zur Navigation springen

Aktiv in SH

05. Dezember 2016 | 09:30 Uhr

Internationales Figurentheater : Von Hitler bis zum Hundertjährigen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die 33. Pole-Poppenspäler-Tage bieten einen bunten Strauß an Themen und Spielformen. Auch Premieren und Diplomarbeiten sind in der Zeit vom 16. bis zum 26. September in Husum zu sehen.

Es geschehen noch Zeichen und Wunder – auch in Zeiten des Brexits.  Zum Beispiel dieses: Ein deutscher Puppenspieler inszeniert in Belgien ein griechisches Stück in französischer Sprache. Mehr Europa geht bald nicht.

Pole Poppenspäler macht es möglich. Das und vieles andere mehr. Denn im September tanzen in Husum mal wieder die Puppen – beim Internationalen Figurentheater-Festival. Das hat mittlerweile auch schon 33 Jahre auf dem Buckel, kommt aber so jugendlich und frisch daher wie eh und je. Das dem so ist, hat seinen Grund und erklärt zugleich die Beliebtheit dieser Kunstgattung: Wie kaum ein anderes Genre bewahrt das Figurentheater den Fortschritt, pflegt Jahrhunderte alte Spielformen  und erfindet sich zugleich immer wieder neu. Welche ungeahnten Möglichkeiten es bietet und wie es  jenseits des Personen-Theaters die Höhen und Tiefen der menschlichen Existenz abzubilden versteht, wussten schon Heinrich von Kleist und Samuel Beckett.  Und natürlich jener Mann, der dem Festival mit einer seiner Novellen den Namen gab und dessen Werk in nahezu  jeder Spielzeit repräsentiert ist: Theodor Storm.

Die Pole-Poppenspäler-Tage beginnen in diesem Jahr am Freitag, 16. September, und enden am Sonntag, 26. September. Zehn Tage volles Programm  also, wobei die Inszenierungen für Kinder und Jugendliche wie immer den Schwerpunkt bilden. Aber auch erwachsene Zuschauer kommen auf ihre Kosten, und traditionell sind die Grenzen zwischen den Altersgruppen beim Figurentheater ja ohnedies fließend.

An dieser Stelle sämtliche 60 Vorstellungen auflisten zu wollen, führte zu weit, aber eine (durchaus nicht repräsentative) Auswahl muss schon sein. Damit wären wir wieder bei jener eingangs erwähnten europäischen Koproduktion, die einmal in deutscher und einmal in französischer Sprache zur Aufführung kommen wird. „Le Lion et la Souris“ (Der Löwe und die Maus) erzählt die Geschichte zweier Mäuse, die zufällig auf einem schlafenden Löwen stoßen. Als  sie den König der Tiere zu necken beginnen, schnappt sich dieser einen der frechen Nager, und sein Kumpel hat alle  Mausepfoten voll zu tun, ihn aus den Klauen des Löwen zu befreien. Ein spannendes Theaterstück mit Figuren, Menschen, Musik und Liedern, das auch in der französischen Fassung leicht zu verstehen ist. In Zusammenarbeit mit der Deutsch-französischen Gesellschaft ist das Stück unter anderem am 16. September ab 14 Uhr im Rittersaal des Schlosses zu sehen.

Womit wir bei Theodor Storm wären. „Stein und Rose“ heißt ein  Märchen   des Leipziger Puppentheaters Rosi Lampe, das sich an Storms „Hinzelmeier“ anlehnt und ebenfalls am 16. September ab 16 Uhr im Schloss über die Bühne gehen wird. Das Besondere daran: Es ist die letzte Aufführung dieses Stückes überhaupt. Danach übergeben Rosi Lampe und die Schöpferin der Puppen, Antje Hohmuth, Figuren  und Bühne an das Poppenspäler-Museum.

Die bizarren Geschehnisse in einer bizarren Unterkunft stehen im Mittelpunkt einer Inszenierung  der Familie Flöz aus Berlin. In „Hotel Paradiso“ tritt sie den Beweis dafür an, dass der Weg  in den Himmel durch die Hölle führt (am 16. September ab 20 Uhr im Nordsee-Congress-Centrum). „Froh ist der Schlag unsrer Herzen“ ist die Vordiplom-Arbeit der jungen Magdeburger Puppenspielerin  Jana Weichelt und  ein 35-minütiger  Rückblick auf die DDR  (zu sehen am 17. September ab 19 Uhr im   Rathaus).  Tanztheater mit Figuren präsentiert die DudaPaiva-Company aus Holland am 20. September in NCC. Es geht um Ausgrenzung und darum, wie man diese eingrenzen kann.

Eine bitterböse Hitler-Satire nach dem Roman von Timur Vermes erwartet das Publikum am 22. September ab 20 Uhr in der Hermann-Tast-Schule: „Er ist wieder da“ als Figurentheater. Und auch Jonas Jonassons „Hundertjähriger, der aus dem Fenster stieg“ kommt in den Rittersaal (26. September, 20 Uhr). Eine Premiere. Puppenspiel macht eben vor gar nichts halt. Und das ist auch gut so. Denn pure Zerstreuung gibt es schon mehr als genug.

zur Startseite

von
erstellt am 06.Sep.2016 | 06:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen