Alle drei Preisträger inhaftiert : Alternativer Nobelpreis für Menschenrechtler in Saudi-Arabien

Mohammad Fahad al-Qahtani (vorne) ist einer von fünf Alternativen Nobelpreisträgern. Foto: Sultan Alfifi/Wikipedia
Mohammad Fahad al-Qahtani (vorne) ist einer von fünf Alternativen Nobelpreisträgern. Foto: Sultan Alfifi/Wikipedia

Der Preis geht erstmals nach Saudi-Arabien. Die Männer werden für ihren "mutigen Einsatz" geehrt.

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24. September 2018, 09:00 Uhr

Stockholm | In diesem Jahr richtet der Alternative Nobelpreis der Stockholmer Right Livelihood Stiftung seinen Blick unter anderem auf die miserable Menschenrechtslage in Saudi-Arabien.

Die mit einem Preisgeld in Höhe von drei Millionen Schwedischen Kronen (290.000 Euro) dotierte Auszeichnung geht zu einem Teil an die drei saudischen Menschenrechtler Abdullah al-Hamid, Mohammad Fahad al-Qahtani und Waleed Abu al-Khair. Geehrt werden sie "für ihren visionären und mutigen Einsatz, geleitet von universellen Menschenrechtsprinzipien, das totalitäre politische System in Saudi-Arabien zu reformieren", so die Begründung der Jury.

Abdullah al-Hamid (Dritter von links)

Mohammad Fahad al-Qahtani

Menschenrechtler Mohammad Fahad al-Qahtani ist einer der fünf Preisträger. Foto: Sultan Alfifi/Wikipedia
Sultan Alfifi/Wikipedia
Menschenrechtler Mohammad Fahad al-Qahtani ist einer der fünf Preisträger. Foto: Sultan Alfifi/Wikipedia

Waleed Abu al-Khair – sein Twitteraccount: @WaleedAbulkhair

Preise für friedliche Reformer

Die drei Preisträger arbeiten unermüdlich für eine Demokratisierung ihres Landes, in dem die königliche Familie im Bunde mit ultrakonservativen, wahhabitischen Geistlichen "ein streng kontrolliertes Machtmonopol aufrechterhält", so die Jury. Mit friedlichen Methoden versuchen sie, das zu reformieren. So fordern sie die Entmachtung der, aufgrund enormer Erdölvorkommen international kaum angegriffenen, Königsfamilie, durch eine konstitutionelle Monarchie. Zudem fordern sie universelle Menschenrechte, die Gewaltenteilung sowie die "Abschaffung der männlichen Vormundschaft, die den Frauen ihre grundlegendsten Rechte nimmt", so die Stockholmer Jury.

Lange Haftstrafen wegen "Ungehorsam"

Es ist das erste Mal, dass Preisträger aus Saudi-Arabien kommen. Alle drei Lauraten sitzen derzeit mit langen Haftstrafen in Gefängnissen, unter anderem wegen "Ungehorsam gegenüber dem Herrscher". Die Preisträger hatten keine Möglichkeit, ihre Ehrung am Montag zu kommentieren.

"Es ist beschämend zu sehen, dass sich selbst demokratisch gewählte Politiker anderer Länder, auch aus wirtschaftlichen und geopolitischen Gründen, an die Seite der repressiven saudischen Herrscherfamilie stellen, anstatt die mutigen Reformer zu unterstützen, die ja unsere Werte teilen", kommentiert Preisstiftungschef Ole von Uexküll gegenüber dem SHZ.

Urenkel des Preisstifters: Ole von Uexkuell. Foto: dpa/Jonas Ekstroeoer
dpa/Jonas Ekstroeoer
Urenkel des Preisstifters: Ole von Uexkuell. Foto: dpa/Jonas Ekstroeoer

Preis für "den Mann, der die Wüste aufhielt"

Zudem erhält der Bauer Yacouba Sawadogo aus Burkina Faso, auch bekannt als "der Mann, der die Wüste aufhielt", den Alternativen Nobelpreis "für die Verwandlung von unfruchtbarem Land in lebendigen Wald und für die Weiterentwicklung von lokalem und indigenem Wissen zur Regeneration des Bodens", so die Jury. Um 1980 begann er, während einer schweren Dürre, einen Wald auf kargem Land zu pflanzen. Sein Erfolg beruhte auf uralten Techniken. So ermöglichten kleine Gruben für Anpflanzungen die Speicherung von Biomasse, Wasser und Bodenkrumen. Sawadogo hat diese Technik weiterentwickelt, der ertragreiche Wald zählt heute 40 Hektar. "Ich hoffe der Preis wird es ermöglichen, meine Bemühungen zum Schutz des Waldes und der Tierwelt fortzusetzen", sagte er.

Ein Film über seine Arbeit:

"Sawadogo schwor, die Wüste aufzuhalten – und er hat es geschafft. Wenn lokale Gemeinschaften und internationale Experten bereit sind, von seiner Weisheit zu lernen, wird es möglich sein, große Gebiete unfruchtbaren Landes zu regenerieren, unfreiwillige Migration zu reduzieren und Frieden zu schaffen", so Uexküll.

Preis für den "Waldmacher"

Des Weiteren erhält der australische Agrarwissenschaftler Tony Rinaudo, auch "der Waldmacher" genannt, den alternativen Nobelpreis. Er entwickelte und verbreitete eine Methode, mit der "Trockengebiete in großem Umfang und mit minimalen Kosten begrünt werden können, zur Verbesserung der Lebensgrundlage von Millionen von Menschen", begründeten die Stockholmer Preisrichter. Die Grundidee von Rinaudos Methode liegt darin, Bäume aus bestehenden, oft noch intakten Wurzelsystemen heranzuziehen.

Film über seine Arbeit von World Vision:

"Rinaudo bietet eine praktische Lösung gegen Wüstenbildung, Hunger und Verzweiflung. Wenn die politischen Entscheidungsträger den von Landwirten gesteuerten Ansatz der natürlichen Regeneration unterstützen, können unfruchtbare Trockengebiete mit einer Gesamtfläche von der Größe Indiens begrünt werden", kommentierte Uexküll.

Der nicht dotierte Ehrenpreis geht an Thelma Aldana aus Guatemala und Iván Velásquez aus Kolumbien. Die "Vorkämpfer gegen Korruption" erhalten ihn, "für ihre wegweisende Arbeit zur Aufdeckung von Machtmissbrauch und Verfolgung von Korruption und für die Wiederherstellung von Vertrauen in öffentliche Institutionen", so die Jury.

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