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Lifestyle

31. Mai 2016 | 18:05 Uhr

Leseraktion „Das erste Auto“ : 5 Köpfe - 5 Käfer: Wie eine Familie die Liebe zum VW-Käfer entdeckte

vom
Aus der Onlineredaktion

Ein Leben ohne VW-Käfer ist für Familie Rupprecht nicht denkbar. Wie die Leidenschaft für die Wagenreihe entstand und sich niemand in der Familie vorstellen kann, je ein anderes Auto zu fahren, lesen Sie hier.

Neukirchen | Ihre große Liebe ist zwölf Jahre älter als sie, doch der Altersunterschied stört Finja Rupprecht überhaupt nicht. Die 18-Jährige kann sich ein Leben ohne ihren Jubi-Käfer, Baujahr 1985, nicht mehr vorstellen, den sie im September zu ihrem Geburtstag von ihren Eltern geschenkt bekommen hat.  

Dabei hätte den Wagen einige Jahre zuvor im Zuge der Abwrackprämie eigentlich schon das Zeitliche segnen sollen, wenn es nach seinem Vorbesitzer gegangen wäre. „Aber meine Eltern haben ihn kurz vor der Schrottpresse gerettet“, sagt Finja Rupprecht. Und nicht nur den einen Wagen, sondern zwei weitere ebenfalls. Diese gehen in zwei bzw. fünf Jahren in den Besitz ihrer Brüder über, wenn sie volljährig geworden sind.

Ein Teil des „Käfer-Fuhrparks“ von Familie Rupprecht.
Ein Teil des „Käfer-Fuhrparks“ von Familie Rupprecht.

Altes Eisen: Zwei der fünf Rupprecht-Käfer sind Baujahr 1971

Da auch Finja Rupprechts Eltern jeweils einen VW-Beetle fahren, kommt die Käfer-verrückte Familie auf insgesamt fünf Wagen der Baureihe, die in Summe deutlich älter sind als die fünf Mitglieder der Rupprecht-Familie.

Die beiden ältesten Modelle fahren die Eltern: „Als sich meine Eltern 1996 in Berlin kennenlernten, besaß mein Vater schon die beiden VW-Käfer, die sie heute immer noch fahren“, berichtet Finja Rupprecht. „Zum einen die Limousine in Kansas-Beige aus dem Jahr 1971, sowie ein gelbes Käfer-Cabrio aus demselben Baujahr.“ Beide Wagen habe ihr Vater kurz nach seinem Abitur gebraucht erstanden und in liebevoller Eigenleistung komplett restauriert. In den Sommermonaten fuhr er das gelbe Cabrio und im Winter nutzte er den beigefarbenen Wagen, den er auf den Namen „Herbie“ getauft hat.

Da Mutter Rupprecht gerade ihren Führerschein erhalten hatte als sie ihren späteren Mann kennenlernte, überließ er ihr „Herbie“, der so in ihren Besitz überging.

Mit Käfer und Tochter auf Deutschland-Tour

Auch nach der Geburt von Tochter Finja im Jahr darauf dachten die beiden nicht daran, ihre VW-Käfer gegen eine Familienkutsche einzutauschen. „Stattdessen montierte mein Vater kurzerhand einen Gepäckträger aufs Heck, damit auch mein Kinderwagen immer mit auf Tour gehen konnte“, sagt Finja Rupprecht.

Von Schleswig-Holstein aus hat Familie Rupprecht Ende der 90er Jahre mit Käfer und Wohnmobil Deutschland erkundet.
Von Schleswig-Holstein aus hat Familie Rupprecht Ende der 90er Jahre mit Käfer und Wohnmobil Deutschland erkundet.
Und nicht nur der: In der Folge brach die Familie von ihrem Wohnort in der Nähe von Rendsburg mit dem Käfer und einem kleinen Wohnwagen zu Touren quer durch Deutschland auf. Nach der Geburt der beiden Söhne war aber selbst Familie Rupprecht trotz ihres Erfindergeists am Ende ihres Lateins: Drei Kinder mitsamt Kindersitze plus zwei Erwachsene in einem Käfer unterzubekommen, war nicht mehr möglich. Die Lösung: Ein VW-Bulli, Baujahr 1992, wurde gekauft. Ihn nutzt die Familie bis heute. Auch er bekam einen Namen - „Jonathan“.

 

Familienzuwachs: Ein Bulli namens „Jonathan“

Doch als Jonathan vor wenigen Jahren altersbedingte Ermüdungserscheinungen zeigte und Familie Rupprecht bei ihrer Fahrt in die Herbstferien kurz vor Hamburg wegen eines Zylinderkopf-Schadens liegenblieb, hatten die drei Kinder genug. Mit Nachdruck setzten sie sich für den Kauf eines neuen Wagens ein.

Den gab es nach einigem Abwägen tatsächlich - auch wenn sich Finja und ihre beiden Brüder ein anderes Ergebnis vorgestellt hatten: „Meine Eltern hatten sich spontan entschlossen, sich einen alten Traum zu erfüllen und haben eine niedliche, alte VW-Bulli-Dame erstanden, Baujahr 1974, die sie auf den Namen ,Paula' tauften“, sagt Finja Rupprecht lachend. „Aktuell wird Paula von meinem Vater restauriert, aber im Sommer wollen meine Eltern mit ihr auf große Fahrt im Schwarzwald gehen.“

Finja Rupprecht.
Finja Rupprecht.

Sich ein modernes Auto zu kaufen, stand für Familie Rupprecht bislang nie zur Debatte. „Das war auch nicht unbedingt eine Frage des Geldes, meine Eltern hat es nie gereizt“, sagt Finja Rupprecht. „Und meine Mutter meint, die Neuwagen hätten für ihren Geschmack viel zu viel ,Gimmick', also technischen Blödsinn, an Bord.“

Gewöhnungssache: Der Umstieg vom Golf 7 zum VW-Käfer

An die Gimmicks hatte sich Finja Rupprecht umgekehrt schnell gewöhnt - in der Fahrschule. „Es war eine riesige Umstellung für mich, nachdem ich auf einem Golf 7 meine Führerschein-Ausbildung gemacht hatte“, sagt sie. „Da sitzt Du dann im Käfer und Dir kommt die Armatur auf einmal wahnsinnig ,nackt' vor, nachdem Du vorher wochenlang das digitale ,Mäusekino' vor Augen gehabt hast, das Dir quasi alles außer die aktuellen Lottozahlen anzeigen konnte.“ Doch nach einigen Tagen habe sie sich schnell an den Käfer gewöhnt.

Von einer Klassenkameradin, die vergangenes Jahr mit in ihrem Jubi-Käfer fuhr, lässt sich das nicht behaupten. „Als ich mit ein paar Freundinnen in den Herbstferien zum ersten Mal im eigenen Wagen übers Wochenende nach Holland fuhr, da guckte sie in mein Handschuhfach und fragte ernsthaft: „Ähm, wo genau sitzt hier der Airbag?“, erzählt Finja Rupprecht lachend. „Nachdem sie von mir dann belehrt wurde, dass mein Käferle überhaupt gar keine Airbags besitzt, wäre sie vor Schreck am liebsten aus meinem Wagen gesprungen - mitten auf der A 40, kurz vor Venlo.“

Käfer lockt die Menschen an

Die Sicherheitsbedenken hält Finja Rupprecht für völlig überzogen. „Wenn man defensiv und vorausschauend fährt, kompensiert das vieles.“ Außerdem lerne sie dank ihres Autos regelmäßig neue Leute kennen. „Da stehst Du auf dem Supermarkt-Parkplatz und plötzlich sprechen Dich völlig Fremde an und erzählen Dir aus ihrem Leben, vor allem ältere Menschen“, sagt Finja Rupprecht. „Sie schwelgen dann in Erinnerungen und erzählen von ihrem ersten Urlaub, ihrer großen Liebe oder anderen, tollen Ereignissen, die sie mit einem VW-Käfer mal erlebt haben, das ist manchmal richtig rührend und spannend.“

Nicht zuletzt deshalb kommt Finja Rupprecht zu dem Schluss: „Käfer-Fahren ist einfach nur toll!“

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erstellt am 09.Mär.2016 | 00:00 Uhr

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