dpa/Montage

Schlagabtausch im Video : Bundestag: Erst greift Schulz Gauland an, später verlässt die AfD den Saal

Ex-SPD-Chef Martin Schulz wirft AfD-Chef Alexander Gauland eine faschistische Rhetorik vor. Später kommt es zum Eklat.


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2018-09-12 14:08:00.0, 2018-09-12 14:08:00.0 Uhr

Berlin | Der SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Schulz hat AfD-Fraktionschef Alexander Gauland vorgeworfen, er bediene sich in seinen Reden der tradierten "Mittel des Faschismus". Nachdem Gauland am Mittwoch in einer Generalaussprache im Bundestag Straftaten von Asylbewerbern und Flüchtlingen aufgezählt hatte, sagte der frühere SPD-Kanzlerkandidat: "Eine ähnliche Diktion hat es in diesem Hause schon einmal gegeben." Gauland reduziere komplexe Sachverhalte auf ein einziges Thema, bezogen auf die Minderheit der Migranten.

Mit Blick auf Gaulands frühere Äußerung, wonach Hitler und die Nazis "nur ein Vogelschiss" in tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte gewesen sei, sagte Schulz: Gauland gehöre auf den "Misthaufen" der deutschen Geschichte. Viele Abgeordnete applaudierten daraufhin:

Gauland rechtfertigte sich. Er sagte: "Das hat mit Faschismus überhaupt nichts zu tun." In seiner Rede hatte Gauland zuvor die Bundesregierung davor gewarnt, sich an Angriffen in Syrien zu beteiligen. Denn dadurch würden neue Fluchtursachen geschaffen.

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Der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warf Gauland "Sturheit und Rechthaberei" vor. Er nahm den Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, in Schutz. Maaßen war dafür kritisiert worden, dass er in einem Interview darauf beharrt hatte, in Chemnitz habe es in den vergangenen Tagen keine "Hetzjagden" auf Ausländer gegeben.

Kahrs: "Rechtsradikale in diesem Parlament sind unappetitlich"

Später kommt es zum Eklat: Als Reaktion auf Angriffe des SPD-Abgeordneten Johannes Kahrs verließ die AfD-Fraktion geschlossen den Plenarsaal. Der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Fraktion sagte am Mittwoch in der Generaldebatte zum Haushalt: "Rechtsradikale in diesem Parlament sind unappetitlich." Die AfD habe nur "dumme Sprüche" parat, keine Inhalte, keine Lösungen.

"Man muss sich diese Traurigen da nur angucken", so Kahrs. "Hass macht hässlich, schauen Sie in den Spiegel." Als von der AfD eine Zwischenfrage angemeldet wurde, sagte Kahrs: "Von Rechtsradikalen brauche ich keine, danke." Er warf der AfD zudem Spaltung vor und warnte vor Weimarer Verhältnissen, die in den Nationalsozialismus mündeten: "Schauen Sie in den Spiegel, dann sehen Sie, was diese Republik in den 20ern und 30ern ins Elend geführt hat." Das folgende Video zeigt diese Szene:



Schließlich standen die AfD-Abgeordneten auf und verließen den Plenarsaal. Nach der Rede von Kahrs kehrten sie zurück. Bundestagsvizepräsident Hans-Peter Friedrich rief Kahrs als Sitzungsleiter zu künftiger Mäßigung auf. "Ich glaube nicht, dass es zielführend ist, wenn wir eine solche Aggressivität hier in das Hohe Haus bringen. Das wird für die Beratungen in der Zukunft nicht zuträglich sein." Das sei nicht in Ordnung. Daraufhin meldete sich Barbara Hendricks von der SPD zu Wort und nannte es "befremdlich", dass Friedrich Kahrs Aggressivität vorwerfe, man solche Äußerungen von ihm zur AfD aber noch nie gehört habe.

Der zweite AfD-Parlamentsgeschäftsführer Jürgen Braun sagte nach dem Auszug der Fraktion: "Das haben wir spontan entschieden wegen der Rede von Herrn Kahrs, die aus unserer Sicht eine einzige Pöbelei gegen die AfD und ihre Abgeordneten war." Fraktionschef Alexander Gauland sagte: "Es scheint, dass die Sozialdemokraten ihren freien Fall in die Bedeutungslosigkeit mit plumpen Beschimpfungen der AfD aufhalten wollen."

Kommentare

  • 12.09.2018 | 20:06 Uhr
    Sten Post

    Hut ab!

    Endlich wird die AfD mit den Sprache bekämpft, die sie in Deutschland salonfähig gemacht hat. Diese Sprache verstehen die Braunen und die Reaktion zeigt: Sie trifft. Danke, an Herrn Schulz!

    Ich weiß, das mögen unsere braunen Foristen hier nicht lesen. Macht Euch nichts drauß, Ihr seid hier doch fast unter Euch! LOL

  • 12.09.2018 | 19:13 Uhr
    Rainer Mohr

    Herr Nissen

    wann waren Sie eigentlich das letzte mal beim Arzt?

  • 12.09.2018 | 19:10 Uhr
    Helmut Erb

    Hate Speech.

    Bei mir bleibt hängen, daß der Bundestagspräsident sowohl den Choleriker Schulz als auch den Pöbler Kahrs gewähren ließ, was für künftige Debatten Maßstäbe setzen kann.

    MdB Schulz erhielt für seinen Wutausbruch stehenden Applaus von sehr vielen Abgeordneten. Kaum vorstellbar, daß die alle tatsächlich hinter Schulz Ausführungen stehen. So etwas nennt man Herdentrieb oder Gruppendruck, auch Social Proof.

    • Sten Post
      12.09.2018 | 20:13 Uhr

      Sie haben sicherlich bei der Rede von Gauland...

      ...applaudiert. Ich hoffe es zumindest, dass Sie noch beide Arme zum Applaudieren frei hatten. LOL

  • 12.09.2018 | 18:52 Uhr
    Carsten Nissen

    Schulz hat fertig!

    Der sollte erstmal seine Krankheiten kurieren, damit er wieder einen klaren Kopf bekommt. Aber meinetwegen: Hauptsache die SPD wird einstellig :-)

    • frank drescher
      12.09.2018 | 19:51 Uhr

      ähhhh ....

      der Gauland und der Schulz sind doch beide Salonunfähig!

  • 12.09.2018 | 18:20 Uhr
    Bodo Meins

    Johannes Kahrs

    Man sollte sich diesen Herrn doch mal näher anschauen, da kommen einige Dinge ans Licht:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Kahrs

    Ansonsten gehen mit diese Pauschalierungen - auch von Merkel - und die Pöbeleien auf den Sender. Die sind keinen Deut besser. Es sind ja auch nicht alle Linken extrem, nur weil in Hamburg randaliert wurde.

  • 12.09.2018 | 17:15 Uhr
    Wolfgang Töde

    Endlich einmal das Richtige gesagt

    Endlich haben die demokratischen Parteien die AfD als das benannt was sie sind: Eine Partei mit Faschisten und Rechtsradikalen A....... in ihrer Mitte. Es wäre schön wenn sie nie wieder den BT betreten würden.
    Die jenigen die über "Maddin" herziehen können nicht anders und helfen die Rechtenhetze zu beschönigen. Schulz hat die Wahrheit gesagt: Gau-land gehört auf den Misthaufen.

  • 12.09.2018 | 15:45 Uhr
    Carsten Nissen

    Schulz ist dafür verantwortlich,

    dass die SPD demnächst nur noch einstellige Wahlergebnisse erreichen wird. Das ist wirklich eine Glanzleistung, welche Stegner nicht besser hinbekommen hätte. In anderen Parteien freut man sich über die desolaten Auftritte der Genossen.

    • Peter Gottwald
      12.09.2018 | 16:06 Uhr

      ah ja

      und, irgendwas auch zu dem Thema beizutragen? Ich befürchte es interessiert irgendwie nicht, ob Sie nun Krokodilstränen vergiessen oder noch nen Bier trinken.

    • Hans Lehmann
      12.09.2018 | 17:44 Uhr

      Herr Gottwald

      was ist los mit Ihnen? Dieses Schubladen-Niveau kenne ich nicht von Ihnen. Ist diese Krankheit von Schulz ansteckend?

  • 12.09.2018 | 15:04 Uhr
    Peter Gottwald

    Schulz

    kann es ja doch noch. Prägnante Rethorik, die Realität auf den Punkt gebracht.

    • Winfried Spangenberg
      12.09.2018 | 15:37 Uhr

      Genau, Herr Gottwald,..

      ..er traf den Nagel voll auf den Kopf, Volltreffer, das Haus stand auf und klatschte respektvoll Beifall. Der Versuch, ihn lächerlich zu machen beweist es eindrucksvoll.

      Schulz politische Vita ist interessant. Er erreichte und leistete weit mehr als so mancher Vollversager und Nichtsleister, der dem Staat nur auf der Tasche liegt und quarkt.

    • Hans Lehmann
      12.09.2018 | 17:38 Uhr

      Naja

      Schulz hat sich sogar skrupellos die Taschen mit Sitzungsgeld über Weihnachten gefüllt. Ein wahres Vorbild für sozialistische Habgier und Gerechtigkeit. Diese Steuergeld-Heuschrecke ist zu Recht auf dem politischen Schrottplatz entsorgt worden.

  • 12.09.2018 | 14:39 Uhr
    Harald Wiechmann

    Ausgerechnet M.Schulz

    Wer keine Inhalte zu kommunizieren vermag, der hat auch kein Recht, persönliche Angriffe zu führen! Das ist die gängige Methode zum Machterhalt bei unseren gesättigten Gewohnheitspolitikern. Der Ruf nach Gerechtigkeit ist bereits beim Absondern verhallt.

  • 12.09.2018 | 14:28 Uhr
    Mario Haring

    Isch bin der Madin

    Hätte der gute "Madin" im Wahlkampf man mehr Druck ausgeübt und der Kanzlerin mehr Paroli geboten, hätte uns das vielleicht vieles erspart!Vielleicht sogar die AFD!!Ein armer alter "Madin"

    • Meinhard Petersen
      12.09.2018 | 14:36 Uhr

      Jo.


      Zum Maddin fehlt nu nur noch der Kommentator zum Thema Agenda2010. Davon wollte Schulz keinen Deut ab.

  • 12.09.2018 | 13:07 Uhr
    Thomas Braun

    „Ick bin alldor“...

    sagte Igel Schulz.

  • 12.09.2018 | 12:54 Uhr
    Carsten Nissen

    10 Bier zuviel!

    Schulz sollte von der politischen Bühne verschwinden.

  • 12.09.2018 | 12:09 Uhr
    Bodo Meins

    Gauland gehöre auf den "Misthaufen" der deutschen Geschichte.

    Ich dachte, Hasskommentare sollten nicht sein, Herr Schulz? Herr Schulz ist auch bereits Geschichte. Es interessiert doch niemand mehr, was dieser grenzenlos Gescheiterte zu sagen hat.

    • Wolfgang Töde
      12.09.2018 | 17:18 Uhr

      Schulz hat

      mehr drauf als manche Anti Schulz Kommentare.

    • Bodo Meins
      12.09.2018 | 18:23 Uhr

      Herr Töde

      Wenn schon, dann so: "Schulz hat mehr drauf als manche Anti-Schulz-Kommentatoren."

    • frank drescher
      12.09.2018 | 19:57 Uhr

      Herr Töde

      können sie das beweisen? Bisher hat Schulz ja nicht performt!

    • Sten Post
      12.09.2018 | 20:10 Uhr

      Stimmt, Hasskommentare sollen nicht sein...

      ...aber wo finden Sie in diesem Satz Hass? Eine Partei, die Menschen in "Anatolien entsorgen" möchte, wird sich schon den "Misthaufen der Geschichte" gefallen lassen müssen. Unsere Braunen sind doch sonst nicht so zimperlich. Am Ende waren sie sogar so getroffen, dass sie wieder ich lächerliches Spiel aufziehen mussten: Mimimimi, wir sind die Opfer!

    • Bodo Meins
      12.09.2018 | 20:45 Uhr

      Herr Post

      Wer Gleiches mit Gleichem vergilt ist nicht besser.

jetzt zu shz.de