Riesenwirbel im Élyséepalast : "Demo-Affäre": Macrons Sicherheitsmitarbeiter im Polizeigewahrsam

Nach der kurzen Euphorie durch den WM-Sieg der Fußball-Nationalmannschaft weht der Wind für Präsiden Macron in Frankreich wieder etwas rauher.
Nach der kurzen Euphorie durch den WM-Sieg der Fußball-Nationalmannschaft weht der Wind für Präsiden Macron in Frankreich wieder etwas rauher.

Nach dem Angriff eines Staatsmitarbeiters auf einen Passanten fordert die Opposition Antworten von Präsident Macron.

shz.de von
20. Juli 2018, 17:48 Uhr

Paris | Französische Ermittler haben den umstrittenen Sicherheitsmitarbeiter von Staatspräsident Emmanuel Macron in Gewahrsam genommen. Alexandre Benalla werden unter anderem Gewalttätigkeiten und Amtsanmaßung vorgeworfen, bestätigten Kreise der Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur am Freitag in Paris. Die Behörde hatte bereits am Donnerstag Vorermittlungen eingeleitet. Laut französischen Medien ist die Affäre die bisher größte Krise in der Amtszeit Macrons. Der 40-Jährige war im Mai 2017 in den Élyséepalast eingezogen.

Élyséekreise bestätigten, dass Benalla entlassen werden soll. Agrarminister Stéphane Travert sagte dem Sender BFMTV, es gebe "neue Beweise". Benalla war laut Zeitung "Le Monde" bei einem Polizeieinsatz am 1. Mai gegen einen jungen Demonstranten gewalttätig vorgegangen. Der Élyséepalast hatte am Donnerstag bestätigt, dass der Mitarbeiter bereits bestraft wurde.

Die Benalla-Affäre spitzte sich mit der Befragung bei den Ermittlern zu. Die Opposition hatte bereits Macron aufgefordert, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. In der Sache äußerte sich aber vor allem der Sprecher des Élyséepalastes.

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Laut Kreisen der Staatsanwaltschaft wird Benalla auch vorgeworfen, illegal Abzeichen einer Behörde getragen zu haben. Medien berichteten, er sei bei dem Einsatz am 1. Mai mit einer Polizei-Armbinde unterwegs gewesen. Es gibt zudem einen Beihilfevorwurf im Zusammenhang mit Video-Bildern, so die Kreise. Laut Nachrichtenagentur AFP wurden drei Polizisten vom Dienst suspendiert, weil sie Bilder der Pariser Videoüberwachung an Benalla weitergeleitet haben sollen. Ein Reservist der Gendarmerie, der Benalla am 1. Mai begleitet hatte, kam ebenfalls in Gewahrsam, so die Kreise der Staatsanwaltschaft.

Verhalten "nicht hinnehmbar"

Benalla hatte laut Tageszeitung "Le Monde" bei der Demonstration zum 1. Mai einen jungen Mann in Paris angegriffen. Die Zeitung identifizierte ihn nach eigenen Angaben auf einem Video. Benalla sei auch zu erkennen, als er eine junge Frau anfasste und abführte. Der Mitarbeiter habe einen Polizeihelm getragen, obwohl er kein Polizist sei. Der Sprecher des Élyséepalastes, Bruno Roger-Petit, hatte von einem "nicht hinnehmbaren Verhalten" gesprochen. Benalla sei 15 Tage lang freigestellt worden, mit Suspendierung des Gehalts.

Der Chef der oppositionellen Sozialisten, Olivier Faure, sagte, Innenminister Gérard Collomb müsse sich Fragen stellen: "Je nachdem, was er antwortet, werden wir seine Glaubwürdigkeit bewerten. Ist er noch fähig, Innenminister zu sein, oder muss er stattdessen zu etwas anderem übergehen(...)?", fragte Faure bei BFMTV. "Der Skandal hat ein solche Dimension angenommen, dass nur Emmanuel Macron den Verdacht, den Zweifel eindämmen kann", sagte Bruno Retailleau von den konservativen Republikanern beim Sender France Inter.

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