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Ernährung & Gesundheit

25. Juli 2016 | 13:53 Uhr

Ein Pionier der Chiropraktik

vom

Der gebürtige Breklumer Werner Peper entdeckte und studierte die Behandlungsmethode in den USA und brachte sie nach Deutschland

Husum | "Schmerzen habe ich in der Schulter", berichtet der Patient und fährt sich wie zur Bekräftigung mit der Hand über den Rücken. "Aber die Ursachen liegen in der Halswirbelsäule, sagt mein Orthopäde - eine abgenutzte Bandscheibe." Juan Antonio Lombas Blick wird ernst und eindringlich. Fast unmerklich wandern die Augen des 66-Jährigen vom Kopf hinunter zum Bauch seines Gegenübers und wieder zurück - wie bei einem Scan. "Da müssen wir auch nach der Kiefer-Stellung schauen", sagt der Chiropraktor und Osteopath. "Das hängt alles zusammen."

Wie alles zusammenhängt und wie sich dieses Wissen heilsam nutzen lässt, wusste auch der Amerikaner Daniel David Palmer (1845 - 1913 ). Und der Begründer der Chiropraktik (altgriechisch cheir = Hand) hatte auch gleich die passende Geschichte dazu parat. Die handelt von einem schwarzen Pförtner, der sich verhoben und daraufhin einen Hörschaden erlitten hatte. Palmer überzeugte Harvey Lillard, dass er seinen abgedrängten Wirbel wieder einrenken könne. Das Ergebnis ließ sich sehen und hören. Nach der Behandlung war nicht nur alles wieder an seinem Platz, sondern der Mann auch nicht länger taub. Dass so etwas funktionieren kann, war nicht neu, wohl aber die Methode, mit der Palmer seinen Patienten wieder gerade gerückt hatte.

Als der gebürtige Breklumer Werner Peper (1910-1994) Ende der 1920er-Jahre seinen Bruder in den USA besuchte, wusste er von alledem nichts. Einer Familientradition folgend, hatte Peper Theologe werden sollen. Doch als der Bruder, selbst Chiropraktor, ihn mit den Möglichkeiten biomechanischer Behandlungsmethoden vertraut machte, schwenkte Peper um. Er beschloss zu bleiben und seinerseits Chiropraktik zu studieren. 1933 kehrte er dann - reich beladen mit Fachwissen - nach Deutschland zurück und diente während des Zweiten Weltkrieges in einem Sanitätskorps. Dass er dort auch seinen Vorgesetzten, Dr. Freimuth Biedermann, behandelte, sollte sich auszahlen. Als der später zu Prof. L. Zukschwerdt nach Hamburg ging und von Peper berichtete, beschloss man, zusammen zu arbeiten. Und als Zukschwerdt sah, wie gut das mit der Chiropraktik funktionierte, organisierte er auch gleich den ersten deutschen Kongress für Chiropraktik nach dem Zweiten Weltkrieg. "Da kamen immerhin 200 Ärzte", berichtet Lomba. Außerdem ermunterte er Peper, seine chiropraktischen Erfahrungen aufzuschreiben, denn Literatur zum Thema gab es in Deutschland nicht." Das Ergebnis, Pepers Handbuch für Chiropraktik, soll der Professor mit den Worten: "Viele Bilder, wenig Text" gewürdigt haben.

Als das Buch seine zehnte Auflage erlebte, kannten auch Lomba und Peper einander schon. Mehr als einmal waren sie sich an der Heilpraktiker-Schule in Bochum über den Weg gelaufen. Und als Lomba Peper um ein Vorwort für sein eigenes Handbuch der Chiropraktik bat, reagierte dieser bemerkenswert praktisch: "Warum zwei Bücher zum selben Thema? Lassen Sie uns doch eines gemeinsam schreiben!" Das war allerdings leichter gesagt als getan und der Abstimmungsbedarf groß. Wie oft er nach Föhr gefahren ist, wo Peper inzwischen lebte, hat Lomba vergessen. Aber 1989 stand sie dann - die erste Auflage des neuen Handbuchs der Chiropraktik von Juan Antonio Lomba und Werner Peper. In all dieser Zeit erlebte die Chiropraktik selbst so manche "medizinpolitische Verwerfung", wie Lomba es nennt. Mit anderen Worten: Nicht immer war diese Behandlungsmethode so akzeptiert wie heute. Aber das ist ein anderes Kapitel und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Für unsere beiden Hauptdarsteller schließt sich der Kreis, wenn Lomba Ende des Monats von Lüdenscheid in Werner Pepers Geburtskreis umzieht. Das einstige "Migrationskind aus Spanien" will künftig ganz in Husum arbeiten. Nebenher richtet der Heilpraktiker eine Webseite ein, die an Werner Peper erinnern soll: einen nordfriesischen Pionier der Chiropraktik.

Mehr zu Werner Peper unter www.wpaev.de

Juan Antonio Lomba wurde 1947 in Spanien geboren. Nach seiner Ausbildung zum Physiotherapeuten an der Universität Köln und zum Heilpraktiker ist er seit 1978 selbstständig, hält Vorträge im In- und Ausland und ist Erfinder der Lomba-Rolle, eines Werkzeugs für die Thermotherapie.

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erstellt am 15.Aug.2013 | 03:09 Uhr

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