zur Navigation springen

Glück am Strand : Geschichten, die das Meer schreibt

vom

Es gibt Geschichten, die sich nicht planen lassen. Geschichten, die das Meer schreibt, versteckt in Flaschenposten, die nicht selten jahrzehntelang auf dem Wasser reisen, stets angetrieben von Strömung und Wind.

Oliver Lück, Journalist und Fotograf aus Henstedt-Ulzburg, ließ sich von den an den Strand gespülten Flaschenposten und ihren Geschichten für sein Buch Flaschenpostgeschichten - Von Menschen, ihren Briefen und der Ostsee inspirieren. Die Idee zu seinem Werk kam ihm mehr oder weniger zufällig: „Flaschenposten kann man nicht planen“ - ein seltenes Phänomen in der heutigen Zeit.

Wahrscheinlich ist es Glück oder Schicksal, als Lück gemeinsam mit seinem Hund Locke in einem VW Bus im Jahr 2008 einfach losfährt. Sein Ziel: 26 europäische Länder in 20 Monaten besuchen. Dass er gerade in Lettland auf die Idee zu seinem aktuellen Buch stößt, kann er sich während der Reiseplanung nicht erträumen. In dem baltischen Land trifft er auf eine Dame, die Treibgut in Kunst verwandelt und dazu fast 40 Flaschenposten am Ostseestrand gefunden und aufgehoben hat. Ohne Deutsch oder Englisch zu sprechen, ist es ihr unmöglich, die Briefe zu beantworten. Oliver Lück nimmt sich den Funden an: „Ich habe sofort den Wert hinter den Flaschenposten erkannt“. Die Texte aus den alten Flaschen lassen ihn nicht mehr los. „Ich wollte wissen, wer die Briefe geschrieben hat, welche Geschichten dahinter stecken“. Ganze 20 Menschen und ihre Geschichten kann er nach den ganzen Jahren noch erreichen, darunter Schriftsteller und Erfinder, Meeresforscher und Strandpolizisten.

Und so entsteht ein reger Austausch zwischen Finder (Lück) und Versendern der Flaschenbriefe. „Die kurioseste Flaschenpostgeschichte ist wohl die von Thomas von der Insel Rügen“. Für diesen ist das Schreiben von Flaschenposten zu einem Hobby geworden. Und so sammelt Lück 30 weitere Antworten aus sieben Ländern, die Thomas bereits bekommen hatte. Am Ende hat er eine Auswahl von fast 300 Briefen, von denen er um die 100 Absender erreicht und somit ein beeindruckendes Netz aus Flaschenpostbriefen mit den dahinterliegenden Geschichten über die Ostsee spannt.

Wenn das Glück an den Strand gespült wird

Bei einem Autoren, der sich so intensiv mit Flaschenposten beschäftigt, liegt die Frage nahe, ob er denn selbst schon einmal eine Flaschenpost gefunden habe. „Ja“, sagt Lück, „ich habe es aber auch darauf angelegt“. Wenn wir Flaschenposten verschicken, würden diese aufgrund der Windrichtung meist im Baltikum landen. „Also bin ich mit meinem Hund Locke eine Woche nach Lettland gereist und bin jeden Tag 30 bis 40 Kilometer am Strand spazieren gegangen“. Am fünften Tag schließlich hat er Erfolg. „Ich konnte mein Glück kaum glauben“, sagt der Autor, der die drei Kinder aus München, die in Rügen Urlaub gemacht und die Post verschickt hatten, aber bis jetzt nicht erreichen konnte.

Bis heute bedeutet Schreiben mit der Hand für Lück emotional viel mehr als das Tippen auf einem Computer. „Beim Schreiben mit der Hand bekommt der Moment eine absolute Wertigkeit, die mit Geld nicht zu bezahlen ist“. Das Schreiben sei eine sehr persönliche Sache, ebenso wie die Flaschenpost eine sehr persönliche Sache ist. „Der Moment des Schreibens ist magisch, denn er bedeutet, dass sich jemand für jemand anderen Zeit genommen hat“.

 

 

Flaschenpostgeschichten - Von Menschen, ihren Briefen und der Ostsee
im Rowohlt Verlag, 256 Seiten, 32 Bildseiten
(D) 9,99 € (A) 10,30 €
ISBN: 978-3-499-63085-9

 

 

 

 
zur Startseite

von
erstellt am 03.Mär.2017 | 01:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen