Sabotage mit Schrauben oder Nägeln : Anschläge auf Maishäcksler: Stecken militante Naturschützer dahinter?

Die Anschläge mit Schrauben und Nägeln auf dem Maisfeld häufen sich.
Die Anschläge mit Schrauben und Nägeln auf dem Maisfeld häufen sich.

Bei der Polizei stapeln sich ungeklärte Ermittlungsfälle wegen Sabotage in Maisfeldern. Wer macht sowas, und warum?

shz.de von
03. September 2018, 11:10 Uhr

Donauwörth | In vielen ländlichen Regionen häufen sich mysteriöse Anschläge auf Maishäcksler. Die Täter verstecken große Metallteile wie Schrauben oder Stäbe zwischen den Pflanzen, um die Erntemaschinen schwer zu beschädigen.

Polizisten vermuten, dass hinter diesen Taten Menschen stecken, die grundsätzlich etwas gegen den Maisanbau haben: Schließlich werde schon lange die "Vermaisung der Regionen" kritisiert, sagt Florian Wallner vom Polizeipräsidium Schwaben Süd/West in Kempten.

Maisgegner verweisen darauf, dass Maisfelder das Hochwasserrisiko steigen ließen, weil der so bewirtschaftete Boden Feuchtigkeit weniger gut aufnehmen könne. Andere finden es schlecht, dass der Mais oftmals als Rohstoff für Biogasanlagen und nicht für den Ernährungskreislauf genutzt wird. Aber auch Anschläge von konkurrierenden Agrarbetrieben werden nicht ausgeschlossen.

Anschläge auch in Schleswig-Holstein

Das Ziel der Attacken ist offensichtlich, die teuren Erntemaschinen zu demolieren – mitunter entsteht pro Fall ein Schaden von mehreren zehntausend Euro. Für die Arbeiter auf den Feldern besteht zudem Lebensgefahr, weil Metallteile auch wie Geschosse durch die Gegend katapultiert werden können, wenngleich es bislang noch keine Verletzten gab. Über das Motiv herrscht meist Rätselraten, denn kaum einer wird erwischt. Sind die Täter militante Naturschützer oder Konkurrenten der geschädigten Landwirte?

Zuletzt wurde im bayerischen Nordschwaben eine Anschlagsserie fortgesetzt, die bereits 2016 begonnen hatte. Auch in Hessen, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein beschäftigten ähnliche Taten in den vergangenen Jahren die Ermittler. Der Sachschaden liegt im Millionenbereich, Täter und Motive sind unbekannt.

Wie die Hersteller die Attacken verhindern wollen

Die Industrie hat längst auf die Sabotage reagiert, in neue Erntemaschinen werden Metalldetektoren eingebaut. Dann kann der Häcksler stoppen, bevor eine Schraube in die Technik gerät. Doch nicht alle Fremdkörper würden durch die Detektoren erkannt, erklärt Martin Wesenberg, Geschäftsführer des Bundesverbandes Lohnunternehmen, in dem rund 2000 Agrarbetriebe organisiert sind. "Es ist ein Riesenproblem", sagt Wesenberg über die Maisfeldattacken. Der Verbandschef sieht nicht immer Agrargegner als potenzielle Täter an. Sie könnten auch aus der Branche kommen.

"Sowas ist vorstellbar", sagt auch Oberstaatsanwalt Marcus Röske zu der Theorie, dass Konkurrenten die Metallteile im Mais verstecken. Seine Staatsanwaltschaft im niedersächsischen Verden ermittelte gemeinsam mit der Kripo seit 2010 wegen mehr als 50 Anschlägen in der Umgebung von Diepholz, deren Schaden sich auf 800.000 Euro addierte.

Im Juni konnte die Polizei einen der seltene Erfolge vermelden. Es gab eine große Razzia auf einem Bauernhof und einen Verdächtigen. Doch es gab dann eine dramatische Wendung in dem Fall, Röske äußert sich deswegen nicht mehr zu den Ermittlungsergebnissen. "Der Beschuldigte ist verstorben", sagt er.

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