Gedenken an Landung in der Normandie : 70 Jahre D-Day: Obama und Merkel in Frankreich

Am 70. Jahrestag des D-Days versammeln sich US-Soldaten, um den verstorbenen Alliierten zu gedenken.
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Am 70. Jahrestag des D-Days versammeln sich US-Soldaten, um den verstorbenen Alliierten zu gedenken.

US-Präsident Barack Obama gedenkt am heutigen D-Day den verstorbenen Alliierten in der Normandie. Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht diesen Tag auch als Chance, sich mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin anzunähern.

shz.de von
06. Juni 2014, 12:29 Uhr

Coleville-sur-Mer/Deauville | Mit einer ganzen Reihe von Gedenkfeiern erinnern Staats- und Regierungschefs aus aller Welt an die Landung der Alliierten in der Normandie, mit der der Zweite Weltkrieg vor 70 Jahren eine neue Wendung nahm. Frankreichs Präsident François Hollande und US-Präsident Barack Obama gedachten am Freitag auf einem US-Soldatenfriedhof der mehr als 4400 alliierten Soldaten, die am D-Day ums Leben kamen. Obama sagte, die Welt könne „für immer dankbar“ sein. Der 6. Juni 1944 war Beginn der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus.

Überschattet werden die Feiern vom Konflikt um die Ukraine. Erstmals seit der Annexion der Krim durch Russland im März kam Bundeskanzlerin Angela Merkel wieder mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammen. Beide nehmen am Nachmittag an einer zentralen Gedenkzeremonie teil. Vom Gipfeltreffen der großen Industrienationen diese Woche in Brüssel war der Kremlchef noch ausgeladen worden. Frankreichs Präsident Hollande mahnte auf dem Friedhof von Colleville-sur-Mer, die Landung bleibe eine Verpflichtung, sich auch heute für die Freiheit einzusetzen. Der D-Day habe „die Welt verändert“.

Obama verneigte sich vor mehreren hundert Veteranen, die damals dabei waren: „Gentlemen, Ihre Anwesenheit hier erfüllt uns wahrlich mit Demut.“ Am 6. Juni 1944 seien Demokratie und Freiheit verteidigt worden. „Dieser Anspruch steht auf diesem Strand in Blut geschrieben.“ Viele Zuschauer erhoben sich daraufhin zum Applaus.

An der zentralen Gedenkfeier in Ouistreham wollen Staats- und Regierungschefs aus etwa 20 Ländern teilnehmen. Mit Spannung wird vor allem erwartet, wie Obama und Putin miteinander umgehen. Als Gast ist auch der künftige ukrainische Staatschef Petro Poroschenko dabei. Der Sieger der Präsidentenwahl von Ende Mai soll an diesem Samstag vereidigt werden.

Zuvor bereits trafen sich Merkel und Putin für etwa eine Stunde im Strandbad Deauville. Nach vielen Telefonaten wegen der Ukraine-Krise in den vergangenen Wochen war dies wieder der erste direkte Kontakt. Zur Begrüßung gaben sich beide kurz die Hand. Die Atmosphäre wirkte kühl. Merkel und Putin saßen vor den Flaggen beider Länder an einem Tisch relativ weit voneinander entfernt. Nach Angaben der Bundesregierung forderte Merkel den russischen Präsidenten auf, für eine Stabilisierung der Ukraine alles in seiner Macht stehende zu tun. Nach der international anerkannten Präsidentenwahl in der Ukraine müsse jetzt die Zeit genutzt werden, „um eine Stabilisierung der Lage insbesondere in der Ostukraine zu erreichen“. Russland müsse dabei seiner großen Verantwortung gerecht werden.

Nach russischer Darstellung sollte bei dem Gespräch ein Plan auf dem Tisch liegen, um die schwerste Sicherheitskrise in Europa nach Ende des Kalten Krieges zu entschärfen. Merkel hatte zuvor schon mehrfach deutlich macht, dass der Westen notfalls zu weiteren Sanktionen gegen Russland bereit ist. Am Vorabend hatte Putin in Paris bereits Hollande und den britischen Premier David Cameron getroffen. Die Bemühungen um eine diplomatische Lösung der Krise sollen auch nächste Woche weitergehen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier reist deshalb am Dienstag zu einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow nach St. Petersburg. An der Begegnung nimmt auch Polens Außenminister Radoslaw Sikorski teil.

Nach einer Umfrage sind 89 Prozent der Deutschen der Meinung, dass die westlichen Staaten weiterhin im Gespräch mit Russland bleiben sollen. Nur 9 Prozent äußerten im ARD-„DeutschlandTrend“ die Überzeugung, dass man Russland so weit wie möglich isolieren sollte. Merkel schrieb in einem Beitrag für die französische Zeitung „Ouest France“: „Frieden und Freiheit können schnell infrage gestellt werden. Der Konflikt in der Ukraine zeigt uns das. Die Sorge ist groß zu sehen, dass neue Gräben und Trennlinien entstehen.“  Die Anwesenheit eines hochrangigen deutschen Vertreters bei den D-Day-Feierlichkeiten war lange Zeit tabu. Als erster Bundeskanzler war 2004 der damalige SPD-Regierungschef Gerhard Schröder zu den Feiern in der Normandie.

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