Vor Veröffentlichung des Buchs "Fear" : Fiktion oder Realität? Das müssen Sie über Woodwards Trump-Enthüllungen wissen

Das Cover des Buches 'Fear - Trump in the White House' von Bob Woodward.
Das Cover des Buches "Fear - Trump in the White House" von Bob Woodward.

Könnten die brisanten Zitate aus Bob Woodwards Enthüllungsbuch Donald Trump zum Verhängnis werden? Fragen und Antworten.

shz.de von
05. September 2018, 18:41 Uhr

Washington | Watergate-Enthüller Bob Woodward hat wieder zugeschlagen. Mit seinem neuen Buch "Fear" sorgt er für mächtig Wirbel rund ums Weiße Haus - bringt möglicherweise sogar US-Präsident Donald Trump in Bedrängnis. Das lassen zumindest erste Auszüge, die von der "Washington Post" veröffentlicht wurden, vermuten. Es geht um brisante Zitate von Trumps Mitarbeitern mit kritischen bis schmähenden Äußerungen über den Präsidenten.

Ist das Buch Fiktion oder Realität?

Trumps Sprecherin Sarah Sanders sieht in dem Werk "nichts mehr als erfundene Geschichten, viele von ehemaligen verärgerten Angestellten", Einzelheiten aus dem Buch, die bisher in Auszügen berichtet wurden, bestritt sie jedoch nicht. Während Verteidigungsminister Jim Mattis das Buch "Fiktion" nannte, versicherte Autor Bob Woodward: "Es geht um reale Vorfälle".

Was ist bisher über den Inhalt bekannt?

Bis jetzt sind nur Auszüge aus dem Buch bekannt, die von der "Washington Post" veröffentlicht worden. Als "Werkstatt des Teufels" bezeichnete angeblich Reince Priebus Trumps Schlafzimmer – wo der Präsident Kabel-TV schaut und Tweets absetzt. Und auch Trump soll nicht viel für seinen ehemaligen Stabschef übrig gehabt haben. So habe der Präsident in einem Gespräch mit einem Stab-Mitarbeiter, also einem Untergebenen von Priebus, diesen mit "einer kleinen Ratte" verglichen. 2017 trennten sich dann die Wege von Trump und Priebus, dafür kam John Kelly. Auch von ihm wurde ein angebliches Zitat bereits veröffentlicht.

Woodward zitiert Kelly, der im Kreis von Mitarbeitern über den Präsidenten gesagt haben soll: "Er ist ein Idiot. Es ist sinnlos zu versuchen, ihn von irgendetwas zu überzeugen. Er ist entgleist." Kelly wies diese Darstellung allerdings zurück.

Auch Verteidigungsminister Jim Mattis wird von Woodward unter anderem mit der Aussage zitiert, Trump habe das Verständnis "eines Fünft- oder Sechstklässlers". Mattis dementierte die ihm zugeschriebenen Aussagen ebenfalls.

Woodward berichtet auch, Trump habe nach einem Chemiewaffenangriff im vergangenen Jahr in Syrien den Pentagon-Chef angerufen und gesagt, er wolle Präsident Baschar al-Assad umbringen lassen: "Lass ihn uns verdammt nochmal töten. Lass uns reingehen." Mattis aber wusste, dass dies keine gute Idee war. Zwar sicherte er Trump wohl er, er werde sich darum kümmern, doch nach einem hochrangigen Mitarbeiter sagte Mattis dann: "Wir werden nichts davon tun. Wir werden viel maßvoller sein."

In dem Buch berichtet Woodwards nach Angaben der "Washington Post" auch, der damalige Wirtschaftsberater Gary Cohn habe "einen Brief von Trumps Schreibtisch gestohlen", mit dem der Präsident ein Handelsabkommen mit Südkorea habe auflösen wollen. Cohn habe einem Mitarbeiter später gesagt, er habe damit die Nationale Sicherheit schützen wollen – und dass Trump das Fehlen des Schreibens nicht bemerkt habe.

Woher stammen Woodwards Informationen und Zitate?

Für sein Buch befragte Woodward zahllose Berater und zeichnete Hunderte Stunden Interviews auf. Nur mit einem sprach er nicht: Donald Trump.

Weiterlesen: Telefon-Mitschnitt mit Trump veröffentlicht: "Das wird ein schlechtes Buch"

Könnte Trumps Präsidentschaft durch die Veröffentlichung gefährdet sein?

Die Veröffentlichung kommt für Trump und seine Republikaner zur Unzeit. Es dauert nur noch etwa zwei Monate bis zu den "midterm-elections", den Halbezeitwahlen, bei denen alle Sitze im Repräsentantenhaus und ein Drittel der Sitze im Senat neu gewählt werden. Es zeichnet sich bereits ab, dass die Demokraten als die Sieger aus den "midterm-elections" hervorgehen könnten. Zudem zeigt sich ein Großteil der Amerikaner unzufrieden mit der Arbeit des Präsidenten. Dieser Eindruck könnte sich durch Woodwards Werk verfestigen. Vor allem auch weil Woodward zu den angesehensten Enthüllungsjournalisten des Landes zählt. Bekannt wurde er zusammen mit Carl Bernstein bei der "Washington Post", als die beiden Reporter den Watergate-Skandal aufdeckten.

Als besonders pikant für Trumps Präsidentschaft werden auch Aussagen seines Ex-Anwalts John Dowd in Zusammenhang mit der Russland-Affäre bewertet. So riet Dowd Trump angeblich dringend davon ab, in der Russland-Untersuchung von FBI-Sonderermittler Robert Mueller auszusagen – ansonsten riskiere er eine Gefängnisstrafe.

Wie reagierte Trump auf die erste Veröffentlichung?

In einem Telefon mit Bob Woodward, warf er dem Reporter vor, dass er nicht mit ihm persönlich gesprochen habe. Woodward bedauert dies, weist aber daraufhin, dass er mehrere von Trumps Vertrauten diesbezüglich angesprochen habe – jedoch ohne Erfolg. Trump ist in dem Gespräch auch betont darauf bedacht, seine vermeintlichen Erfolg als Präsident hervorzuheben.

Außerdem brachte Trump eine Änderung des Persönlichkeitsrechts ins Spiel. "Ist es nicht eine Schande, dass jemand einen Artikel oder ein Buch schreiben kann, Geschichten frei erfinden kann und ein Bild von einer Person entwerfen kann, das buchstäblich das genaue Gegenteil der Tatsachen ist, und damit durchkommt, ohne Bestrafung oder Kosten?", schrieb Trump am Mittwoch auf Twitter. "Ich weiß nicht, warum die Washingtoner Politiker nicht den Persönlichkeitsschutz ändern", fügte er hinzu.

Ab wann ist "Fear" auf dem Markt?

Woodwards Buch erscheint in der kommenden Woche offiziell in den USA. Verlegt wird es von Simon & Schuster. Ab dem 11. September ist es in englischer Sprache auch in Deutschland bestellbar. Das Werk hat 448 Seiten.

Mit Material der dpa
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