Der Fall Andrew Brunson : Angeklagter US-Pastor: Türkei reagiert empört auf Drohungen der USA

Nach fast zwei Jahren Untersuchungshaft durfte Andrew Craig Brunson (mit Brille) in sein Haus in Izmir zurückkehren.
Nach fast zwei Jahren Untersuchungshaft durfte Andrew Craig Brunson (mit Brille) in sein Haus in Izmir zurückkehren.

Weil die Türkei einen US-Pastor gefangen hält, drohte die US-Regierung mit Sanktionen. In Ankara reagiert man erbost.

shz.de von
26. Juli 2018, 20:27 Uhr

Washington/Istanbul | Nach Sanktionsdrohungen von US-Präsident Donald Trump wegen eines Pastors, der seit mehr als eineinhalb Jahren in der Türkei festgehalten wird, hat Außenminister Mevlüt Cavusoglu mit Empörung reagiert. "Niemand macht der Türkei Vorschriften. Wir werden niemals und von niemandem Drohungen akzeptieren", twitterte er am Donnerstagabend. Das Gesetz gelte ohne Ausnahme für jedermann. Außenamtssprecher Hami Aksoy forderte die USA auf, wieder zu einem "konstruktiven Dialog" zurückzukehren.

Trump hatte zuvor mit "weitreichenden Sanktionen" gedroht. US-Pastor Andrew Brunson leide "fürchterlich". Der "unschuldige Glaubensmann" sollte umgehend freigelassen werden, schrieb Trump auf Twitter.

Der Sprecher von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, bezeichnete die "bedrohliche Wortwahl der US-Regierung gegen die Türkei, einen Nato-Alliierten", als nicht akzeptabel. Die USA müssten verstehen, dass sie nichts erreichen würden mit Drohungen zu einem Fall, der der unabhängigen Justiz des Landes unterliege. Sie sollten ihren "Ansatz überdenken", bevor sie der Allianz mit der Türkei weiteren Schaden zufügten.

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete am späten Abend, nach dem Tweet und den Reaktionen aus der Türkei hätten der türkische und der amerikanische Außenminister miteinander telefoniert. Details zum Gespräch gab es zunächst nicht.

Tauschhandel vorgeschlagen

Brunson, der eine kleine Kirchengemeinde in der westtürkischen Stadt Izmir geleitet hatte, werden Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und zur Bewegung des in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen vorgeworfen. Die türkische Führung macht Gülen für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte in der Vergangenheit vorgeschlagen, Gülen gegen Brunson auszutauschen. Die Staatsanwaltschaft fordert bis zu 35 Jahre Haft für Brunson. Die nächste Gerichtsverhandlung ist am 12. Oktober.

Der Trump-Tweet verschärft das sowieso angespannte Verhältnis zwischen der Türkei und den USA weiter. Dabei geht es unter anderem um gegensätzliche Positionen im Syrien-Krieg sowie beim Thema Sanktionen gegen den Iran.

Noch am Mittwoch hatte es nach einer Entspannung ausgesehen. Da hatte ein türkisches Gericht die Untersuchungshaft des US-Pastors in Hausarrest umgewandelt. Brunson werde aus dem Gefängnis entlassen, dürfe aber sein Haus in Izmir nicht verlassen, berichtete der Sender CNN Türk unter Berufung auf das Urteil.

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