Im Streit getötet : Bericht: Ali B. gesteht den Mord an Susanna

<p>Die Trauer um den Mord an der 14-Jährigen Susanna ist groß in Wiesbaden sowie im Rest von Deutschland. </p>

Die Trauer um den Mord an der 14-Jährigen Susanna ist groß in Wiesbaden sowie im Rest von Deutschland.

Ali B. soll Medien zufolge in Gewahrsam der Bundespolizei am Samstagabend aus dem Irak nach Frankfurt gebracht werden.

shz.de von
09. Juni 2018, 10:33 Uhr

Dohuk | Nachdem der Hauptverdächtige Ali B. im Mordfall der 14-Jährigen Susanna bereits am Freitag im Irak gefasst wurde, soll er den Mord inzwischen gestanden haben. Das berichtet der kurdisch-irakische TV-Sender Rudaw unter Berufung auf ein Interview des General Tarek Ahmed, Chef der Polizei in Dohuk.

Polizeioffizier Tarik Ahmed sagte dem TV-Sender, der Verdächtige und sein Opfer hätten vor der Tat viel Alkohol getrunken und Tabletten geschluckt. Zwischen den beiden sei es zum Streit gekommen. Das 14-jährige Mädchen habe gedroht, die Polizei anzurufen, was Ali B.nach eigener Aussage zu der Tat getrieben habe – er habe das Mädchen stranguliert.

Die Mutter des Verdächtigen sagte der Deutschen Welle, ihr Sohn könne sich nicht an die Tat erinnern, weil er betrunken gewesen sei. Demnach erfuhr die Familie erst durch die Verhaftung im Irak und durch Nachrichten im Internet von den Vorwürfen gegen den jungen Mann.

Der Tatverdächtige befindet sich zurzeit in einem Gefängnis in Erbil, soll Presseberichten des „Wiesbadener Kurier“ und der Mainzer „Allgemeine Zeitung“ zufolge aber am heutigen Samstagabend auf dem Frankfurter Flughafen landen. Ali B. soll demnach in Gewahrsam der Bundespolizei aus dem Irak nach Frankfurt gebracht werden, so die Medienberichte.

Zu einem Rücktransport des Verdächtigen gab es von Bundes- und Landesministerien sowie von der Bundespolizei am Samstag zunächst keine Stellungnahmen. Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) sagte dem RBB, er rechne damit, dass der mutmaßliche Mörder nach Deutschland gebracht werde: „Ich gehe davon aus, dass der Prozess gegen den 20-Jährigen in Deutschland durchgeführt werden kann.“

Einreise von Ali B.: Kurdische Polizei korrigiert Angaben

Ali B. ist nach Angaben eines lokalen Polizeioffiziers offensichtlich doch mit dem Flugzeug in den Irak gekommen. Das sagte Polizeioffizier Tarik Ahmed am Samstag. Er korrigierte damit frühere Informationen lokaler Sicherheitskräfte, wonach Ali B. über den Landweg in den Irak eingereist sei. Die kurdische Polizei sei zunächst davon ausgegangen, sagte Ahmed. Bei weiteren Ermittlungen habe sich dies jedoch als falsch erwiesen.

Bei seiner Einreise am Flughafen Erbil sei Ali B. noch nicht zur Fahndung ausgeschrieben gewesen, so dass den lokalen Sicherheitskräften keine Informationen vorgelegen hätten. Nach den ersten Informationen aus Deutschland sei ein Fahndungsteam gebildet worden, das Ali B. innerhalb von sieben Stunden am Freitagmorgen in der Stadt Zakho festgenommen habe.

Auslieferung am Samstagabend

Von Bundesjustizministerium, hessischem Innenministerium und Bundespolizei gab es dazu zunächst keine Stellungnahmen. Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) sagte dem RBB, er rechne damit, dass der mutmaßliche Mörder der 14-jährigen Mainzerin Susanna nach Deutschland gebracht werde: „Ich gehe davon aus, dass der Prozess gegen den 20-Jährigen in Deutschland durchgeführt werden kann.“

Nach Informationen der Bild-Zeitung planen die Sicherheitsbehörden, Ali B. noch am Samstag, spätestens aber am Sonntag dem Haftrichter vorzuführen – anschließend soll er in Frankfurt am Main in Untersuchungshaft kommen.

Die Bild berichtet weiterhin, dass Ali B. nur in seinem irakischen Heimatdorf gefasst werden konnte, weil ein Familienangehöriger auf Bitten der Behörden bei der Polizeiwache erschienen ist. „Nachdem wir dieser Person gesagt hatten, dass Ali Bashar im Verdacht steht, ein junges Mädchen in Deutschland umgebracht zu haben, entschlossen sich die Verwandten zu kooperieren“, sagte der Polizeichef General Tarek Ahmed zu BILD.

Politiker warnen vor Instrumentalisierung des Mordfalls 

Nach dem Mord an der 14-jährigen Schülerin haben Politiker von Union und SPD vor einer politischen Instrumentalisierung des Falls gewarnt. „Ich verwehre mich dagegen, wenn solche Fälle dafür genutzt werden, um Hass und Hetze zu verbreiten“, sagte Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) der Oldenburger „Nordwest-Zeitung“ (Sonnabend). 

Auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), sagte, es dürfe nicht zugelassen werden, dass Hass gesät werde und ganze Gruppen unter einen Generalverdacht gestellt würden.

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