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Beruf & Karriere

24. März 2017 | 07:24 Uhr

Das Ende der „Kreidezeit“ an Schulen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Weg zum digitalen Unterricht und vernetzten Lernen ist aber noch weit

Der Einsatz von elektronischen Medien an Schulen im Norden ist längst keine Selbstverständlichkeit. Dabei macht dies aus Sicht der meisten Fachleute Sinn. Gerade in der Schule sollen die Jugendlichen auf die Zukunft und das Arbeitsleben vorbereitet werden. Die digitale Welt ist längst ein fester Bestandteil davon. Der Abschied von der „Kreidezeit“ und Frontalunterricht ist eingeläutet. Der Weg zur digitalen Schule und vernetztem Lernen ist aber noch weit.

Ein Problem, das die Fachhochschule Westküste (FHW) in Heide erkannt hat. Vor vier Jahren wurde ein Lehrertrainingszentrum für elektronische Medien ins Leben gerufen, um den Pädagogen praktische Unterstützung zu bieten. Das Interesse ist groß. 600 Lehrer aus dem ganzen Land waren bereits in Heide. Nachfragen gibt es auch aus anderen Ländern.

„Wir haben gemerkt, dass Lehrer im elektronischen Bereich Hilfe brauchen, um dies in den Unterricht einbringen zu können“, erklärt Michael Engelbrecht, Leiter des Lehrertrainingszentrums. Die Bedienung von digitalen Endgeräten, Hilfe zur Visualisierung des Unterrichtsmaterials, Unterstützung der Arbeitsabläufe von Lehrern und auch die Begleitforschung zu den Auswirkungen elektronischer Medien auf den Unterricht gehören zu den Schwerpunkten.

In erster Linie nehmen Engelbrecht und sein Team den Lehrern aber die Angst, mit der neuen digitalen Welt zu arbeiten – „wir geben ihnen Sicherheit“. Nur dann, so Engelbrecht, würde dies auch in der Schule umgesetzt. Das ist auch dringend notwendig. Eine Studie der International Computer and Information Literacy Study hat ergeben, dass bei der Computernutzung im Unterricht Deutschland im internationalen Vergleich Schlusslicht ist. Selbst in Thailand oder Chile kommen Computer häufiger zum Einsatz.

„Lehrer haben teilweise Hemmungen, weil sie befürchten, sich vor den Schülern zu blamieren“, erklärt der Trainingsleiter. Dabei habe sich herausgestellt, dass Schüler im Umgang mit digitalen Medien nicht weiter sind als Lehrer. Engelbrecht ist überzeugt: „Digitale Medien machen den Unterricht nicht schneller, aber sie bereichern ihn.“ Das Lernen selbst sei ein Vorgang im eigenen Kopf – unabhängig von der Digitalisierung. „Aber wir können das Gehirn zum Arbeiten motivieren – mit der Digitalisierung – und wir müssen unbedingt den richtigen Umgang mit einem Medium lernen, in dem alles Wissen dieser Welt nur eine Handbewegung entfernt ist. Das ist die eigentliche Revolution“, so Professor Dr. Michael Berger, Vizepräsident der FHW. Die Fachhochschule scheint mit ihrem Ansatz auf dem richtigen Weg: Eine repräsentative Befragung im Auftrag des Digitalverbands BITKOM ergab, dass sich rund die Hälfte der Schüler wünscht, die richtige Bedienung von Programmen (53 Prozent) sowie die allgemeine Handhabung von Geräten wie Computer oder Beamer (47 Prozent) im Unterricht zu lernen. Nur etwas weniger wollen sich technische Grundlagen (44 Prozent) oder Wissen über die Erstellung einer Website (43 Prozent) in der Schule aneignen. „Die Zahlen zeigen, dass es in den Schulen einen großen Nachholbedarf bei der Nutzung moderner Technologien gibt. Das betrifft sowohl die Vermittlung von IT– und Medienkompetenz im Unterricht, als auch die Ausstattung der Schulen“, so BITKOM-Vizepräsident Achim Berg. „Unser Nachwuchs sollte lieber eine Programmiersprache wie Java oder PHP erlernen anstatt Latein.“

Schleswig-Holstein ist aus Sicht von Engelbrecht gar nicht so schlecht aufgestellt. Viele Schulen würden sich mit digitalen Medien beschäftigen. „Das Problem ist, dass die Politik das lange verschlafen hat und jetzt versucht, aufzuwachen“, kritisiert Engelbrecht. Den vom schleswig-holsteinischen Bildungsministerium ausgeschriebenen Wettbewerb „Lernen in einer digitalen Gesellschaft“ hält er für den falschen Weg. Statt Schulen in Konkurrenz treten zu lassen, müssten sie viel eher vernetzt werden. Auch Gerätepools wären sinnvoll. Nicht jede Schule brauche ein Arsenal von iPads. Engelbrecht: „Das Bildungsministerium hinkt der Entwicklung hinterher.“  

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erstellt am 02.Mai.2015 | 11:44 Uhr

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