Kolumne zum Anhören: Jetzt sag ich auch mal was : Generation ausgeträumt?

Avatar_shz von 25. April 2021, 18:00 Uhr

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Freitags nur mal ein bisschen für die Zukunft demonstrieren? – Wer Theresia Crones Engagement für die Umwelt auf Schuleschwänzen und Pappschilderhochhalten reduziert, der sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Alle zwei Wochen legt die Klimaaktivistin in ihrer Kolumne den Finger in die Wunden der Politik und Gesellschaft.
Freitags nur mal ein bisschen für die Zukunft demonstrieren? – Wer Theresia Crones Engagement für die Umwelt auf Schuleschwänzen und Pappschilderhochhalten reduziert, der sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Alle zwei Wochen legt die Klimaaktivistin in ihrer Kolumne den Finger in die Wunden der Politik und Gesellschaft.

Einige Bildungsexperten gehen so weit, dass sie sagen, die Schule würde Kreativität töten.

Köln | „Mit jedem Jahrgang werden meine Schüler unkreativer, sie haben aufgehört zu träumen.“, das sagte mir vor kurzem ein befreundeter Lehrer, der seine Schüler regelmäßig fragt, wo sie sich in 5 Jahren sehen. Die Antworten der Oberstufen Schüler lassen sich seit ein paar Jahren dem Oberbegriff der Sicherheit zuordnen. Auch in meinem Freundeskreis und in meinem eigenen Entscheiden ist dieses Phänomen zu beobachten. Viele junge Menschen entscheiden sich zum Beispiel für duale Studiengänge oder für andere Ausbildungsformen, die einen sicheren Job versprechen, selten geht es dabei um ehrliche Leidenschaft. Wer kann einem die Sehnsucht nach Sicherheit in einer Pandemie auch verübeln? Die Band Kraftklub beschreibt diese Angst vor Kreativität und Fehlern in den Zeilen „Du wirst nie enttäuscht, wenn du nie etwas erwartest und bevor du etwas falsch machst, dann mach mal lieber gar nichts.“ Beunruhigend ist aber auch, dass bei Kindern die Fähigkeit kreativ zu sein und zu träumen so ausgeprägt ist wie sonst nie wieder, die Angst dabei Fehler zu begehen existiert bei ihnen noch nicht. Die Frage, die sich also aufdrängt, ist, wann dieses Sicherheitsbedürfnis und die Angst vor Fehlern entsteht. Einen Großteil unserer Kreativität verlieren wir im Bildungssystem. Einige Bildungsexperten gehen sogar so weit, dass sie sagen, die Schule würde Kreativität töten. Das Bildungssystem ist in diesem Fall wohl aber nicht verantwortlich, denn es hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht geändert und besonders nehme ich dieses Phänomen seit ein paar Jahren wahr, natürlich extremst seit genau einem Jahr. Wir leben in einer Pandemie, die als Symptom der Klima- und Nachhaltigkeitskrise fast schon andeutet, was auf uns in den nächsten Jahrzehnten zukommen könnte. Vielen jungen Menschen ist der Ausblick auf eine Welt mit Epidemien, Naturkatastrophen und Hunger sehr präsent. Hoffnungslosigkeit und Fatalismus mit Blick auf diese Zukunft ist natürlich nicht hilfreich und hinterlässt uns nur in einer Art Schockstarre. So bleibt die Frage, ob der Wunsch nach Sicherheit der Jugend bloß eine Ausweichstrategie ist? In dem bereits zitierten Lied der Band Kraftklub wird in diesem Zusammenhang in etwa die einfache Frage gestellt, ob wir uns lieber an einer Revolution beteiligen wollen oder auf der Couch Unterhaltungsfernsehen gucken möchten. In den nächsten Jahren entscheidet sich in welchem Klima wir leben werden, ob wir unsere Lebensgrundlagen erhalten können. Vielleicht ist also jetzt der Zeitpunkt für jede Gesellschaft oder aber für jeden Menschen sich selbstbewusst zwischen Wandel und Komfort zu entscheiden. ...

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