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Deutschland & Welt

18. August 2017 | 18:39 Uhr

Marineflieger : 100 Jahre Fliegen für die Flotte

vom

1913 wurden die deutschen Seeluftstreitkräfte gegründet. Über Jahrzehnte waren sie auch in Schleswig-Holstein zu Hause.

Nordholz | Am Anfang stand eine "Allerhöchste Kabinettsorder" von Kaiser Wilhelm II. - das war am 3. Mai 1913. Sie betraf die Aufstellung zweier Marinefliegerabteilungen, einer mit Flugzeugen und einer mit Luftschiffen. Die Luftschiffer fanden ihre Heimat zunächst in Berlin-Johannisthal, weil es dort schon eine Halle gab. Die Flieger hatten ihren ersten Stützpunkt in Putzig bei Danzig. Doch noch im selben Jahr wurde mit dem Bau eines Luftschiffhafens in Nordholz bei Cuxhaven begonnen - und da sind die deutschen Seefliegerkräfte auch heute wieder konzentriert, nachdem im vergangenen Jahr mit dem Marinefliegergeschwader (MFG) 5 der letzte Verband aus Schleswig-Holstein abgezogen wurde.
Dabei galt das nördlichste Bundesland über Jahrzehnte als "unsinkbarer Flugzeugträger" der Marine. Gleich drei Geschwader der Seeluftstreitkräfte waren hier zu Zeiten des Kalten Krieges stationiert: die beiden mit Jets ausgerüsteten Verbände MFG 1 in Jagel und MFG 2 in Eggebek und das mit Hubschraubern bestückte MFG 5 in Kiel-Holtenau.

Abschiede von 1994 bis 2012

Vorbei, vorbei: Das MFG 1 machte 1994 in Jagel dem Aufklärungsgeschwader 51 "Immelmann" der Luftwaffe Platz, das MFG 2 wurde 2005 ersatzlos aufgelöst, womit die deutsche Marine ihre kampfstarke Jagdbomber-Komponente komplett aufgab. Und die Kieler Hubschrauber wurden 2012 nach Nordholz verlegt, wo jetzt alles, was noch für die Flotte fliegt, zusammengefasst ist. Das MFG 5 ist für alle Helikopter zuständig - die Sea King Mk.41, die in der Hauptsache für ihre Such- und Rettungseinsätze bekannt sind, sowie die Bordhubschrauber Sea Lynx Mk.88A. Und das MFG 3 für die Flächenflugzeuge - die viermotorigen Seefernaufklärer P-3C Orion und die Do 228LM, die im Auftrag des Verkehrsministeriums Nord- und Ostsee auf Verschmutzungen hin überwachen.
Einen Traditionsnamen hat das MFG 3 auch: "Graf Zeppelin". Und der schlägt den Bogen wieder zurück ins Jahr 1913. Bei den Herbstmanövern der Flotte vor Helgoland waren erstmals auch Marineflieger beteiligt: das Zeppelin-Luftschiff L1 und vier Wasserflugzeuge. L1 bewährte sich im Aufklärungseinsatz am ersten Manövertag ausgezeichnet, ging aber mit fast der ganzen Besatzung am zweiten Tag verloren, als eine schwere Bö das Luftschiff aufs Wasser warf und zerstörte. Nur einen Monat später verunglückte auch L2, die gesamte Crew starb. So waren die Kaiserlichen Marineflieger zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 nur bedingt einsatzbereit - neben dem verbliebenen Luftschiff L3 gab es gerade einmal zehn einsatzklare Wasserflugzeuge, der Personalbestand beider Abteilungen zusammen betrug nur 569 Mann.

Krieg trieb Marineflugwesen voran

Der Krieg trieb die Organisation des Marineflugwesens voran. War die Aufklärung zunächst Hauptaufgabe, verfügten die Seeluftstreitkräfte am Ende des Krieges im November 1918 über mehr als 16.000 Mann Personal - davon 2100 Flieger - und knapp 1500 land- und seegestützte Kampfflugzeuge. Die Luftschiffe ermöglichten der Marine sogar strategische Bombenangriffe auf die britischen Inseln.
1920 wurden die Marineflieger-Verbände aufgelöst. Neu entstehen sollten sie erst wieder nach dem Zweiten Weltkrieg, denn von 1939 bis 1945 existierte nur eine Luftwaffe (See). Eigenständige Seeluftstreitkräfte unter Führung der Marine gab es nicht, und mangelndes Verständnis der Luftwaffe für die Belange des Seekrieges, gegensätzliche Auffassungen über den Einsatz und unklare Regelungen der Zuständigkeit führten zum weitgehenden Versagen der Zusammenarbeit zwischen Kriegsmarine und Luftwaffe (See).

Logik des Kalten Krieges

Daraus zogen die Begründer der Bundeswehr ihre Lehren, als die neuen deutschen Streitkräfte aus der Taufe gehoben wurden: 1956 wurde mit der Aufstellung des Kommandos der Marineflieger in Kiel wieder die Basis für unabhängige Seeluftstreitkräfte geschaffen. Aufgaben, Ausrüstung und Doktrin folgten der Logik des Kalten Krieges. Hauptaufgabe der Marine war es, die Ostseeküste vor der Landung von Truppen des Warschauer Paktes zu schützen. In der Nordsee war die eigene Handelsschifffahrt abzusichern. Vier Geschwader wurden mit Jagdbombern, U-Boot-Jägern und Hubschraubern ausgerüstet. Der ersten Generation folgten im Laufe der Jahrzehnte modernere Flugzeuge, und so wurden ab 1963 auch der F-104G Starfighter und ab 1982 der PA-200 Tornado im grauen Marinekleid zum gewohnten Anblick über Schleswig-Holstein und seinen beiden Meeren.

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erstellt am 18.Aug.2013 | 12:43 Uhr

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