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Der Glücksfaktor Essen : Slow Food: weniger, aber dafür besser

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Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland, spricht über das Glück, gemeinsam Gutes zu essen.

„Gutes Essen macht glücklich, gutes Essen in Gemeinschaft oft noch mehr“ – das behauptet Dr. Ursula Hudson. Sie muss es wissen, denn sie steht seit 2012 an der Spitze von „Slow Food Deutschland“. Der Slogan „Für gute, saubere und faire Lebensmittel“ bringt das Anliegen der 1986 in Italien gegründeten und weltweit aktiven Non-Profit-Organisation auf den Punkt. Es steckt aber noch viel mehr dahinter, wie die Vorsitzende im Gespräch verdeutlicht.

Hudson erklärt: Slow Food-Lebensstil habe viel gemeinsam mit dem Motto „weniger aber besser“, mit Verbundenheit zur Natur und der in ihr lebenden Tier- und Pflanzenwelt und der Wertschätzung handwerklicher Produkte. Dagegen steht Konsumwahn. „Dieser macht vermutlich nicht dauerhaft glücklich“, sagt die Kulturwissenschaftlerin mit leicht ironischem Unterton und nennt ein Gegenbeispiel: „Das handwerkliche Brot vom Bäcker meines Vertrauens ruft allein schon der Geschmackstiefe und seiner Konsistenz wegen so was wie ein kleines Brot-Glück hervor.“ Dasselbe gilt ihrer Meinung nach für den Fleischkonsum: „Es macht mich glücklich zu wissen, dass das Stück Fleisch auf dem Teller aus artgerechter Tierhaltung und nicht aus qualvoller Massentierhaltung stammt.“

Slow Food-Anhänger sind nicht automatisch Vegetarier oder Veganer. Alle drei Bewegungen sind unterschiedlich, vertragen sich aber gut miteinander, denn: „Vegetarismus und Veganismus sind positive Ansätze für Slow Food, da wir uns auch gegen die Missstände der industriellen Fleischproduktion richten“, stellt Hudson klar.

Der Slow Food-Bewegung in Deutschland mit Hauptsitz in Berlin gehören 13.500 Mitglieder an, die in 85 lokale Gruppen (Convivia) aufgeteilt sind. In Schleswig-Holstein gibt es zwei.

Manchmal treffen sich die Mitglieder eines Convivum auch nur in lockerer Runde bei einem Glas Wein und gutem Essen. Ganz im Sinne der Bundesvorsitzenden, denn: „Ein wohlschmeckendes Gericht mit Freunden zu teilen und familiäre Küchentraditionen an nächste Generationen weiterzugeben, ist nicht nur für uns Slow Food-Anhänger wichtig, sondern auch für den Gemeinschaftsgedanken und den Erhalt unseres kulturellen Erbes“, ist Hudson überzeugt. An Zweifler gerichtet fügt sie hinzu: „Genuss hat nichts mit Einkommen zu tun. Ein leckeres Gericht kann aus wenigen Zutaten frisch zubereitet werden. Wenn man sich an saisonale und regionale Zutaten hält und damit umgehen kann, muss es nicht teuer sein.“

Genuss hat nichts mit Einkommen zu tun.

Als Vorsitzende von Slow Food Deutschland ist Ursula Hudson einem hohen Stresspegel ausgesetzt. Darauf angesprochen entgegnet sie: „Der Glücksfaktor überwiegt deutlich den Stressfaktor. Es macht mich glücklich zu sehen, wie sich weltweit – aber auch hier in Deutschland – viele kleinteilige Netzwerke zukunftsfähiger Betriebe, Köche und vor allem junger Slow Food-Aktivisten bilden. Es macht mich unheimlich glücklich zu sehen, wie kleine handwerkliche Betriebe Großartiges tun und wie sich Städter und Bauern, Verbraucher und Erzeuger zusammen tun.“

Von dem Schriftsteller François de La Rochefoucauld stammt das Zitat „Essen ist ein Bedürfnis, Genießen ist eine Kunst“. Mit diesem Sprichwort ist die Vertreterin der Slow Food Philosophie nicht ganz einverstanden. Aus ihrer Sicht sei Essen immer mehr als ein Bedürfnis nach Kalorien oder Brennstoff. Ursula Hudson sagt: „Essen ist mit das Wichtigste, was wir täglich für uns selbst tun können. Essen sollte nähren und nicht nur ernähren. Diesen Anspruch hat Slow Food.“          

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erstellt am 04.Mär.2017 | 01:00 Uhr

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