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Tiere

05. Dezember 2016 | 01:37 Uhr

Tiere : Physio für Hunde: Von Wassergymnastik bis Elektrotherapie

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Berlin (dpa/tmn) – Es mag zunächst wie Spielerei klingen: Massagen für den Hund, Schwimmgymnastik und Unterwasserlaufbänder, Rotlichtlampe und Quarkwickel. Aber genau wie beim Menschen plagen auch Hunde Schmerzen durch Abnutzungserscheinungen und Nachwirkungen von Operationen.

Dann kann die Physiotherapie ins Spiel kommen. Zum Beispiel, um Verspannungen zu lösen oder Fehlbelastungen auszugleichen. «Das ist im Prinzip wie beim Menschen», sagt Tierarzt Andreas Zohmann, der auf Physiotherapie spezialisiert ist und in Bad Wildungen ein Ausbildungszentrum für Tierphysiotherapeuten leitet. Die Therapien können helfen, Fehlbelastungen zu vermeiden, den Heilungsprozess nach Operationen zu verbessern oder auch, um Tiere auf Operationen oder besondere Belastungen vorzubereiten. «Damit man den Hund da abfängt, wo es muskulär nötig ist», erklärt Zohmann.

Inzwischen gibt es mehrere hundert registrierte Tierphysiotherapeuten in Deutschland. Geschützt ist der Beruf nicht. Um den richtigen Therapeuten zu finden, rät Sarah Ross von der Tierschutzvereinigung Vier Pfoten daher, sich genau zu informieren. «Manche Menschen haben einfach ein Talent dafür. Und nicht jeder, der ein Zertifikat hat, muss gut sein», sagt sie. Hilfe bei der Entscheidung bietet der erste Eindruck von Praxis und Team, die Liste der angebotenen Leistungen oder Kundenbewertungen. Und: der Rat des Tierarztes. «Der Physiotherapeut ersetzt nicht den Tierarzt», betont Ross.

Die Kosten liegen bei etwa 30 Euro pro Termin. Die muss der Hundehalter selbst zahlen. Gerade bei alten Tieren, bei denen die Physiotherapie der Erhaltung der Lebensqualität dient, kann die Behandlung also auch kostenintensiv sein. Und wann ist welche Therapie die richtige? Grundsätzlich unterscheidet man zwischen apparativen Therapien, bei denen Hilfsmittel zum Einsatz kommen, und manueller Therapie wie Massage, Lymphdrainage oder Krankengymnastik. Bei den apparativen Therapien gibt es verschiedene Methoden:

Hydrotherapie:Im Zentrum der Therapie im Wasser steht das Unterwasserlaufband. Hier können Muskeln aufgebaut werden, etwa nach Operationen oder Kreuzbandrissen. Der Hund läuft auf einer Gummimatte in das Becken mit dem Laufband hinein, erklärt Tierphysiotherapeutin Katrin Vosswinkel aus Kirchlengern. Dann wird Wasser hineingepumpt. «Beim Laufen im Wasser werden Muskeln aktiviert, die über das Hüftgelenk laufen», erklärt Tierarzt Zohmann.

Dadurch wird die Muskulatur stabilisiert und gekräftigt. Das kann zum Beispiel bei Hüftdysplasie, einer Fehlbildung der Hüfte, eine Operation hinauszögern. Eine andere Therapieform ist das Schwimmen im Hundepool. Wegen der geringen Gelenkbelastung eignet sich diese Therapie zum Beispiel gut bei Arthrose. «Bei Epilepsie-Hunden und Herzkrankheiten wäre ich vorsichtig», warnt Vosswinkel. Auch bei älteren Hunden müsse man je nach Fitness des Tieres entscheiden.

Allgemeine Bewegungstherapie: Mit Geräteübungen an Hindernissen, Schaukeln, Wackelbrettern oder Weichbodenmatten kann der Therapeut am Bewegungsablauf der Vierbeiner arbeiten. «Das passiert zum Beispiel nach einer OP, wenn das Tier ein Bein noch lange in der Luft hält», berichtet Vosswinkel. Durch Entlastung eines Beines würden die anderen Gliedmaßen schnell überbelastet. Das gelte es auszugleichen. Auch bei Koordinationsproblemen nach Bandscheibenvorfällen können gezielte Übungen Abhilfe schaffen.

Thermotherapie: Hier geht es darum, die Durchblutung zu fördern oder zu senken. «Kälte wird bei allen entzündlichen Prozessen angewendet», erklärt Zohmann. Dafür kommen zum Beispiel Quarkwickel oder kühlendes Gel zum Einsatz. Beispielsweise bei einer Arthritis kann dagegen Wärme helfen, etwa durch Infrarotlampen oder Kernkissen. Die Wärmetherapie wird oft mit anderen Behandlungen kombiniert - wie einer Massage.

Elektrotherapie: Bei Verschleißerkrankungen oder zur Unterstützung der Wundheilung kommt auch Strom zum Einsatz. Über Elektroden oder Manschetten wirken die Impulse gezielt auf die Problemstelle ein. Manche Therapeuten wollen damit auch den Muskelaufbau anregen. «Dies fördert aber keineswegs den Kraftzuwachs», sagt Zohmann. Bei Lähmungserscheinungen, zum Beispiel durch Bandscheibenprobleme, könnten die Impulse allerdings helfen, um die Nerventätigkeit wieder zu stimulieren. Bei Tumorpatienten oder Hunden mit epileptischen Anfällen müssen Halter vorher die Risiken mit dem Tierarzt abklären.

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erstellt am 19.Apr.2016 | 11:22 Uhr

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