Reaktion aus China : 200 Milliarden Dollar: Donald Trump verhängt Rekord-Sonderzölle

Trumps Ankündigung über die neuen Sonderzölle hatte in Asien für ein Fallen der Aktienkurse gesorgt.
Trumps Ankündigung über die neuen Sonderzölle hatte in Asien für ein Fallen der Aktienkurse gesorgt. Foto: dpa/Andy Wong

China hat auf die Ankündigung der USA bereits reagiert und Gegenzölle angekündigt.

shz.de von
18. September 2018, 17:02 Uhr

Washington | US-Präsident Donald Trump hat in seinem bisher größten Schlag im Handelsstreit die Hälfte aller Warenimporte aus China mit Sonderzöllen belegt. Den bisher verhängten Sonderzöllen auf Waren im Wert von 50 Milliarden Dollar werden am 24. September Zölle auf Waren im Wert von weiteren 200 Milliarden Dollar folgen, kündigte die US-Regierung am Montag (Ortszeit) in Washington an. Damit haben die USA den Handelsstreit der beiden größten Volkswirtschaften der Welt auf eine bisher nicht gekannte Eskalationsstufe getrieben.

Weiterlesen: China droht den USA - Börse auf Vier-Jahres-Tief

Die neuen Zölle werden zunächst zehn Prozent betragen, ab Beginn des Jahres 2019 sollen 25 Prozent erhoben werden, hieß es aus dem Weißen Haus. Die Tür für Gespräche bleibe jedoch weiterhin offen. Einige Produktgruppen, darunter Smart Watches von Apple, Bluetooth-Artikel sowie Hochstühle und Autositze für Kinder sollen ausgenommen werden, hieß es aus dem Weißen Haus.

Prompte Reaktion

China reagiert auf die Ankündigung mit Gegenzöllen. Man werde auf US-Waren in Wert von 60 Milliarden US-Dollar Zölle erheben, teilte das chinesische Handelsministerium am Dienstag in Peking mit. Die Zollsätze sollen bei fünf oder zehn Prozent liegen. In Kraft treten sollen die Maßnahmen am 24. September. Sollten die USA weitere Zölle erheben, dann werde China entsprechend reagieren.

Trump hatte zuvor angekündigt, dass bei Gegenmaßnahmen gegen die US-Landwirtschaft oder andere Industriezweige die US-Regierung eine weitere Phase – die dann dritte – einläuten werde. Dann würden noch weitere 267 Milliarden Warenimporte aus China mit Extrazöllen belegt. "Wenn andere Länder keinen fairen Handel treiben, werden sie mit Zöllen belegt", twitterte Trump. Negativeffekte für die USA seien bisher kaum messbar.

Die Europäische Handelskammer in Peking schlug am Dienstag Alarm: "Die Auswirkungen des Handelskriegs auf europäische Firmen in China sind erheblich und überwiegend negativ", sagte Mats Harborn, Präsident der Europäischen Handelskammer in Peking, anlässlich der Präsentation eines neuen Positionspapiers.

Laut einer Umfrage bei in China tätigen EU-Firmen führe der Konflikt zu "erheblichen Störungen der globalen Lieferketten". Der Handelsstreit habe ernsthaft Folgen für Unternehmen, die weder chinesisch noch amerikanisch sind. Etwa die Hälfte der befragten Mitglieder gab demnach an, negative Auswirkungen durch den Streit zu fürchten.

Unproduktiver Konflikt

Zwar seien die von den USA verhängten Strafzölle eindeutig der falsche Weg. Die zugrundeliegende Kritik des Weißen Hauses werde aber in vielen Punkten durchaus geteilt, führte die EU-Kammer aus. Ausländische Firmen in der Volksrepublik würden trotz großer Reformversprechen noch immer systematisch benachteiligt würden.

Die Frage, ob für EU-Firmen in China gerechter Wettbewerb herrsche, müsse ganz klar mit "Nein" beantwortet werden. Langwierige und intransparente Verwaltungsverfahren, die unvorhersehbare Durchsetzung von Vorschriften und subventionierte staatliche Firmen mit Monopolstellung würden ein Geschäftsumfeld schaffen, dass nichts mit den versprochen Reformen zu tun habe.

Der von den USA angezettelte Handelskonflikt sei dennoch kontraproduktiv. Statt sich auf die Öffnung seiner Wirtschaft zu konzentrieren, würde China nun Maßnahmen ergreifen, um heimische Unternehmen vor den Auswirkungen der Zölle zu schützen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen