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Anzeige - Küchenlust

08. Dezember 2016 | 21:19 Uhr

Kochen und Genießen : Edle Tropfen aus heimischen Fässern

vom

Deutsche Brennereien stellen seit Jahren einen Whisky her, der sich hinter der schottischen Konkurrenz nicht verstecken muss.

Seit 18 Jahren schlummerte ein Whisky in Fässern im baden-württembergischen Owen, dem Ort mit der angeblich höchsten Whiskybrennerdichte in Deutschland. Der alte Tropfen hat den Generationswechsel im Betrieb der Familie Gruel überlebt. Diesen Herbst bringt der 29 Jahre alte Immanuel Gruel das Erbstück auf den Markt. Einen so lange gereiften Whisky hat wohl keiner seiner schwäbischen Kollegen im Fasslager. Der Großvater, Christian Gruel, heute 81 Jahre alt, hat ihn angesetzt. Gruel Senior gilt als Whisky-Pionier. Vor bald drei Jahrzehnten hat er mit der Herstellung begonnen. In den 1990er Jahren sprangen erste Kollegen auf, in den 2000ern wurde Whisky zum Hype unter Brennern in ganz Deutschland. Weil Whisky Zeit braucht, kommen sie jetzt mit ihren Produkten auf den Markt – und treffen den Nerv der Zeit.

Der Verband Deutscher Whiskybrenner hat sich 2004 gegründet und inzwischen 33 Mitglieder. Etwa 300 Brenner beschäftigen sich derzeit deutschlandweit mit dem Thema Whisky, wie der Vorsitzende des Verbands, Hans-Gerhard Fink, schätzt. Viele Trittbrettfahrer, die vom Trend profitieren wollen, werden wieder verschwinden und etwa 50 Brenner übrig bleiben, so seine Prognose.

Das sogenannte Fassmanagement ist die Kunst bei der Whisky-Herstellung, sagt Brenner Immanuel Gruel. Um verschiedene Aromen in den Schnaps zu bringen, lagern ihn die Brenner in gebrauchten Fässern, die zuvor zum Beispiel mit Sherry, Portwein oder Bourbon-Whisky gefüllt waren. Das älteste Fass in Gruels Keller ist 80 Jahre alt, war schon in Spanien, in Schottland und steht jetzt im Whisky-Mekka Owen, wo auf 3000 Einwohner drei Whiskybrenner kommen. Der Grund für die hohe Dichte an Whiskyherstellern in einigen Bundesländern liegt mitunter daran, dass die 29000 Kleinbrenner aus historischen Gründen vor allem in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und im Saarland sind. Die einst strukturschwache Gegend wurde durch das Brennrecht und die damit verbundenen Einnahmen zu Kaiserzeiten gefördert, wie der Vorsitzende des Whiskyverbandes, Fink, erklärt.

Dass statt des traditionellen Obstbrandes nun auch Whisky hergestellt wird, erklärt sich Fink mit den unkalkulierbaren Faktoren bei der Reifung im Fass, die bei manchem Brenner den Tüftlersinn geweckt hätten. „Whisky hat etwas Mystisches – das hat auch die Brenner begeistert.“ Er selbst betreibt in Nellingen bei Ulm Deutschlands größte Whisky-Brennerei, wo er jährlich 250000 Liter Whisky herstellt. Er will nächstes Jahr mit seinem Produkt auf den europäischen und asiatischen Markt gehen. Den Vergleich mit den Schotten scheue er nicht. „In einigen Jahren werden wir eine anerkannte Whisky-Nation sein“, meint Fink. Die von den Owener Brennern ernannte schwäbische Whiskybotschafterin Angela Viola Weis aus Tübingen ist vorsichtiger: „Der deutsche Whisky belegt nur eine kleine Nische gegenüber dem Schottischen.“ Die Qualität lasse sich sehen. Allerdings fällt es ihr nach eigenen Angaben schwer, den schwäbischen Whiskys einem eingefleischten Scotch-Whisky-Trinker nahezubringen.

Torfig, schmierig, dreckig – diese Attribute erfülle der schwäbische Whisky nicht. Er sei eher mild und werde mit irischen Sorten verglichen. Die Brenner sähen im Whisky eine umsatzstarke Alternative zum Obstler, für den der Markt kaum wachse und die Aufladung mit Emotionen für die Vermarktung schwerer sei. Zur Whiskyvermarktung gibt es inzwischen etwa Whiskywalks – Wanderungen mit Verkostung bei Brennereien. Immanuel Gruel verkauft beides. Sowohl Obstbrände als auch jährlich 3000 bis 6000 Flaschen Whisky. Wie sich der Schnaps entwickelt, testet er einmal im Jahr – prüft die Farbe und verkostet. „Dann wird zum Beispiel entschieden: Der darf noch auf Portweinfässer, um sein Aroma abzurunden.“ 

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erstellt am 18.Okt.2016 | 09:58 Uhr

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