Protest gegen Braunkohle-Abbau : Aachener Polizei: Keine Hinweise auf Tunnelbau im Hambacher Forst

Umweltaktivisten halten ein Waldstück im Hambacher Forst besetzt.
Umweltaktivisten halten ein Waldstück im Hambacher Forst besetzt.

Bei ihrem Protest gegen Braunkohle-Abbau sollen Besetzer im Hambacher Forst Tunnel gegraben und Waffen versteckt haben.

shz.de von
08. September 2018, 20:17 Uhr

Hambach | Umwelt-Aktivisten hätten sich laut "Rheinischer Post" im Hambacher Forst offenbar auch unterirdisch verschanzt. Laut dem Bericht der "Rheinischen Post" sei die Polizei in dem Waldstück in Nordrhein-Westfalen auf ausgeklügelte Tunnelsysteme gestoßen. Die Polizei Aachen dementierte Erkenntnisse über ein entsprechendes Tunnelsystem.

"Sie stammen nicht aus unserem Hause", erklärt die Polizei Aachen mit Bezug auf die Angaben des Berichtes. Der zitierte Polizist im Bericht der "Rheinischen Post" hätte behauptet, dass sich die Tunnel in vier Metern Tiefe befänden und dass sie über gut ausgebaute Einstiegslöcher zu erreichen seien. "Sie dienen den Aktivisten als Rückzugsort, als Schlafstätte, Versteck und vermutlich auch Schmuggelroute, um Waffen und Krawallmacher in den Forst zu bringen", wird ein angeblich leitender Polizist zitiert.

"Keine Erkenntnisse"

Die Aachener Polizei erklärte allerdings auf Nachfrage am Samstag: "Wir als einsatzführende Behörde haben über solch angelegte Tunnelsysteme bislang keine Erkenntnisse." Die Sprecherin des NRW-Innenministeriums sprach von Erdlöchern, die seit längerer Zeit bekannt seien.

Bereits am Sonnabend könnte es zu massiven Konfrontationen zwischen Waldbesetzern und der Polizei sowie den privaten Sicherheitskräften von RWE kommen. Umwelt-Aktivisten hatten ein "Wochenende des Widerstands" im Hambacher Forst angekündigt. Sie wollten sich aus Protest gegen die Rodungspläne des Energiekonzerns RWE in dem Waldstück in Nordrhein-Westfalen erneut auf den Weg in das Braunkohlerevier machen.

Mahnwache am Sonnabend

"Wir werden auf jeden Fall wieder in den Wald kommen", kündigte ein Sprecher der "Aktion Unterholz" an. Unter anderem gehe es darum, die kaputt gegangene Infrastruktur der Waldbesetzer weiter zu reparieren, Lebensmittel in den Forst zu bringen und "Kräfte zu sparen". Die Lage am Samstag blieb zunächst ruhig. Es habe keine Zwischenfälle gegeben, sagte ein Sprecher der Aachener Polizei am Morgen. "Wir müssen abwarten, was passiert." Für 17 Uhr sei eine Mahnwache angemeldet worden.

Hintergrund sind Aufräumaktionen des Energiekonzerns RWE am Mittwoch und Donnerstag. Mitarbeiter hatten unter starkem Polizeischutz Barrikaden, Möbelstücke und vieles mehr aus dem Wald abtransportiert, den Aktivisten in Baumhäusern besetzt haben. RWE ist Besitzer des Waldes und will in dem Forst für den Braunkohle-Abbau roden. Der Konzern darf mit der umstrittenen Abholzung frühestens im Oktober beginnen.

Nach einem Bericht der "Rheinischen Post" stellt sich die Polizei auf einen großen und langen Einsatz im Zusammenhang mit den Rodungen ein. Der Einsatz werde voraussichtlich bis einen Tag vor Weihnachten dauern, schreibt die Zeitung unter Berufung auf einen Erlass des NRW-Innenministeriums. Die geplante Abholzung von 100 der verbliebenen 200 Hektar Wald soll vorher abgeschlossen sein, sagte eine Ministeriumssprecherin. Dem Bericht zufolge müssten bis zum voraussichtlichen Ende des Einsatzes alle Kräfte der Bereitschaftspolizei, der polizeilichen Alarmeinheiten sowie Polizeiärzte und medizinisches Personal zur Verfügung stehen.

Grüne verlegen Parteitag an Hambacher Forst

Die Grünen in Nordrhein-Westfalen haben ihren Parteitag mit zahlreichen Delegierten am 7. Oktober an den Hambacher Forst verlegt. "Wir werden mit diesem Parteitag direkt am Hambacher Wald ein deutliches Signal an RWE, Landes- und Bundesregierung für einen Rodungsstopp senden", sagte die Landesvorsitzende Mona Neubaur dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Die Beratungen sollen demnach in einem Zelt auf einem Grundstück des Umweltverbandes BUND an der Abbaukante des Tagebaus stattfinden. Die NRW-Grünen erwarten zwischen 150 und 200 Teilnehmer, darunter etwa 80 Delegierte, wie ein Sprecher auf Anfrage sagte.

Der kleine Parteitag, der auch Landesparteirat genannt wird, der NRW-Grünen sollte dem "Kölner Stadt-Anzeiger" zufolge ursprünglich in der Bochumer Jahrhunderthalle abgehalten werden. Die geplanten Rodungen gefährdeten das Gelingen der Kohle-Kommission, sagte Parteichefin Neubaur dem Blatt. "Landes- und Bundesregierung müssen sich endlich den Forderungen von Umweltverbänden, der Gewerkschaft der Polizei und Verdi nach einem Abholz-Moratorium anschließen." Die Abholzung des alten Waldes ist offiziell kein Thema in der Kommission "Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung", die bis Ende des Jahres einen Fahrplan für den deutschen Kohleausstieg vorlegen soll.

Die Umweltschutzorganisation BUND hat angedroht, die Kommission zu verlassen, wenn RWE wie geplant im Herbst mit der Rodung beginnt. Ein breiter gesellschaftlicher Konsens für den Ausstieg aus dem Kohlestrom, den die Kommission herstellen soll, wäre dann gefährdet. RWE sagt, die Bäume müssten gefällt werden, um den Kohlenachschub für Kraftwerke zu sichern.

Mit Material der dpa

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