Das Autos als Büro oder Fitnessstudio : Cebit 2018: So stellt sich Volkswagen die Zukunft des Verkehrs vor

Das neue VW-Model Sedric feierte auf der Cebit 2018 Weltpremiere. Foto: Christian Ströhl

Das neue VW-Model Sedric feierte auf der Cebit 2018 Weltpremiere. Foto: Christian Ströhl

Geht es nach VW, übernimmt bald der Computer das Fahren. Dem Mensch bleibt so mehr Zeit zum Arbeiten oder Trainieren.

shz.de von
12. Juni 2018, 14:28 Uhr

Hannover | Der frühere Apple-Mann Johann Jungwirth hat auf der Cebit 2018 einen Blick in die Zukunft der Mobilität geworfen. Auf dem „Volkswagen Summit“ zeigte der Chief Digital Officer (CDO) der Wolfsburger, wie sich die Marke VW verändern könnte und welche Auswirkungen die VW-Visionen auf andere Verkehrsteilnehmer hätten.

Weltpremiere auf der Cebit 2018

Im Zentrum der Ideen steht ein neues Model von Volkswagen: Sedric, eine Abkürzung für „self driving car“, also ein selbstfahrendes Auto. Der Wagen feierte auf der Cebit 2018 Weltpremiere. „In Zukunft formen wir Mobilität als Service“, sagt Jungwirth. Was er damit meint: Verschiedene Versionen von Sedric bringen Nutzer von A nach B, und zwar „schneller, komfortabler und günstiger“.

Sedric bietet in der Standardversion Platz für vier Personen. Sie sitzen sich gegenüber. Im Innenraum gibt es Bildschirme, auf denen zum einen normale Autoinformationen zu sehen sind. Zum anderen könnte während einer Fahrt ein Film geschaut, Zeitung gelesen oder ein Fußballspiel angeguckt werden.

Fitness im Auto

Volkswagens Visionen gehen aber noch weiter: Die selbstfahrenden Autos könnten darüber hinaus als Büros, Partyräume oder Fitnessstudios dienen. Der auf der Cebit vorgestellte „Sedric Active“ richtet sich an Outdoorsportler. Von ihm könnten Mountainbiker sich Mountainbiker etwa einen Berg hinauf fahren lassen. Und während der Sportler die Hügel hinunter rast, folgt ihm das Auto, begibt sich zum Zielpunkt und nimmt den Menschen wieder auf.

Alles Zukunftsmusik? Nicht unbedingt, denn „in zwei bis drei Jahren“ glaubt Jungwirth, könnte diese Vision in den USA bereits Realität werden. Der asiatische Markt und Europa würden später folgen. In 20 bis 30 Jahren rechnet er in großen Städten schon mit einem gemischten Verkehr aus selbstfahrenden und von Menschen gelenkten Autos.

Jungwirth: „Vorteile für alle“

Diese Entwicklung soll auch positive Auswirkungen auf das Leben auf dem Land haben. „Menschen nutzen den Arbeitsweg dann zum Arbeiten und können produktiver sein“, glaubt Jungwirth. Auch sollen selbstfahrende Autos als Supermärkte dienen. Diese könnten entlegene ländliche Regionen ansteuern, wo es keine Supermärkte oder Apotheken mehr gibt. Kinder und Ältere würden ebenso profitieren. Sie seien durch Sedric, der in Zukunft per App auf Daumendruck zu sich gerufen werden soll, mobiler.

„Wir wollen Mobility Provider werden“

Für den Autobauer bedeuten diese Szenarios ebenso Veränderungen. Um eine verlässliche Infrastruktur für die Sedric-Flotten zu gewährleisten, etwa mit Wartung und Ladepunkten, könnten VW-Händler mit ins Boot geholt werden. Davon gebe es viele mit großen Parkflächen, die zu Ladestationen umgebaut werden könnten. „Wir wollen Mobility Provider werden“, sagt Jungwirth, also ein Anbieter für Mobilität. Simulationen hätten gezeigt, durch mehr autonome Fahrzeuge sicherer werde. „An 90 Prozent aller Verkehrsunfälle sind Menschen schuld“, sagt der VW-CDO. Außerdem brächte man nur noch ein Siebtel der Anzahl an Wagen, die aktuell unterwegs sind. Weil die aber häufiger und intensiver genutzt würden, verkürzt sich deren Lebensintervall, sodass der es keinen negativen Effekt auf VW als Autobauer hätte.

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