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Tiere

03. Dezember 2016 | 07:57 Uhr

Ein Hund zum Teilen : Ein Hund zum Teilen: Für Halter mit wenig Zeit

vom

Einen Hund teilen wie eine Wohnung oder ein Auto? Beim Dog-Sharing treffen Hundebesitzer mit wenig Zeit auf Menschen, die sich kein eigenes Tier anschaffen wollen oder können. Für Halter und Sharing-Partner ein Gewinn - und für den Hund?

Als Sophie Seifert im Internet eine Anzeige zum Thema Dog-Sharing schaltete, wusste sie noch gar nicht, dass es den Begriff gibt. «Ich habe überlegt, wie ich das eigentlich nennen soll.»

Ihre Junghündin Ronja hatte sie ein paar Wochen zuvor aus Rumänien bekommen, vermittelt über eine Tierschutzorganisation. Schnell merkte sie, dass sich die Hundehaltung zeitlich nicht ganz mit ihrem Studium vereinbaren lässt. Deshalb suchte sie im Internet nach jemanden, der den Hund ein paar Stunden in der Woche betreut, während sie in der Uni ist.

Und fand Hilfe: Inzwischen kümmert sich eine Doktorandin an den Tagen um Ronja, an denen Seifert länger Kurse hat. Ausschlaggebend war schließlich, dass ihre neue Dog-Sharing-Partnerin in der Nähe wohnt und tagsüber auf Ronja aufpassen kann.

Dog-Sharing, Teilzeithund, Leihhund - die Modelle haben unterschiedliche Namen, aber ein ähnliches Prinzip: Mehrere Besitzer teilen sich ein Tier. Private Arrangements wie das von Sophie existieren genauso wie kommerzielle Angebote. Dabei bringen Vermittlungsplattformen zum Beispiel Hundebesitzer, die Unterstützung suchen, mit Leuten zusammen, die sich zeitweise um einen Hund kümmern möchten. Es gibt aber auch Firmen, die mehrere Hunde besitzen und diese gegen Gebühr stunden-, tage- oder sogar jahresweise vermieten.

Was der Hund von diesen Arrangements hat, ist fraglich. Heidi Bernauer-Münz von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) ist skeptisch: «Das ist ein neues Geschäftsmodell, nur dass man es jetzt nicht mit einem Auto oder einer Wohnung zu tun hat, sondern mit einem Lebewesen mit Gefühlen und einer Psyche», sagt sie. Kommerzielles Dog-Sharing ist ihrer Meinung nach daher grundsätzlich abzulehnen.

Denn ständig wechselnde Bezugspersonen und Umgebungen bedeuteten Stress für Hunde. Das hat auch Hundetrainerin Julia Dittmers erlebt. «Man muss sich überlegen, ob das wirklich sein muss», sagt sie deshalb über das Sharing-Modell. Allerdings kann sie nachvollziehen, dass manche Hundebesitzer sich aus Zeitmangel Unterstützung suchen. Das ist laut Bernauer-Münz auch gar nicht das Problem: «Wenn man wenig Zeit hat und sich einen Gassigeher nimmt, ist das eine Win-Win-Situation», findet sie. Der Hund hat Beschäftigung, ein Gassigeher, der selbst keinen Hund halten kann, freut sich über die Spaziergänge, und der Hundebesitzer ist entlastet.

Wie oft und wie lange der Hund bei einem anderen Herrchen oder Frauchen bleiben kann, hängt vom Einzelfall ab. «Es kommt auf den Hundetypus an», erklärt Dittmers, die auch Vorsitzende beim Berufsverband zertifizierter Hundetrainer (BVZ) und Inhaberin einer Hundeschule ist. Für einen sensiblen Hund, der länger braucht, um Vertrauen aufzubauen, kann der Wechsel von Bezugspersonen und Umfeld schwierig sein.

«Es gibt Hunde, die sich mehreren Menschen problemlos anschließen und Hunde, die einfach alle Menschen gut finden», pflichtet Bernauer-Münz ihr bei. Allerdings warnt sie vor dem Konfliktpotential, das ein Teil-Modell birgt. «Man baut eine emotionale Bindung zu dem Hund auf, da sind Konflikte programmiert», glaubt sie. Wer zahlt bei Krankheiten? Wer haftet bei Unfällen?

«Das ist ähnlich wie bei einer Reitbeteiligung, man muss sich absprechen, wer sich an was beteiligt», sagt Dittmers. Dazu gehören der zeitliche Umfang, aber auch die Kosten für Hundesteuer, Medikamente und Futter.

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erstellt am 01.Jul.2016 | 05:00 Uhr

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