Tag der Deutschen Einheit : 18 Jahre danach: Ein bisschen Osten

Der Grüne Pfeil ging nach Westen. Foto: Staudt
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Der Grüne Pfeil ging nach Westen. Foto: Staudt

Das Kraftfahrt-Bundesamt hatte ein bisschen mehr zu tun, die in Flensburg stationierten Soldaten schlagartig weniger. Der 3. Oktober 1990 sorgte auch in der Provinz an der dänischen Grenze für Erschütterungen.

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03. Oktober 2008, 04:52 Uhr

Während das KBA künftig den Fahrzeugbestand der alten DDR mitverwalten durfte, begann für den großen Garnisonsstandort der große Aderlass. Die Narben waren lange sichtbar: Briesenkaserne, Grenzlandkaserne, Flottenstützpunkt - verwaist, verlassen aufgegeben. Am 13. Oktober 1998 drehte der Versorger "Walchensee" als letztes Marineschiff in seinem Heimathafen die letzte Runde, da litt Flensburgs längst unter den Folgen des gewaltigen Truppenabzugs. Erst mit der Umgestaltung der Liegenschaften zu Wohngebieten - Gartenstadt/Sonwik - verschwanden die letzten sichtbaren Zeugen einer Umwälzung von historischen Ausmaßen.
Und was blieb noch? 33 grüne Pfeile, acht in Flensburg zugelassene "Trabbis", eine nicht näher bekannte Anzahl von Simson-Mockicks, Typ "Schwalbe", die knatternde Ostalgie erzeugen, Erinnerungen an eine Städtepartnerschaft, die von der Geschichte mit Höchstgeschwindigkeit überholt wurde. So schnell geht das manchmal.
"Das war eine hochpolitische Sache"
Ulrich Mahler war als städtischer "Protokollchef" dabei, als am 16. November 1987 die deutsch-deutsche Partnerschaft mit Neubrandenburg besiegelt wurde. "Das war damals eine hochpolitische Sache", erinnert er sich. Eingefädelt hatte das der Architekt der neuen Ostpolitik Willy Brandts - Egon Bahr, der seinen Bundestagswahlkreis in Flensburg hatte. Welche ostdeutsche Stadt Flensburgs Partnerstadt werden durfte, sei damals von der Staatsführung entschieden worden. "Neubrandenburg war sicherlich erste Wahl, weil dort viele Funktionäre wohnten", erinnert sich Mahler.
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Die kamen dann auch. Delegationen auf Mission im sozialistischen Ausland. Mahler erinnert sich an eher dröge Besucher in Kunstleder-Jacken, handverlesene Jugendgruppen, Gewerkschafter, Kulturschaffende - und einer der Reisenden, das war sicher, war immer der Stasi-Mann. Aber, wie es dem Staatssicherheitsdienst so zu eigen war, offenbarte der sich natürlich niemandem. Auch Reisen in die DDR - in einem Jahresplan exakt festgelegt - gab es wenige. "Das war vielleicht ein, zwei Mal", sagt Mahler. "Und dann war es ja sowieso vorbei."
"Da war dann nicht mehr viel Austausch"
Zum Wandel durch Annäherung kam es nicht mehr, weil’s seit dem Einheitsvertrag einfach nicht mehr näher ging. Flensburg half Neubrandenburg gut zwei Jahre und sehr tatkräftig bei der Verwaltungsumstellung, doch ab den frühen 90er-Jahren war es auch damit vorbei. Die jetzt innerdeutsche Normalität erledigte die Städtepartnerschaft. "Da war dann nicht mehr viel Austausch. Viel weniger als mit unseren beiden anderen Partnerstädten Slupsk und Carlisle", sagt Mahler. Die Beziehung zu Neubrandenburg war einfach viel zu kurz gewesen. Immerhin: Zum 20-jährigen Jubiläum reiste Flensburgs Oberbürgermeister Klaus Tscheuschner auf Einladung seines Amtskollegen vergangenes Jahr zum 3. Oktober noch einmal nach Mecklenburg-Vorpommern.
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