China als Testgelände : Deutschland und China bauen zusammen autonom fahrende Autos

Li Keqiang, Ministerpräsident von China, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Harald Krüger, Vorstandsvorsitzender von BMW, auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof bei einer Präsentation zum autonomen Fahren.
Li Keqiang, Ministerpräsident von China, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Harald Krüger, Vorstandsvorsitzender von BMW, auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof bei einer Präsentation zum autonomen Fahren.

Deutsche und chinesische Autofirmen stärken ihre Kooperation. Vor allem BMW hat dabei Neuigkeiten zu verkünden.

shz.de von
10. Juli 2018, 12:45 Uhr

Berlin | Deutschland und China wollen ihre Zusammenarbeit bei autonomen Fahrzeugen als einer der wichtigsten Zukunftstechnologien der Autoindustrie vertiefen. "Wir hoffen, dass der heutige Tag ein guter Tag ist", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag bei einem Treffen mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang in Berlin.

Es gehe um eine offene, transparente Kooperation. Die beiden Regierungschefs ließen sich auf dem früheren Flughafen Tempelhof im Beisein von Topmanagern der Autobranche autonome Autos vorführen.

"Zusammenarbeit auf einer neuen Stufe"

Merkel sagte, es gehe nichts darüber, einmal praktisch zu sehen, was möglich sei. Li Keqiang sprach von einem wichtigen Projekt. China werde sich dafür offen zeigen gegenüber der deutschen Industrie. Dies müsse auch umgekehrt gelten. China werde die erforderlichen Daten zur Verfügung stellen, damit gemeinsam Autos entwickelt würden, die dann auf Straßen fahren könnten, sagte der Politiker laut Übersetzung.

An dem Treffen von Merkel und dem chinesischen Regierungschef nahmen unter anderem VW-Konzernchef Herbert Diess, Daimler-Forschungsvorstand Ola Källenius und BMW-Chef Harald Krüger teil. Krüger erklärte: "Wir heben die Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland auf eine neue Stufe."

Autonome und vernetzte Fahrzeuge sind neben alternativen Antrieben wie Elektroautos das große Zukunftsthema der Autobranche, die sich in einem historischen Umbruch befindet. Der Diesel-Abgasskandal hat diesen beschleunigt. Die Hersteller wollen ihre Geschäftsmodelle ändern und sich zu Mobilitäts-Dienstleistern wandeln.

BMW baut Elektro-Mini in China

Der Präsident des deutschen Branchenverbands VDA, Bernhard Mattes, sagte, deutsche Hersteller testeten ihre automatisierten Fahrfunktionen bereits auf den Straßen von Peking und Shanghai. "Es ist gut, dass die chinesische Regierung hierfür die Erlaubnis erteilt hat. Künftig sollten Tests auch auf Autobahnen möglich sein." Zudem sollte der Zugang zu hoch auflösenden Echtzeitkarten verbessert werden.

Schon in wenigen Jahren sollen autonome Autos zumindest in Großstädten auf den Straßen rollen. Es gibt aber noch viele offene Fragen – zum Beispiel zur Datensicherheit. Es geht außerdem um gemeinsame Standards. China investiert derzeit massiv in autonome Fahrzeuge. Bei der künstlichen Intelligenz hinkt Deutschland hinterher, China und die USA sind hier führend. Merkel will das Thema nun in Europa vorantreiben.

Am Rande des Treffens unterzeichneten Vertreter der deutschen sowie chinesischen Autoindustrie insgesamt sechs Absichtserklärungen. Dabei geht es etwa um eine technische Kooperation bei der Entwicklung selbstfahrender Autos sowie um gemeinsame Standards. BMW und der chinesische Autobauer Great Wall besiegelten außerdem ihr Gemeinschaftsunternehmen für den Bau eines neuen Elektro-Mini in China.

BMW prüft auch mit dem chinesischen Technologie-Konzern Baidu – dem Betreiber der größten Internetsuchmaschine im Land – gemeinsame Projekte für fortgeschrittene Fahrerassistenzsysteme, teilte das Dax-Unternehmen am Dienstag in München mit. BMW werde auch Mitglied im Vorstand von Baidus offener Technologieplattform Apollo.

Auto-Nachfrage in China geht im Juni zurück

Angestrebt würden weltweit einheitliche Technologiestandards, um regionale Unterschiede bei Umsetzungstempo und Regularien zu beseitigen, sagte Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich. In China droht wegen der Zuständigkeiten von Regional- und Zentralregierungen oft ein Flickenteppich von Regeln.

BMW entwickelt in einer eigenen Plattform mit dem US-Tech-Konzern Intel, dessen Tochter Mobileye und mit diversen Zulieferern als Partner Technik für das autonome Fahren. Gemeinsame Projekte mit Baidu könnte es unter anderem in der Datenanalyse und Sprachsteuerung geben.

In China hat im Juni die Nachfrage nach Autokäufen auch wegen der Unsicherheit rund um Einfuhrzölle deutlich nachgelassen. Nach Daten des Herstellerverbandes PCA wurden 1,7 Millionen Autos und kleinere Nutzfahrzeuge verkauft. Das waren 3,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, was das größte Monatsminus seit Januar 2017 war.

In den ersten sechs Monaten beträgt das Plus aber noch 3,2 Prozent. Zum 1. Juli sinken Einfuhrzölle für Autos in China generell von 25 auf 15 Prozent. Allerdings erhöht China wegen des Handelsstreits mit den USA die Zölle für Autos aus US-Produktion auf 40 Prozent.

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