern auf der Erde.

Als der Himmelskaiser dies erfährt, schickt er voller Zorn die Himmelskaiserin, um das Webermädchen ins Himmelsschloss zurückzubringen. Nachdem Zhinü in den Himmel zurückgeholt wird, gelingt es Niulang, ihr mit Zauberschuhen in den Himmel zu folgen. Doch bevor er das Himmelsschloss erreicht, zückt die Himmelskaiserin eine goldene Haarnadel. Mit dieser zaubert sie einen silbern glänzenden Fluss quer über den Himmel, der Niulang für alle Ewigkeit von Zhinü trennt. Als sich dieses Liebesdrama im Vogelreich herumspricht, beschließen die Elstern, einmal im Jahr als Schwarm mit ihren Flügeln eine Brücke zu formen, auf der sich die beiden Verliebten in der Qixi-Nacht treffen können.

Am Firmament zeigt sich diese Sage in den drei hellen Sternen Wega, Altair und Deneb, die das Sommerdreieck bilden: Die Wega wird im chinesischen Volksmund als „Webermädchen-Stern“  bezeichnet. Altair ist dort als „Kuhhirten-Stern“ bekannt. Auf unserer Panorama-Sternkarte kann man sehen, dass beide Sterne durch das silberne Band der Milchstraße getrennt werden. Die Milchstraße wird im Chinesischen als „Silberner Fluss“ bezeichnet. Deneb gebührt als drittem Stern im Sommerdreieck die Rolle der Anstandsdame auf der Elsterbrücke.

Nach diesem Ausflug in die chinesische Astronomie setzen wir unseren Spaziergang am Sternenzelt fort. Links neben dem Stern Altair entdecken wir eine kleine Raute aus Sternen: Es handelt sich um das kleine prägnante Sternbild Delfin. Folgen wir von Altair aus dem Lauf der Milchstraße nach Süden, dann treffen wir dort auf eine außergewöhnlich helle Stelle im Band der sommerlichen Milchstraße: die Schildwolke. Im Fernglas entdeckt man am linken Rand der Schildwolke den sternreichen Offenen Sternhaufen M11. Er trägt den Beinamen Wildentenhaufen, weil die Anordnung der Sterne im Teleskop an einen Schwarm Wildenten erinnert. Seine Entfernung ist so groß, dass das Licht seiner Sterne 6000 Jahre benötigt, um zu uns zu gelangen.

Planeten lassen sich am Nachthimmel beobachten

Die Planeten geben in diesem Spätsommer ihre Abschiedsvorstellung. Venus konnte man in den Sommermonaten als strahlend auffälligen Abendstern während der Dämmerung über dem Westhorizont bewundern. Nun dreht sie noch einmal auf und erreicht am 27. September ihren größten Glanz. Bereits in einem kleinen Fernrohr kann man die Phasen der Venus verfolgen: Während Anfang August noch Halbvenus („Dichotomie“) herrscht, zeigt sie Ende September Sichelgestalt.

Der orangerote Mars hatte bei der Mondfinsternis im Juli bereits seinen großen Auftritt. Man findet ihn, indem man der Verbindungslinie von Wega und Altair nach Südosten folgt. Dort steht er tief über dem Horizont als auffällig heller orangeroter Lichtpunkt. Fast genauso hell ist der Riesenplanet Jupiter, den man abends noch tief im Südwesten entdecken kann. Den hellen Saturn finden wir tief in Südrichtung unterhalb der Schildwolke. Die Nähe zum Horizont erschwert die Beobachtung mit dem Fernrohr. Trotzdem kann man schon mit einem kleinen Amateurfernrohr bei guter Horizontsicht seine Ringe bestaunen.

Termine: 6.-9. September 2018: Schleswig-Holsteiner Teleskoptreffen auf Hof Viehbrook bei Neumünster. Mehr Infos: astronomie-nord.de/teleskoptreffen

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